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Das würdelose Geschacher der EU um Flüchtlinge

21. Juli 2015

Am gestrigen Montag erreichten die EU Innenminister im Streit um die Verteilung von Flüchtlingen in Brüssel einen sehr kleinen Fortschritt.  Dennoch bleibt das Geschacher um Menschen würdelos und eine Schande für ganz Europa.

In Internet-Diskussionen bezeichne ich mich gegenüber Menschen aus anderen Kontinenten immer als Europäer, was ich bei meiner letztjährigen Reise in die USA und Kanada ebenfalls tat. Erst auf Nachfrage hin spezifiziere ich dann. Ich sage nicht gerne, dass ich aus Deutschland komme. Es ist mir nicht peinlich, aber ich sehe einfach nur wenige Dinge in mir, die man mit Menschen aus Deutschland verbindet. Es klingt mir immer zu miefig, zu spießig, zu langweilig. Ein bisschen zu sehr nach ausgeprägtem Pflichtbewusstsein, peinlich genauem Ordnungsdrang, übertriebenem Fleiß, frühem Aufstehen, mit Hilfe der Wasserwaage gerade geschnittenen Hecken, Arbeit als Lebensinhalt Nummer 1 und dem starren Bestehen auf überflüssigen Regeln. Zugegeben, ich bin fast immer pünktlich. Ich sehe das allerdings nicht als deutsch an, sondern finde es einfach praktisch und respektvoll.

Mit dem Begriff Europäer konnte ich mich dagegen lange sehr gut anfreunden. Es ist nicht nur meine geographische Heimat, es ist deutlich mehr Lebensfreude als sie Deutschland verkörpert. Es ist auch London, Paris, Budapest, Amsterdam, Barcelona oder St. Petersburg. Es ist Pizza, Wiener Schnitzel, Jamón Ibérico, Bouillabaisse  und Kolbász. Es ist Kultur und Geschichte. Ich mag die europäische Idee schon aus dem simplen Grund, dass Verbündete für gewöhnlich keine Kriege untereinander führen. Ich finde es außerdem großartig, eine Landesgrenze passieren zu können, ohne warten und meinen Ausweis zeigen zu müssen sowie einiges mehr.

Ich schäme mich für Europa

In den letzten Monaten und Jahren  gibt es aber leider immer mehr Gründe, sich für Europa zu schämen. Die endlose Griechenlandsaga, welche uns noch lange beschäftigen wird, die Ukraine-Problematik und Kriege wie andere Konflikte, an denen wir teils alles andere als unschuldig sind und die vor unserer Haustür stattfinden. Erbärmlicher und ungeschickter als in der Flüchtlingsfrage stellen wir uns aber wohl in keinem anderen Bereich an. Über die widerwärtige Minderheit, die Unterkünfte abfackelt und offen gegen Fremde hetzt, will ich an dieser Stelle nicht schreiben. Der Quatsch, den Horst Seehofer im kurzen Bericht der Tagesschau erzählte, kann mich schon genügend zum Kopfschütteln bringen. Bayern gerät an die Belastungsgrenze? Ein Hohn, wenn man bedenkt, wie viele syrische Flüchtlinge mittlerweile in der Türkei leben. Es ist an der Zeit, die Belastungsgrenze nach oben zu verlegen. Vor allem jene in den Köpfen.

Aber wir können doch nicht alle aufnehmen? Mir ist erstens auch nicht bekannt, dass alle kommen wollen und zweitens verlangt das niemand. Gerade ein immer älter werdendes Land wie Deutschland, sollte schon aus Eigeninteresse mehr tun. Darüber hinaus gibt es etwas wie Empathie und zahlreiche andere Gründe. Wie wäre es mit der von uns leergefischten westafrikanischen Küste? Wie wäre es mit dem Klimawandel, an dem vorwiegend Nordamerika und Europa die Schuld tragen, während man in Afrika darunter leiden muss? Wir schicken unseren Elektroschrott und unseren EU-subventionierten Hähnchenfleischabfall nach Afrika, plündern Ressourcen, aber Verantwortung wollen wir nur so weit übernehmen, wie es gerade nötig ist, um unser Gewissen zu beruhigen.

Pflicht statt Wohltat

Viele Menschen scheinen es hierzulande als Wohltat anzusehen, Flüchtlinge aufzunehmen. Das ist es aber nicht. Es ist unsere Pflicht, wenn es um Menschen geht, die in der Heimat um ihr Leben fürchten müssen. Bei den anderen müssen wir wohl erst einmal damit beginnen, sie nicht ständig zu diffamieren. „Wirtschaftsflüchtling“ ist zu einer Beschimpfung geworden, die mit großer Inbrunst und Verachtung besonders gerne von Politikern christlicher Parteien benutzt wird. Wirtschaftsflüchtling klingt irgendwie so, als würden Menschen gemütlich vorbeimarschiert kommen, weil sie einfach gerade gerne mal modischere Klamotten, ein größeres Auto und ein eigenes Haus hätten. Sie wollen aber nur ein sichereres und menschenwürdiges Leben. „Lebensflüchtling“ wäre ein besserer Begriff.

Für mich gibt es kein legitimes Recht, nach dem ein Mensch einem anderen vorschreiben darf, wo dieser zu leben hat. Mit welcher Überzeugung viele Leute offensichtlich anderer Ansicht sind, irritiert mich. „Hahaha, Du bist halt am falschen Ort geboren. Pech gehabt, wünsche noch ein schlechtes Leben!“ Wir haben mit unseren Händen Grenzen künstlich geschaffen und wir können sie auch wieder beseitigen, selbst wenn wir in Ungarn gerade das Gegenteil tun. Ja, ich weiß:  Es ist eine Utopie. Ich glaube nicht, dass meine Kinder es erleben würden, hätte ich welche, aber unserer wahres Ziel müsste es sein, Grenzen gänzlich abzuschaffen und jedem einzuräumen, dort wohnen zu können, wo er oder sie will. Vielleicht wird das auch in hundert Jahren nicht der Fall sein, aber es ist traurig, dass die meisten von uns nicht einmal davon träumen. Was aktuell geschieht, ist sogar mehr als traurig. Es ist eine bedrückende Schande, die schnellstens ein Ende haben muss.

From → Kultur, Politik

16 Kommentare
  1. ribi permalink

    ziegen: europa tut ja schon einiges, die türkei oder der libanon sind als kulturverwandte völker keine guten beispiele! wir schaffen es nicht einmal, unsere alten, kranken, arbeitslsoen, behinderten usw. würdevoll zu behandeln, dies kommt zuerst! natürlich sind sinnlsoe härten zu vermeiden. lustig, wenn spd-leute sagen, mit uns gibt es keinehärten gegen flüchtlinge, aber gegen alg-2-bezieher natürlich schon!wolltest du ncith mal rot-rot-grün?wirklich verfolgte nahc strenger definition in bestimmten maßen gerne!

  2. ribi permalink

    king: aber nicht nur bei mir!

  3. ribi permalink

    king: mag dich aber trotzdem!

  4. ribi permalink

    king: es würde mich mal interessieren, kenne dich ja länger, ob mein eindruck stimmt- und du glaubst, deutsche politiker seien für ausländer mrd. so verantwortlich wie für einheimische (darunter auch langjährig hier lebende menschen aus dem ausland)? für dich sollten sicher auch flüchtlinge direkt das wahlrecht erhalten, natürlich ist dieses alten deutschen/europäern zu nehmen, stimmst du da zu?du gibst natürlich vor, was moralisch zu denken ist. natürlich sollten cdu-wähler ihr wahlrecht verlieren, wäre doch was für dich-oder?

    • Also, Du kennst mich nicht wirklich. Ansonsten ist das wieder mal sehr wirr. Was mir tierisch auf den Sack geht: Ständig musst die Schwache gegen Schwächere ausspielen.

  5. ribi permalink

    king: du bist süss, naiv, einfach gute.

  6. ribi permalink

    king: wer ist schwächer in europa als eurpas arme, schwache, behinderte usw? was ist daran wirr? wirr ist für mich die unpolitische moralisierende sehnsucht danach, jedem helfen zu können!?du hast hier mal gegen das wahlrecht für alte und für unter 18-jährige geschrieben!deinen hass auf die cdu willst du nicht echt leugnen-oder!?dich interessiert auch nicht, was die mehrheit der christlichen europäer/deutsche will, wo täusche ich mich da?

    • Wirr war der ganze Text. Ansonsten wäre ein Punkt z.B. dieser: Wir schwenden Geld in Millardenhöhe, zum Beispiel ist der Bundeswehrhaushalt immer noch viel zu hoch, zahlreiche Projekte sind völlig größenwahnsinnig und werden stümperhaft umgesetzt. Der Berliner Flughafen und die Elbphilamonie sind nur die Spitze des Eisberges. Großkonzerne zahlen kaum steuern in Deutschland und Kapital wird weniger besteuert als Arbeit. Da verlieren wir Dutzende Millarden Euros jährlich, die man in Bildung, Infrastruktur und die Unterbringung von Flüchtlingen stecken könnte. Dazu höre ich von ribi nie etwas. Immer nur die üblichen Anti-Flüchtlings-Statements. Es nervt kolossal und hätte ich nicht gerade auf der Arbeit Zeit zu antworten…

      Was soll wirr daran sein, jedem helfen zu wollen? Ob man es kann oder nicht, spielt erst einmal keine Rolle. Versuchen sollte man es zumindest.

      Ich habe nicht wirklich gegen das Wahlrecht geschrieben. Aber ja, mich nervt es, dass CDU/CSU dank der dümmeren älteren Landbevölkerung bundesweit immer noch bei insgesamt 40% sind. In den Städten sieht es ganz anders aus und das Schlimmste daran ist, dass Millionen Rentner und Rentnerinnen das „C“ in der Partei wählen.

      Klar, hasse ich die CDU/CSU. Sie steht für Stillstand und zahlreiche Dinge, die ich verabscheue. Sie steht allgemein für Stillstand, Ideenlosigkeit, unsoziale Politik, skrupellose Waffenexporte, Angst vor Fremden, Diskriminierung von Homosexuellen, 0 Eier in der NSA Affäre usw. Was sollte ich an dieser Partei nicht hassen?

  7. ribi permalink

    king: bringe doch mal einen beleg, welcher über moral- oder was du dafür hältst-hinausgeht! es interessiert euch schlicht nicht, was die europ. bevölkerung mehrheitlich will!

    • Was für Belege? Mich interessiert einen Scheiß, was in vielen Fragen der Maler aus dem ungarischen Dorf will, der Bauer in Frankreich oder die bayrische Rentnerin. Ich wünsche ihnen ein Leben ohne existenzielle Sorgen, aber z.B. in Flüchtlingsfragen (und nicht nur in diesen) sind mir deren Ansichten egal. Für mich gerät auch die Demokratie da an ihre Grenzen, wo dumme Menschen und Arschlöcher für mich mitentscheiden.

  8. ribi permalink

    king: bist du jetzt böse? jedem seine ansicht, überlassen wir es dem polit. meinungsstreit/wahlen und abstimmungen, wer sich durchsetzt!

  9. ribi permalink

    king: sagen viele!könnte aber teilweise auch am gegenüber liegen, einer muss ja schuld sein!

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