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Ein herzlicher Glückwunsch?

26. Januar 2015

Sehr gefreut hat mich am gestrigen Abend das griechische Wahlergebnis. Ich sah vor meinem geistigen Auge das zerknirschte Gesicht Merkels und die hetzerischen Texte der deutschen Boulevard-Presse. Heute gab es dann aber den großen Dämpfer.

Ich hielt es ja für einen Scherz, dass das griechische Linksbündnis SYRIZA tatsächlich mit einer rechtspopulistischen Partei koalieren könne. Genau aber das hat sich jetzt bewahrheitet. So sehr beide der Kampf gegen das europäische Spardiktat eint, so wenig akzeptabel finde ich das Bündnis. Es ist mir zu viel Pragmatismus. So bedauerlich es auch ist, dass es nicht ganz zur absoluten Mehrheit für SYRIZA gereicht hat: Diesen Weg hätte Alexis Tsipras nicht gehen sollen.

Den meisten Griechen wird es egal sein. Mehr als jeder vierte Grieche ist arbeitslos und sogar ein Drittel lebt an oder unter der Armutsgrenze. Hunderttausende haben keine Krankenversicherung und genau so wenig Perspektiven. Gleichzeitig wurden die Menschen, die von jahrzehntelanger Korruption und Vetternwirtschaft am meisten profitiert haben, natürlich wieder einmal fast ausnahmslos verschont. Vielleicht findet Tsipras Wege, diesen Wahnsinn ein wenig zu korrigieren. Merkel und Co. ist das wahrlich egal. Noch immer wird in Deutschland so getan, als hätte man in Griechenland uns für irgendetwas zu danken, während das Gegenteil der Fall ist.

Sehr abenteuerlich empfand ich in den letzten Wochen die deutschen Warnungen vor einer Wahl SYRIZAs. Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wurde nicht müde, das Linksbündnis als radikal oder wahlweise extrem zu bezeichnen. Albern. Radikal ist lediglich die Politik der Troika. Radikal ist, wie man in Griechenland einfache Rentner, Angestellte, Beamte und Arbeitslose für eine Krise bluten lässt, welche diese nicht zu verantworten haben, während die Schuldigen unbehelligt bleiben.

Gerne würde ich noch weiter über dieses Thema schreiben, aber leider bleibt mir nicht viel Zeit. Es wartet heute noch Arbeit und ein ärgerlicher Ausflug zur Nodügida-Demo auf mich. Ja, niemand zwingt mich dazu, aber ich habe mir schon letzten Montag eine Auszeit genommen. Ein zweites Mal in Folge kann ich das aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Solange Frau Dittmer und ihr kleiner, trauriger, rechter Haufen zu Dügida-Spaziergängen montags nach Düsseldorf anreist, solange müssen mindestens zehnmal so viele Gegendemonstranten vor Ort sein. Das kann man am besten sicherstellen, in dem man sich selbst auf den Weg macht und sich dort mit Freunden und Bekannten trifft.

2 Kommentare
  1. ribi permalink

    freue mich, dass du wieder schreibst! habe dich schon vermisst! die griechen entscheiden, wenn sie wählen, die arrogante einmischung hat mit demokratie nichts zu tun! ich hoffe, dass die super-reichen nurn auch ihren beitrag leisten müssen, dann heulen sicher manche! zu den pobulisten, arme bürger in not haben sicher ander ideen als flüchtlinge, wenn du deine kritik so gemeint hast, außerdem ist das system am zerbrechen!

  2. Spinoza permalink

    Sehr schön, wieder mal ein Lebenszeichen von Dir zu erhalten (-:
    Bitte teilnehmen und weiterverbreiten, falls Interesse deinerseits besteht:
    https://www.facebook.com/events/1380049848970918/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular

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