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Kinotipp: Sag nicht, wer du bist

22. August 2014

Das Kinoprogramm dieser Tage wirkt auf den ersten Blick recht fad. „Transformers“ oder „Planet der Affen: Revolution“ können mir auch am herbstlichsten Augusttag nicht 8 Euro aus der Tasche locken und Luc Besson hat seine besten Tage als Regisseur leider wahrlich lange hinter sich. Gut, dass es Xavier Dolan gibt, dessen Filme jeden Cent Eintrittsgeld wert sind.

Seit gestern ist mit „Sag nicht, wer du bist“ (Tom à la ferme) der vierte Spielfilm des in Montréal geborenen Regisseurs, Schauspielers und Produzenten in den deutschen Kinos zu sehen. Soweit nicht ungewöhnlich, mag man denken. Weiß man allerdings, dass der Kanadier im März erst 25 Jahre alt geworden ist, kann man nur beeindruckt sein. In Cannes heimste Dolan darüber hinaus in diesem Jahr für „Mommy“ den Jury-Preis ein. Ja genau, das ist dann bereits sein fünfter Film, der im übrigen auch noch in diesem Jahr in den deutschen Kinos zu bewundern sein wird. Begonnen hatte seine Karriere 2009, als er „J’ai tué ma mère“ (I killed my mother) noch vor seinem zwanzigsten Geburtstag als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur auf die Leinwand brachte.

Mit diesem Film wurde ich auf Dolan aufmerksam und habe seine Karriere intensiv beobachtet. Immer wieder denke ich an Rainer Werner Fassbinder, wenn mir sein Talent und Arbeitseifer in die Augen sticht. Einzig an „Laurence Anyways“ arbeitete Dolan relativ lange. „Sag nicht, wer Du bist“ soll dagegen in einem Zeitraum von nur 17 Tagen entstanden sein. Das Ergebnis ist dafür großartig. Aus dem interessanten Talent Dolan, den man oft als Wunderkind bezeichnete, ist in wenigen Jahren ein großer Filmemacher geworden. Wenn ich bedenke, dass ich 38 Jahre brauchte, um ein nicht allzu umfangreiches Buch fertigzustellen, kann ich nur neidisch den Hut ziehen. In Wirklichkeit bin ich aber nicht neidisch. Ich bin dankbar, dass es bei all der Massenware aus Hollywood und dem größtenteils uninspirierten bis nichtssagenden deutschen Kino noch einige Regisseure dieser Klasse gibt.

Nun kurz zur Geschichte von „Sag nicht, wer du bist“: Tom (gespielt von Dolan) ist Mitte 20, lebt und arbeitet in Montréal in der Werbebranche befand sich dort mit seinem Arbeitskollegen Guillaume in einer Beziehung. Nach dem Tod seines Partners fährt Tom zu dessen Beerdigung aus der Großstadt ins ländliche Québec. Eine Reise, die von Beginn an aus einem zweiten Grund denkbar schwierig anmutete: Guillaume hatte seine Homosexualität vor seiner Mutter verheimlicht und Guillaumes Bruder Francis hat ein großes Interesse daran, dass das so bleibt. Es entwickelt sich ein Thriller, der zu einem großen Teil mit drei Schauspielern auskommt.

„Sag nicht, wer du bist“ ist ein Film, der ein wenig schockt, überrascht und vor allem einfach gut unterhält. Wer mehr über den Film erfahren will, kann das auf vielen anderen Seiten. Einige davon verraten meiner Meinung nach aber wieder einmal viel zu viel von der eigentlichen Geschichte. Wenn ich einen Film empfohlen bekomme, möchte ich wissen, warum er sich lohnt und worum es grob geht. Ich möchte nicht zig wichtige Szenen, Entwicklungen und Vorkommnisse vor meinem Kinobesuch schon kennen. Ein Tipp noch generell zu den Filmen Dolans: Es empfiehlt sich, mit „J’ai tué ma mère“ zu beginnen.

From → Film + TV, Kultur

9 Kommentare
  1. ribi permalink

    lebst du noch??

  2. ribi permalink

    man hört halt nichts!!

  3. dr. müller permalink

    wann hört man was neues- wann geht dein blog weiter?

  4. ribi permalink

    king: willst du mal einen arbeitslosenhasser erleben?

    http://www.berthold-kogge.de/

  5. ribi permalink

    king: wollte dir den nur mal zeigen! der ist auch gegen ein grundeinkommen, ich bin da zwar gespalten, seine ablehnung kommt aber aus dem arbeitslsoenhass!

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