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Der zweite Auszug aus meinem Buch

22. Januar 2014

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Wann mein Buch, welches immer noch den Arbeitstitel „22.000 Kilometer in 22 Tagen“ trägt (mir fällt kein besserer ein), erhältlich sein wird, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich froh bin, die Arbeit daran endlich so gut wie beendet zu haben. 

Ich frage mich natürlich, ob ich das ein oder andere Kapitel nicht doch noch einmal durchlesen und überarbeiten soll, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Worum ging es eigentlich noch gleich? Es handelt sich um ein Reisetagebuch, in welchem Moskau, die Transsibirische Eisenbahn, Irkutsk, Listwjanka, Wladiwostok, Peking, Ulaanbaatar, die mongolischen Steppe, Ulan Ude und einige Menschen eine Rolle spielen. Zur gedanklichen Auffrischung oder für neue Leser, hier noch einmal der erste Auszug, den ich bereits im November veröffentlicht habe:  In der Transsibirischen Eisenbahn 

Der nun folgende, aktuelle Auszug ist aus dem Kapitel „Die Odyssee des Reitens, Teil 2“, am Tag 17 unserer Reise:

Zurück in unserer Jurte fiel mir wieder ein, dass der zweite Teil des Reitabenteuers an diesem Tag stattfinden sollte. Das hatte ich nach dem Aufstehen erst einmal erfolgreich verdrängt. Ich wollte nicht. Meine Eier wollten noch weniger. Trotzdem konnte ich am zweiten Tag noch nicht die Segel streichen. Am dritten vielleicht, wenn es nicht anders ging, aber an diesem Donnerstag musste ich noch einmal stark sein.

Als ich Nadine beim Frühstück gegenüber beiläufig die Schmerzen erwähnte, die auf mich warteten, schien sie wenig beeindruckt. „Manmanman“, sagte sie. Eine Äußerung, die sie sich auf dieser Reise von mir angeeignet hatte. Einige andere Freunde und ich nutzten diese gelegentlich in Anlehnung an Kai (Moritz Bleibtreu) aus dem Film „Lammbock“. Niemand sagte dieses „Manmanman“ aber auf eine süßere und lustigere Art als ein ungarischer Freund und Nadine.

Kurz nach dem Frühstück ging es wieder auf die Pferde. Dieses Mal war unserer Begleiter oder Aufpasser, der Sohn der Familie. Er schien nicht sonderlich begeistert ob seiner Aufgabe zu sein, aber da hatten wir beide immerhin etwas gemeinsam. Nadine freute sich dagegen, doch am Ende musste sie die größte Enttäuschung des Tages verkraften.

Fast der komplette Ausritt fand im Schritt statt. Nur einige, wenige Male bewegten wir uns im Tölt ein bisschen schneller vorwärts. Das tat mir jedes Mal höllisch weh, doch insgesamt konnte ich mich nicht beschweren. Ein bisschen mehr Action wäre grundsätzlich nett gewesen, aber der Schritt entlastete meinen Körper und ich hatte Zeit, die Natur zu bewundern.

Nadine fand das nicht so witzig. Sie wollte richtig reiten und langweilte sich. Ich hatte dafür viel Verständnis. Ich stellte mir vor, wir würden Eishockey spielen, aber Schlagschüsse und Bodychecks wären dabei verboten gewesen. Ich hätte darauf auch keine Lust gehabt. An dieser Stelle gebe ich zu, dass ich kaum Schlittschuhlaufen kann, aber das tut eigentlich nichts zu Sache.

Als wir wieder in unserer Jurte waren, musste ich mich trotzdem ein wenig ausruhen. Während bei Nadine langsam die Enttäuschung wich, fasste ich den Entschluss, auf den dritten Reittag zu verzichten. Ich hoffte, zwei Fliegen mit einer Klappe erwischen zu können. Erstens würde ich meinen geschundenen Körper schonen und zweitens hätte Nadine ohne mich als reiterischem Ballast vielleicht die Chance, sich ohne Leine und in anspruchsvollerem Tempo fortbewegen zu dürfen. Das wäre das Beste für uns beide, war ich mir sicher.

Am Nachmittag saß ich alleine im Gras und philosophierte ein wenig. Ich dachte wieder über das Leben nach. Das in einer Stadt wie Düsseldorf und jenes vor Ort, im mongolischen Nichts. Ich teile viele moderne Vorstellungen von Menschen darüber, wie das Leben in Deutschland angenehmer sein könnte. Zum Beispiel mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Für viele mag es utopisch klingen, dass vielleicht eine 10-Stunden-Woche basierend auf dem Grundeinkommen, finanziell schon ein anständiges Leben ermöglichen könnte. Sehr schade eigentlich.

Das Abendessen bot keine Überraschung. Es gab wieder einmal Suppe mit Ziegenfleisch. Ich hatte die niedliche Ziege, die mir ins Buch gegessen hatte, an diesem Tag noch nicht gesehen und machte mir Sorgen. Wie Nadine die fettigen Fleischstücke aß, was sie in Deutschland freiwillig nie getan hätte, nötigte mir gewaltigen Respekt ab. Selbst ich, der in Sachen Nahrung alles andere als zimperlich war, empfand die am Fleisch hängenden Fettklumpen langsam schon als äußerst unangenehm.

Später gab es Alkohol und davon nicht zu wenig. Ganz nach meinem Geschmack. Baska gesellte sich in der Jurte zu Nadine und mir. Es gab mongolischen Wodka, der mir überhaupt nicht schmeckte, aber dafür auch recht anständiges Bier und das Nationalgetränk Airag. Was hatten wir darüber nicht alles für Horrorgeschichten gehört. Die vergorene Stutenmilch wäre nichts für europäische Mägen, man solle sich auf Durchfall gefasst machen und so weiter. Alles Quatsch, was Nadine und mich anging.

Uns gefiel der säuerliche, prickelnde, wenn auch gewöhnungsbedürftige Geschmack. Nadine erinnerte Airag ein wenig an Federweißer, mit Kefir gemixt. Ich suchte lange nach einem Getränk, welches ich auch nur annähernd mit Airag hätte in Verbindung bringen können. Wenn man in Kefir ein wenig Wodka kippte, dann würde man eventuell einen etwas ähnlichen Geschmack kreieren können, überlegte ich. Die Stutenmilch blieb jedenfalls problemlos bei uns und ich hatte mir am Ende sogar ganze drei Schälchen davon gegönnt. Dazu mit Wodka und Bier noch zwei weitere alkoholische Getränke, welche dafür verantwortlich waren, dass ich mich zum ersten Mal in der Mongolei nicht mehr ganz nüchtern fühlte. Na endlich.

Ich ging durch die Dunkelheit zum Pinkeln an den Fluss und bewunderte die wiederum leider nur eingeschränkte Sicht auf die Sterne. Immerhin kann ich behaupten, den großen Wagen noch nie so hell und klar am Himmel gesehen zu haben. Ein weiterer, schöner, kurzer Moment dieser so ereignisreichen Reise.

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From → Allgemein, Kultur, Medien

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