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Von Büchern, Prominenten und Nutten

12. Oktober 2013

Endlich habe ich es gestern erstmals geschafft, zur Frankfurter Buchmesse zu fahren. Man hat mir dort zwar keine Manuskripte aus der Hand gerissen, aber dennoch lohnte sich der anstrengende Tag.

Wie groß und vielfältig diese Messe ist, versteht man erst vor Ort. Unzählige Diskussionen finden gleichzeitig statt, so viel ist zu entdecken und fast überallhin lohnt sich ein Blick. Am Ende war der eine Tag zu wenig. Für das Antiquariat und die Kalenderausstellung fehlten zum Schluss beispielsweise Zeit und Energie.  Bereits um 9.15 Uhr kam ich pünktlich am Messegelände an. So sehr der Fahrpreis der Deutschen Bahn nervte, so wenig konnte ich mich über den Rest beschweren. Der ICE aus Düsseldorf brauchte keine eineinhalb Stunden und die Fahrt vom HBF zur Messe mit der S-Bahn war eine Angelegenheit von ein paar Minuten. Dort wartete ich auf einen guten Freund, den ich leider zu selten sehe, weil dieser etwa 1000 Kilometer entfernt in Budapest lebt.

Frankfurt

Zuhörer lauschen Ulrich Tukur auf der Frankfurter Buchmesse

Gemeinsam gingen wir durch die erste Halle und unterhielten uns. Ich erzählte von Autoren, die ich sehr schätze und die uns auf Plakaten oder auf den Deckeln ihrer Bücher begegneten. Von Haruki Murakami, Michel Houellebecq beispielsweise oder der gebürtigen Ungarin Terézia Mora, die aktuell mit „Das Ungeheuer“ den Deutschen Buchpreis gewann und deren Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ mich 2010 begeisterte. Im Gegenzug berichtete mir mein Freund von seinen geschäftlichen Terminen des Vortags. Der erste bekannte Autor, den ich live sah, war Sven Regener, den ich aber seit seiner letztjährigen Wutrede zum Thema Urheberrecht nicht mehr sonderlich sympathisch finde.

Grundsätzlich bin ich von Begegnungen mit Prominenten nicht sonderlich beeindruckt. Es macht aber schon einen Unterschied, wenn man plötzlich innerhalb weniger Stunden mehreren gegenübersteht, die man mag und schätzt. Zu nennen wäre da in diesem Fall zum Beispiel Martin Sonneborn, dessen pure Anwesenheit mich schon zum Grinsen brachte. Mittags befand ich mich plötzlich an der Currywurstbude neben Denis Scheck und später sah ich Ulrich Tukur in einem Interview. Vergessen will ich keinesfalls Max (bis vor kurzem Dieter) Moor, den ich draußen dabei beobachtete, wie er rauchend mit seiner ausgeprägten Mimik offensichtlich eine Moderation einstudierte. Äußerst interessant und amüsant.

Von internationalen Verlagen und Leuten, die man lieber nicht gesehen hätte

Zu gern hätte ich auch Wladimir Kaminer gesehen, aber ich weiß nicht, ob er gestern noch vor Ort war. Auf der anderen Seite gab es selbstverständlich auch jene bekannten Gesichter, die man am besten schnell wieder vergisst. Da fallen mir zuerst Helene Hegemann und die notorisch nervende Fernsehkoch-Bratwurst Johann Lafer ein. Wenigstens wurde ich nicht von dessem geisteskranken Lachen belästigt, welches höchstens Horst Seehofer noch toppt.  Diese kurzen Begegnungen konnte ich aber leicht verkraften, zumal mir Gestalten wie Boris Becker oder Daniela Katzenberger, vor der ich mittlerweile sogar noch einen Fünkchen mehr Respekt habe als vor Bobbele, immerhin erspart blieben.

Am liebsten hätte ich einen ganzen Koffer voller Bücher wieder mit nach Hause genommen. Da dort aber nach kurzem Nachdenken sowieso noch einige auf mich warteten, beließ ich es bei einem Mitbringsel.  Sehr gut gefiel mir am Nachmittag die Halle der internationalen Verlage. Wir fragten uns etwas unsicher, mit welchem Ziel einige davon vor Ort waren, aber das werden wir wohl nie erfahren. Als besonders niedlich empfand ich den winzigen Stand Tadschikistans, in welchem von ein paar Dutzend Büchern eingerahmt zwei Frauen saßen, die sich unterhielten.  Selbst jener der von mir geliebten kanadischen Provinz Québec war mindestens fünfmal so groß.

Gegen 19 Uhr gingen wir durch das Frankfurter Bahnhofsviertel zum von mir für das Abendessen vorher auserkorenen Restaurant „Zarges“. Letzteres war eine sehr gute Wahl. In angenehm ruhiger Atmosphäre genossen wir Ginger Ale, gutes Weizenbier, eine Bouillabaisse, geschmorte Ochsenbäckchen mit glasierten Vanille Karotten und Estragon Stampf sowie eine Crème Brûlée, auf die ich dummerweise verzichtete. Nicht so gut kam bei meinem Begleiter der Fußgang zum Restaurant an. Allerdings hatte ich vorher schon angemerkt, dass der direkte Weg durch eines der letzten „richtigen“ Bahnhofsviertel Deutschlands führen würde. Irgendwie war meinem Freund nicht bewusst, was das bedeutete. Bereits nach wenigen Metern wurden wir von der ersten Prostituierten angesprochen. Typen, die uns in irgendwelche Clubs locken wollten, ließen auch nicht lange auf sich warten.

Ich fand das alles sehr lustig und kaufte mir erst einmal eine Flasche Binding. Ein Bier, welches man gerechtfertigterweise in Düsseldorf für gewöhnlich vergeblich sucht. Mein Freund war ob der Gegend mehr als schockiert, während ich mich kurz darauf dann auch unwohl fühlte, da wir uns vor dem Gebäude der Deutschen Bank befanden. Auf dem Rückweg mied er das Bahnhofsviertel und stieg lieber schnell nach kurzer Fahrt mit der U-Bahn in sein Auto, während mir noch jede Menge Elend begegnete. Das negative Highlight ging auf das Konto eines Pärchens, welches sich auf dem Bürgersteig in aller Ruhe einen Schuss setzte. Traurig, aber auch das ist Frankfurt. Wenig später war ich dann selbst froh, als ich im ICE nach Düsseldorf saß und schlief nach einem insgesamt guten Tag erstmal ein bisschen.

From → Uncategor.

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