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Taktisch wählen?

19. September 2013

In drei Tagen dürfen die meisten von uns an der Bundestagswahl teilnehmen. Eine tolle Sache, oder? Während unsere Politiker lange dafür warben, dass wir überhaupt zur Abstimmung gehen, möchten sie nun teilweise sogar auch noch, dass wir taktisch wählen. Ein interessantes Verständnis von Demokratie.

Wahlzettelbtw

Ausschnitt meines Wahlzettels am Sonntag

Ganz grundsätzlich gibt es eigentlich nichts gegen die Zweitstimmenkampagne der FDP zu sagen. Die Verzweiflung ist nachvollziehbar, wenn man ehrlich ist. Eine Partei will also sogar nur eine unserer Stimmen. Bescheiden, oder? Die erste können wir ruhig der CDU/CSU geben. Schön und gut. Das Problem hierbei ist, dass sich Brüderle, Rösler und Co., wenn man ehrlich ist, ganz gezielt an Menschen wenden, die eigentlich einer anderen Partei nahe stehen. Die FDP müsste außerdem wohl kaum um den EInzug in den nächsten Bundestag bangen, würde sie wirklich für liberale Werte und freiheitliche Politik stehen. Stattdessen ist sie schon lange eine Lobby-Partei für Konzerne, Reiche und Besserverdiener, auf die jeder getrost verzichten kann, der unter 80.000 Euro im Jahr verdient. Nun geht die FDP betteln, so wie jene Menschen es müssen, denen eben diese Partei trotz Vollzeitarbeit in vielen Fällen keinen anständigen Lohn zugesteht. Dabei wird dann plötzlich wieder auf heuchlerische Art die große Fahne der Freiheit geschwungen. Erbärmlich.

Die Appelle, doch bitte taktisch zu wählen, enden aber keineswegs an dieser Stelle. Sehr gerne wird uns Wählern dieser Tage auch erzählt, dass Stimmen an Parteien verschenkt wären, die an der 5% Hürde scheitern. Allerdings kann niemand grundsätzlich 100%ig sagen, ob die AfD oder vielleicht sogar die Piraten es am Sonntag nicht doch schaffen, auch wenn es besonders bei letzteren allen Prognosen nach sehr schlecht aussieht. Nimmt man aber selbst diejenigen, die keine Chance haben, was sich jeder für sich ausrechnen kann, bleibt das Gequatsche von verschenkten Stimmen ziemlich undemokratisch. Würde ich den Violetten oder der MLPD am nächsten stehen, dann bekämen diese Parteien auch mein Votum.

Göring-Eckardt veralbert Wählerinnen und Wähler

Sehr peinlich präsentierte sich auch Katrin Göring-Eckardt von Bündnis90/Die Grünen in diesem Kontext. Am Sonntag erzählte sie engagiert einem Millionenpublikum, dass jede Stimme für die Linkspartei einen Politikwechsel verhindern würde. Sowohl im Bund, als auch in Hessen. Bedenkt man, wie einig sich CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne in wichtigen Themen wie der Euro-Politik oder bezüglich Auslandseinsätzen der Bundeswehr insgesamt seit langem sind und lediglich die Linke im Bundestag eine konträre Position einnimmt, eine absurde Aussage. Besonders in Hessen ist die Wahrscheinlichkeit allen Umfragen nach groß, dass Schwarz-Gelb dort knapp weiterregieren werden kann, wenn die Linke den Einzug in den Landtag verpasst. Anstatt sich wenigstens dort der Linkspartei und deren engagierter und sympathischer Spitzenkandidatin Janine Wissler zu öffnen, spielt man lieber alles oder nichts. Entweder Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Ich hoffe sehr, dass dieser Plan nicht aufgeht.

Selbstverständlich sollte man sich als Wähler darüber bewusst sein, dass man nie 100%ig weiß, was mit der eigenen Stimme am Ende geschieht. Ich kann mir die langen Gesichter vieler grüner Anhänger gut vorstellen, wenn es für Schwarz-Gelb im Bund nicht reicht, Sigmar Gabriel für die SPD zu große Forderungen an Angela Merkel stellt und plötzlich ernsthaft Schwarz-Grün diskutiert wird. Muss man solche Gedankenspiele in die eigene Wahlentscheidung mit einfließen lassen ? Schwierig. Sicher sollte man sich aber nicht von Politikern anderer Parteien vorschreiben lassen, für wen man aus taktischen Gründen besser nicht abstimmt.

Übrigens habe ich den sehr populären Begriff „Leihstimme“ absichtlich vermieden. Es ist ein schlechter Begriff, denn diese taktischen Stimmen werden nicht verliehen, sie werden weggegeben. Wenn die FDP der Empfänger ist, darf man sie auch als weggeworfen ansehen.

From → Uncategor.

7 Kommentare
  1. ribi permalink

    king: die leihstimmenpropaganda der fdp ist deshalb so nervig, weil diese partei doch für ncihts wirklich erfolgreiches steht? weder steuersenkung noch bürgerrechte kriegen die durch!!für masseneinwanderung, nur zum drücken der löhne- sind die auch!wer braucht die fdp wirklich, da kann einem die union schon näher sein, trotz ihrer probleme mit direktdemokratischen elementen!?

    • FDP und CDU/CSU? Das kommt für mich in etwa auf´s gleiche hinaus. Die ersten sind unsozialer, die anderen haben dafür mehr ausländerfeindliche Personen in ihren Reihen. Irmer in Hessen z.B.

  2. kellerkalli permalink

    Letzten Endes sind CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne gleich gesichtslos. Keine von den vier Parteien steht noch für ihre eigentlichen Werte. Ich hoffe nur, daß die Linke nicht irgendwann so wie die Grünen wird. Ich tippe aber darauf, daß es eine schwarz-rote Koalition wird. Finger und Raute.

  3. ribi permalink

    king: der durchschnittswähler steht zum sozialstaat, dennoch wundert mich manche aussage, habe jetzt die stimme einer jungen verkäuferin gehört. sie sagte snngemäß, bin für merkel, weil sie eine frau ist, hätte sie gesagt, die bringt mich als aufstockerin weiter, hätte ich das irgendwie aktzeptieren können, so sehe ich nicht für 10-cent politisches bewusstsein!die cdu ist eine große erfolgreiche partei, mit einer national sehr angesehennen kanzlerin, habe ich zu akzeptieren, die fdp hat überhaupt keine thema mehr, allerdings ist das thema „merkel“ alleine auch keins!!auch zu den ausländerfragen halte ich- unter beachtung des grundgesetzes – volksabstimmmungen für gerechtfertigt! das soziale thema ist für mich wichtiger als das ausländerthema, zumal es eher nicht italiener, kroaten etc. betrifft, irmer dürfte kaum etwas gegen eu-christen haben!

    • Irmer ist schlichtweg ein Idiot. Ansonsten verstehe ich viele Menschen einfach nicht. Wähler, wie Nicht-Wähler. Letztere gehen mir momentan auch sehr auf den Sack. Gerade bei der Linkspartei und den Piraten gibt es meiner Meinung nach sehr viele gute, soziale (bei den Piraten natürlich weniger), engagierte junge Leute, mit denen ich mich identifizieren kann. Immer so zu tun, als seien alle Politiker korrupte Arschlöcher, denen nur ihr eigener Vorteil wichtig ist, nervt.

  4. ribi permalink

    king_: stimmt, wer nicht wählt, für den wurde bereits gewählt! allerdings, ohne direkte demokratie wird der bürger immer drausen bleiben!

  5. ribi permalink

    king: ich muss akzeptieren, dass auf der rentenlkasse beamte sitzen, du musst die herrschaft von frau merkel ertragen, die welt ist hart! bin auch keincdu-wähler, schon gar nicht auf der bundesebene, die lehnen mehr direkte demokratie ab, sind gegen die erwerbstätigenversicherung etc. in der ausländerpolitik finde ich die allerdings oftmals besser als andere!

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