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Bildung wird überbewertet

15. September 2013

Sind Sie das Gequatsche über mehr Investitionen in den Bereich Bildung auch so langsam satt? Ich bin es und ich kann diesen Mist nicht mehr hören. Bildung wird doch einfach überbewertet.

Bücher

Sieht man von den rechtsextremen Parteien dieses Landes ab, die an besserer Bildung wohl am wenigsten Interesse haben dürften, ist sich der Rest grundsätzlich einig. Die Ansätze sind verschieden, aber alle wollen mehr Bildung, bessere Bildung. Bildung, Bildung, Bildung. Am Ende wird sich allerdings wieder wenig tun. Das ist aber auch nicht weiter schlimm. Lehrer sind beispielsweise sowieso alles faule Säcke und noch mehr davon einzustellen, wäre Steuergeldverschwendung. Außerdem lebt es sich dumm einfach besser.

Okay, zwei der letzten drei Sätze waren selbstverständlich nicht ernst gemeint. Dumm lebt es sich vielleicht wirklich manchmal etwas besser, wenn man sich weniger Gedanken macht, Ungerechtigkeiten seltener hinterfragt und kleinere Ansprüche ans Leben stellt. Möchte aber jemand einen Teil der eigenen Intelligenz zugunsten größerer oberflächlicher Zufriedenheit opfern? Wahrscheinlich nicht.

Abgesehen von all den Versprechungen mehr für die Bildung zu tun, stören mich auch andere Dinge an dieser Thematik. Es wird oft darüber diskutiert, wie Kinder lernen sollen. Stichwort Ganztagsschulen oder Schulen, in denen alle gemeinsam lernen oder eben die Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems. Warum wird so selten darüber gesprochen, was man lernen soll? Der Bereich Internet, vielleicht mit dem Schwerpunkt soziale Medien, hätte meiner Meinung beispielsweise heute einen mindestens genauso wichtigen Platz im Schulunterricht verdient wie ein naturwissenschaftliches Fach, Kunst oder Sport.

Ein weiterer Punkt ärgert mich aber noch wesentlich mehr. Vor allem Politiker sind selten an besserer Bildung interessiert, um intelligentere, kritischere junge Menschen in unserer Gesellschaft zu haben. Bildung um ihrer selbst willen liegt den meisten fern. Man verfolgt immer ein anderes Ziel und zwar hat das mit Arbeit zu tun. Je besser die Bildung eines Menschen, desto größer die Chance, dass dieser einen anständig bezahlten Arbeitsplatz findet und zu einem zuverlässigen Steuerzahler wird, um den man sich nicht weiter kümmern muss.

Schule

Gerade in der schwarz-gelben Welt, in der man scheinbar automatisch als Leistungsträger angesehen wird, wenn man nur gut verdient, ist dieses Denken vorherrschend. Die Tatsache, dass eine gute Bildung nichts mehr garantiert, wird ausgeblendet. Es gibt genügend arbeitslose Akademiker, etwa 10 Prozent der Menschen im Billiglohnsektor haben einen Hochschulabschluss und viele weitere verdienen unterdurchschnittlich. Ich denke beispielsweise an freie Journalisten, die heutzutage gar nicht selten einen Nebenjob brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Auch stelle ich mir die Frage, was eigentlich mit Menschen passieren soll, die keine Ausbildung haben? Was mit Menschen, die einfach nicht die Voraussetzungen haben, das Abitur zu machen, von einem Studium ganz zu schweigen? Haben wir jetzt mittlerweile alle akzeptiert, dass diese Menschen entweder deutlich seltener einen anständigen Job finden oder unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen? Ist das die Zukunft? Entweder hast Du eine gute Ausbildung oder Du musst Dich mit sehr wenig zufrieden geben.

Etwas, was mich persönlich auch erheblich stört, ist, wie Menschen trotz Ausbildung schlechter gestellt werden, sofern sie nicht studiert haben. Ich finde, Lehrer werden in Deutschland recht fair und anständig bezahlt. Erzieherinnen und Erzieher werden es dagegen nicht. Eine Ungerechtigkeit, die ganz und gar nicht zu rechtfertigen ist. Eine Ungerechtigkeit nebenbei, die Konsequenzen hat. Allein im nicht gerade sonderlich großen Bundesland Rheinland-Pfalz fehlen aktuell knapp 1000 Erzieherinnen und Erzieher. Bezahlt die Menschen in diesem Bereich (und nicht nur hier) anständig und das Problem löst sich mittelfristig von selbst.

Vor allem aber erzählt mir bitte nicht, dass Bildung so unglaublich wichtig ist, wenn es Euch mehr darum geht, gut verdienende Steuerzahler heranzuzüchten, anstatt intelligente, kritische und kreative Menschen.

From → Uncategor.

7 Kommentare
  1. ribi permalink

    king: bildung ist auch ein wert an sich! auch ein arbeitsloser mit hochschulstudium,- oder einfach nur lust auf bücher profitiert davon! wieso sollten die rechten gegen bildung sein! ßdie böse alternative ist es sicher nicht!auch menschen one bildung sind gleichwertig, da gibt es kein vertuen!mensch ist mensch! erzieher etc. müsseb bessere bedingungen erhalten! lehrer sind ja beamte!!

    • Die Leute am rechten Rand haben insgesamt sicher mehr Zulauf von ungebildeteren Menschen. Zustimmung zum Rest. Zum anderen Thema morgen mehr.

  2. Ich bin nicht für mehr, sondern für bessere Bildung. Beispielsweise berufsorientierte Schwerpunktsetzung. Viele Oberstufenschüler lernen nen Haufen Mist, den sie nicht brauchen. Und das, was sie auch für die Zukunft interessiert, wird nur oberflächlich behandelt. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich höre, wie schlecht meine junge Englischlehrerin englisch spricht. Sie ist gerade erst mit dem Studium fertig. Und das zeigt mir, dass man an diesem Punkt früher hätte ansetzen müssen.

  3. oli permalink

    @GreenyArt: Wenn es bei Bildung nur noch darum geht, später anständig Lohnsteuer abzuwerfen, dann Gute Nacht. Bildung ist weitaus mehr, als berufsverwertbare Kenntnisse zu vermitteln.

  4. Prechts Ruf nach Bildungsrevolution kann auch ich nur bestätigen! Ich kenne die Hauptschulen gut und weiß was für ein trauriges Geschäft es ist. Bildung um ihrer selbst willen“ ist der eigentliche Grundgedanke Humbold´s gewesen, aber jetzige Systemfehler sind hartnäckig.

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