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Die hässlichste Stadt der Welt

19. August 2013

Heute beginne ich einmal ohne große Umschweife. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der die Welt bereist hat und Ulaanbaatar nicht für eine der zehn hässlichsten Städte dieses Planeten hält.

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Ein schöneres Foto in dieser Stadt zu machen, ist unmöglich

Wie hässlich genau? Stellen Sie Sich vor, Sie müssten eine zehnstündige Sondersendung von Markus Lanz sehen, in der Angela Merkel als einziger Gast im Studio säße. Alle zehn Minuten gäbe es eine Musikpause durch die Flippers oder die Amigos und nach der Hälfte der Sendung würde Carmen Geiss mit Axel Schulz und Sarah Dingens ein Pansen-Rezept vorstellen, welches Sie noch vor Ende der Sendung nachkochen und aufessen müssten. So hässlich dieser Abend wäre, er würde an Ulaanbaatar nicht herankommen.

Die einzige Stärke von Ulaanbaatar? Diese Stadt lässt das auch deutlich suboptimale Irkutsk schon beinahe gut aussehen. Nadine und ich sind bezüglich der mongolischen Hauptstadt zur Abwechslung mal völlig unterschiedlicher Meinung. Ich mag es hier nicht, sie findet es absolut entsetzlich. Schon die Fahrt aus der wunderschönen mongolischen Einsamkeit zurück in dieses unbarmherzige, widerliche Moloch, sie war ein Schock. Dreck, Staub, Gestank, hässliche Gebäude und in den Außenbezirken Menschen, die ihre Notdurft am Straßenrand verrichteten.

Auch kann ich mich nicht erinnern, jemals irgendwo aggressivere Autofahrer gesehen zu haben. Sie hupen, drängeln ohne Unterlass und nehmen selbst auf Fußgänger kaum Rücksicht. Das passt allerdings in das Gesamtbild dieser Stadt. Was für eine Verschwendung, ist die Stadt doch eigentlich sehr schön gelegen. Potenzial hat diese auch weiterhin, aber um eine elementare Verbesserung einzuleiten, müsste man eben zunächst einmal mindestens 80% aller Gebäude abreißen.

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Aus unserer Zeit in dieser Stadt haben wir trotzdem vielleicht das beste gemacht. Den Schwarzmarkt haben wir uns geschenkt, dafür das Nationalmuseum besucht sowie das Choijin Lama Temple Museum und uns das Fossil das Tarbosaurus bataar angesehen. Nachher geht´s in ein indisches Restaurant, welches online empfohlen wird und auch nicht besonders teuer ist. Nach einem scheußlichen Frühstück im Hotel und dem vielleicht ekeligsten Burger mit Pommes meines Lebens (zum Mittag bei „Berlin Burger“) ist das aber auch bitter nötig.

Unser Hotel gehört auch einer ganz besonderen Kategorie an. Irgendwo zwischen billiger Absteige in Bahnhofsnähe und einem skurrilen Etablissement, das hervorragend in einen Film Quentin Tarantinos passen würde. Nadine nippt gerade an ihrem Rotwein und sagt, in dieser Stadt könne man sich nur betrinken, um es einigermaßen zu ertragen (es ist hier übrigens Nachmittag). Zuvor merkte sie heute bereits zweimal an, dass sie in unsere Jurte zurückwolle. Ich hätte nichts dagegen. Die mongolische Steppe war ohne Übertreibung wunderschön.

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„Angel“ oder „Angel of Death“ ?

Über unsere Tage in der mongolischen Steppe kann man dagegen fast nur Positives schreiben. Es war so schön, dass ich Ulaanbaatar auch gerne in Kauf nehme, wenn ich ehrlich bin. Morgen früh werden wir diese Stadt verlassen und wahrscheinlich nie zurückkehren, aber an unsere sechs Tage in diesem Land abseits des Molochs wird jeder von uns sich insgesamt gern erinnern. Nadine schwärmt noch immer davon, wie sie mit ihrem Pferd galoppieren durfte. Außerdem hat sie sich ein bisschen in Yak – Milch verliebt und natürlich in einen oft unglaublichen Himmel. Dieser sieht wirklich nicht selten aus, als habe ihn jemand überambitioniert mit Photoshop bearbeitetet.

Dieser Himmel weit entfernt der Hauptstadt des Ekels hat mich mindestens genauso fasziniert. Anstatt der Milch aber noch deutlich mehr die Yak – Butter und das einfache Leben. Der Toilettengang (dazu mehr in meinem Buch) war zunächst ungewohnt, genau wie das Waschen im Fluss, aber nach höchstens zwei Tagen hat mir beides kaum noch etwas ausgemacht. Ein Freund des Campings werde ich zwar auch an den schönsten Orten nicht mehr, aber in eine Jurte würde ich mich jederzeit liebend gerne wieder einladen lassen.

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Auch war es eine interessante Erfahrung, erstmals ein wenig auf einem Pferd reiten zu dürfen. Ich machte dabei zwar keine besonders gute Figur, habe es aber immerhin versucht und bin nicht heruntergefallen. Auf eine Fortsetzung lege ich keinen großen Wert. Ich bin trotzdem froh, es probiert zu haben. Sollte sich ein Leser oder Leserin irgendwann auf dem Weg in die Mongolei machen, kann ich das auch wirklich empfehlen. Zumindest für einen Tag.

Auf die Rückkehr nach Düsseldorf übermorgen habe ich dagegen wenig Bock. Zwei, drei Tage ausschlafen, ein paar Sachen waschen und lang und ausgiebig duschen, das wäre nicht übel. Spätestens am Montag würde ich aber am liebsten wieder irgendwo anders hinreisen. Argentinien, Kanada, Neuseeland, Vietnam oder Japan beispielsweise. Gerne auch mit der gleichen Begleiterin, aber leider ist uns beiden das nicht so eben möglich.

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From → Uncategor.

3 Kommentare
  1. Ein schöner Bericht über eine nicht schöne Stadt.Es erinnert mich an die DDR auf manchen Fotos nur potenziert.Ich hatte mal einen Bericht gesehen über die Mongolei, da war ich auch sehr überrascht wie krass die Gegensätze sind.

  2. Tsolmon permalink

    Ich denke, Ihr vergisst, dass Eure Meinungen durch Eure eigene westliche Weltanschauung ziemlich geprägt und im einem gewissen Rahmen eingezwängt sind, weshalb Ihr meine Stadt nicht schön findet. Wir finden sie sehr schön. Ich muss zugeben, dass ich öfters in Indien und China war und jedes mal, wenn ich zurück kam, war ich sehr froh und dachte, dass meine Stadt Ulaanbaatar sehr angenehm ist, wenn ich mit dem was ich erlebt hatte verglichen hatte. Eben die Vergleiche machen es doch aus, wie man die Städte betrachtet und wo man überall war. Und der Vergleich mit Lanz und Merkel und deutsche TV Sendungen… Wer ist Merkel und wer ist Lanz?

    • Ich weiß nicht. Ich liebe zum Beispiel Budapest und war von Wladiwostok sehr angenehm überrascht, aber Ulaanbaatar? Nee, wirklich nicht, wobei das Land vielerorts wunderschön ist und ich sehr, sehr gerne wiederkommen möchte.

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