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Whaddya gonna do?

20. Juni 2013

Mit diesen Worten hätte Tony Soprano vielleicht den Tod von James Gandolfini kommentiert. Nachdenklich, etwas  traurig, aber ohne zu große Gefühle zu zeigen. Diese wären in diesem Fall aber berechtigt, denn die Welt verlor gestern einen ganz großen Schauspieler. 

Die Sopranos: Eine der bekanntesten Filmfamilien überhaupt

Die Sopranos: Eine der bekanntesten Fernsehfamilien überhaupt

Der heutige Tag hätte schlechter kaum beginnen können. Zuerst hoffte ich wieder einmal auf einen ganz schlechten und makaberen Scherz, als ich zwischen 1 Uhr und 2 Uhr diese Nacht vom Tod James Gandolfinis auf Twitter las. Eine halbe Stunde später war diese überaus traurige Tatsache dann aber bestätigt. Der 51-jährige Schauspieler aus Westwood, New Jersey erlag auf einer Reise in Italien einem Herzinfarkt. Ja, ausgerechnet in Italien.

Irgendwo las ich heute, James Gandolfini hätte den Tony Soprano gespielt. Das trifft es nicht richtig. James Gandolfini war Tony Soprano. Der US-Amerikaner italienischer Herkunft bewies zwar in einigen sehenswerten Filmen, dass er auch in anderen Rollen glänzen kann, aber der Mafiaboss aus New Jersey war die Rolle seines Lebens. Er verkörperte sie perfekt. 3 Emmys und ein Golden Globe lassen erahnen, wie großartig Gandolfini in dieser außergewöhnlichen Serie war.

Ein sympathischer Soziopath

Anthony Soprano war ein Soziopath, ein Ehebrecher, ein Dieb, ein Räuber, ein Betrüger und ein Mörder. James Gandolfini hat ihn trotzdem zu einer Person gemacht, mit der die meisten Zuseher gelitten haben. Es war kaum möglich, sich mit diesem Charakter und dessen merkwürdigen Regeln und Vorstellungen zu identifizieren. Alles war viel zu heuchlerisch und absurd. Einerseits die Familie über alles zu stellen, andererseits die eigene Frau ständig zu betrügen. Einerseits die zweite, die berufliche Familie zu glorifizieren, andererseits sogar das Leben von Freunden und Bekannten zu zerstören.

Zudem war Tony Soprano eine extrem geldbesessene Figur, wie es wahrscheinlich in diesem „Gewerbe“ auch vonnöten ist. Trotz alledem konnte man Tony nie etwas Schlechtes wünschen. Die menschlichen, sympathischen Charakterzüge und seine Schwächen präsentierte uns Gandolfini genau so gut wie dessen Abgründe. Zu gut um ihn nicht doch zu mögen. Wahrscheinlich oft mehr als es logisch betrachtet nachvollziehbar erscheint. All das sind nicht allein Verdienste Gandolfinis, aber ihm gebührt die größte Anerkennung.

Gandolfini und Stewart in "Welcome to the Rileys"

Gandolfini und Stewart in „Welcome to the Rileys“

Kein eindimensionaler  Schauspieler

Die Figur des Tony Soprano gehört ganz oben auf die Liste der beeindruckendsten und besten Seriencharaktere aller Zeiten. Solange es Menschen gibt, die Fernsehserien schauen, sind hoffentlich welche dabei, die den Sopranos eine Chance geben. James Gandolfini, den Schauspielerkollegen menschlich in den höchsten Tönen loben, hat aber auch in einigen guten Filmen mitgespielt. „True Romance“ vor 20 Jahren oder „Zero Dark Thirty“ (2012) fallen mir als erstes ein, auch wenn er hier jeweils nur Nebenrollen bekleidete.

Eine Hauptrolle hatte Gandolfini 2010 in „Welcome to the Rileys“ mit Kristen Stewart. Die Rede ist hier nicht vom überwältigendsten Werk aller Zeiten, aber dennoch von einem sehenswerten Film, in dem Gandolfini in einer ganz anderen Rolle überzeugt. Viel mehr hätte man von ihm sehen wollen. Wenn ich an Gott glauben würde, könnte ich am Ende vielleicht noch schreiben: „With all due respect, what a fucking stupid idea to take him away from us so damn soon.“

Eine meiner Lieblingsszenen aus „The Sopranos“:

From → Film + TV

2 Kommentare
  1. Balazs permalink

    Als ich heute nach der Arbeit zu Hause ankam, und vom Tod von James Gandolfini in den News gehört habe, musste ich diesen Blog sofort aufsuchen. Ich wusste sofort, hier werde ich das richtige Milieu finden um trauern zu können. Ich war nicht enttäscht: der Beitrag, die richtigen Worte stehen schon da, die hätten auch von mir kommen können, wenn ich meine Gedanken so frappant zum Ausdruck bringen könnte, wie der Autor. The Sopranos bedeuteten für mich nicht einfach nur Amüsement pure über Jahre hinweg, sondern auch die Freiheit mich abends sorgenfrei in eine andere Welt versetzten zu können. Es reicht in „Woke up this morning“ nur kurz reinzuhören, man befindet sich sofort auf Strassen von New Jersey… RIP Tony!

    • Es gibt gar nicht wenige gute Serien, aber es gibt wenige wie die Sopranos. Ich bin auch sicher, dass heute jeder trauert, der die Serie gern gesehen hat. Wer sie nicht gern gesehen hat, der hat sie wahrscheinlich gar nicht gesehen…

      Ich weiß noch, dass Du mich auf die Sopranos gebracht hast. Ich hätte sie sonst zwar irgendwann auch noch entdeckt, da ich fast jeder Serie mit guten Kritiken mal eine Chance gebe, aber trotzdem: War eine gute Idee! Ich glaube, die vierte Staffel (13 Folgen) habe ich mal komplett in weniger als einem Tag gesehen. Von Freitag Nachmittag bis Samstag Morgen. Über die Jahre habe ich jede Folge mindestens zweimal gesehen, manche dreimal oder mehr und nach einiger Zeit Pause ist diese Serie immer wieder eine Alternative.

      Ich werde nachher noch ein, zwei Folgen schauen. Keine Ahnung welche, mal abgesehen von der letzten.

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