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Warum die NHL hier keine Rolle mehr spielt

9. Mai 2013

Ich liebe Eishockey. Ich schaue mir gerne Weltmeisterschaften an, ich mag die Junioren WM und manchmal gucke ich mir sogar ein KHL oder AHL Spiel an. Außerdem habe ich Sympathien für die LA Kings und liebe die Montréal Canadiens, aber leider spielen die in der NHL.

Schiri

Die LA Kings haben letztes Jahr den Stanley Cup gewonnen, was eine wirklich schöne Sache war. Auch in diesem verfügen sie wieder über eine Chance, während Montréal alles hat, um in ein bis drei Jahren ein absoluter Titelanwärter zu sein. Alles könnte ganz schön sein, wäre die NHL nicht eine so dermaßen erbärmliche Witzliga. Es beginnt schon mit dämlichen Regeln wie der albernen 2-Minuten-Strafe, die man bekommt, wenn man den Puck aus dem eigenen Drittel über die Glasscheibe befördert. Ein absoluter Humbug, wie auch die 2+2 Minuten, die selbst ein völlig unabsichtlich im Gesicht des Gegners platzierter Schläger nach sich zieht, wenn nur ein paar Tropfen Blut zu sehen sind.

Diesen Unfug gibt es zwar international auch, aber in der NHL ist das erst der Anfang. Wir reden hier beispielsweise von einer Liga, die sich einen Dreck um die Gesundheit ihrer Spieler schert. Gehirnerschütterungen gab es auch in dieser verkürzten Saison wieder noch und nöcher. Ein Trend, der seit Jahren anhält. In der letzten Saison fielen allein sechs Spieler der St. Louis Blues zwischenzeitlich wegen einer Kopfverletzung aus. Man hätte sich dem Thema längst ernsthaft annehmen müssen, aber im Endeffekt geschieht nichts. Auch der ehemalig sehr beliebte Topstürmer Brendan Shanahan macht in seiner Rolle als Präsident für Spielersicherheit meistens eine erbärmlich Figur. Kein Konstanz, keine klare Linie, zu lasche Strafen.

Ein paar simple Ideen zur Verbesserung

Es wäre so einfach, diese Problematik zu lösen. Man könnte die Schulter- und Ellenbogenschützer, die heutzutage aus hartem Plastik bestehen, durch moderne Schützer ersetzen, die nichts mehr mit den alten Lederteilen aus vergangenen Zeiten zu tun haben. Das hätte einerseits einen positiven direkten Effekt beim Kontakt. Zweitens würde sicher der ein oder andere Spieler ein wenig abbremsen, bevor er einen Gegner in die Bande befördert. Schon allein, um sich selbst zu schützen. Der dritte Punkt ist ganz simpel: Fällt jemand nach einem Check, bei dem Kopfkontakt festzustellen war, aus, dann ist der Übeltäter so lange gesperrt, bis der verletzte Spieler sein Comeback feiern kann. Wenn das dann ein halbes Jahr dauert, dann dauert es eben ein halbes Jahr.

Beim alltäglichen Anschauen von NHL Spielen ist das frustrierendste die Unfähigkeit der Schiedsrichter. Es gibt ab und zu einmal eine anständige Leistung, das ist richtig. Die meisten Schiedsrichter sind allerdings schlecht, sehr schlecht oder grauenhaft. Darunter gibt´s dann noch die Rubrik „Tim Peel und Chris Lee“. Was soll man zu denen sagen? Ich versuche es mal zurückhaltend zu formulieren: Für manche Mütter wäre Abtreibung ganz klar die bessere Alternative gewesen. Auch hier könnte Abhilfe geschaffen werden. Mit Lars  Brüggemann wurde in der DEL 2012 mit großer Mehrheit ein Ex-Profi dieser Liga zum besten Schiedsrichter gewählt. Natürlich wird kein NHL Topstar, der in seiner Karriere über 50 Millionen Dollar (manchmal auch über 100 Millionen) verdient hat, später Schiedsrichter. Andere Akteure, die wesentlich weniger bekommen haben oder vielleicht aus Verletzungsgründen früher als erwartet aufhören mussten, könnte man mit entsprechenden Gehältern aber sicher überzeugen, es zu probieren.

Schlägereien gehören (leider?) auch immer noch zum Eishockey, wobei ich diese ausnahmsweise sehr genossen habe

Die beste Möglichkeit, die Liga attraktiver und sicherer zu machen, während man gleichzeitig dafür sorgen würde, dass die Schiedsrichter einen leichteren Job hätten, wäre eine Vergrößerung der Eisfläche. Wie deutlich die durchschnittliche nordamerikanische Eisfläche kleiner als der internationale Standard ist, merkt man extrem, wenn man nach einem NHL Spiel sich eine WM Partie anschaut (oder umgekehrt). In den meisten WM Spielen fehlt Körperkontakt auch gar nicht, aber das spielerische steht klar im Vordergrund. Vor allem in der ersten Runde der NHL Playoffs ist dort genau das Gegenteil der Fall. Mehr Platz für die Spieler würde dort bedeuten, mehr Platz zum spielen und weniger häufiger 5 Checks in 10 Sekunden, was auf Dauer einfach auch nicht ansehnlich ist. Für mich jedenfalls. Natürlich wird so ein Vorschlag nicht umgesetzt, da das viel Geld kosten würde. Sowohl, was den Umbau der Arenen angeht, als auch die geringeren Einnahmen anschließend, weil Sitzplätze wegfallen würden. Dass finanzielle Interessen über die Gesundheit von Menschen stehen, ist ja auch nichts Neues.

Auf Schlägereien im Eishockey kann ich grundsätzlich verzichten, wobei sie mich eigentlich nicht wirklich stören. Meistens sind sie allerdings ziemlich unattraktiv anzusehen, da sich die Spieler nur am Trikot hin und her ziehen. Ich sehe aber meinen Lieblingsverteidiger P.K. Subban viel lieber so als bei einer Schlägerei, wobei der beschissene Turris (Clip oben) es verdient hatte. Montreal spielte in Partie 3 der aktuellen Playoff Serie gegen Ottawa zum ersten Mal in dieser Saison wirklich dreckig. Völlig untypisch für diese Mannschaft und ganz klar die Schuld der unfähigen Schiedsrichter. Direkt zu Spielbeginn bekam PK Subban einen nicht zu übersehenden Cross-Check an den Kopf, der einfach ignoriert wurde. Später artete die ganze Angelegenheit aus und beide Teams sammelten insgesamt über 230 Strafminuten.

Kontinuierlich schlechtere Schiedsrichterleistungen

Bereits in Spiel 1 war die Leistung der Schiedsrichter nicht gut. Von da an ging´s aber noch kontinuierlich bergab. Das hat auch gar nichts damit zu tun, ob die präferierte Mannschaft gewinnt oder verliert. Montréal verlor Spiel 1, gewann aber Spiel 2, in der die schwarz-weiß gestreiften Männer noch eine Stufe mieser agierten. Dieser Artikel wird ohnehin schon extrem lang. Von daher werde ich auf Einzelheiten nicht eingehen, sondern zu Spiel 4 kommen, welches vorletzte Nacht stattfand. Nach dem Strafzeitenfestival, welches zwei Tage zuvor ausgetragen wurde, konnte es eigentlich nur besser werden, oder?

Bereits am Nachmittag dann aber der Schock. Tim Peel soll die Partie pfeifen? Kann nicht wahr sein! In der selben Nacht hieß der Schiedsrichter in San José, wo die Sharks die Vancouver Canucks nach nur vier Spielen rauswarfen, übrigens Chris Lee. Der pfiff zwei äußerst umstrittene Strafzeiten in dieser Begegnung. Unter beiden hatten die kanadischen Gäste zu leiden. Die erste brachte den Sharks den Ausgleichstreffer zum 3-3 im letzten Drittel, die zweite das Siegtor zum 4-3 in der Verlängerung. Absicht oder nur grobe Unfähigkeit? So lange man ersteres nicht beweisen kann, sollte man auch nicht darüber spekulieren. Die Unfähigkeit nimmt allerdings oft groteske Züge an. Bei vielen Schiedsrichtern, ganz besonders aber bei Peel und Lee. Als Beweis übrigens, dass ich mir das nicht im Nachhinein ausgedacht habe, das twitterte ich vorgestern, viele Stunden vor Spielbeginn:

Noch Fragen?

Nun also zu besagtem vierten Spiel, welches Montréal bei einem Rückstand von 1-2 Begegnungen hätte gewinnen müssen und auch tat, bis Tim Peel ganz groß in Erscheinung trat. Schon in den ersten zwei Dritteln war er der typische Heimschiedsrichter. Montréal dominierte Ottawa, aber die Senators bekamen drei Powerplays, die Canadiens nur ein einziges Alibi-Powerplay. Mit dem Spielgeschehen hatte das absolut nichts zu tun. Bei jedem zweiten Einsatz bekam beispielsweise Brendan Gallagher mal wieder von irgendeinem verfickten Ottawa Spieler den Ellenbogen an den Kopf. In den letzten zehn Minuten der Partie drehte Peel mit seinem Gespann (insgesamt stehen bei jedem Spiel zwei Schieds- und zwei Linienrichter auf dem Eis, was das Ganze noch schlimmer macht) dann richtig auf.

Montréal führte völlig verdient durch sehr schöne Tore von P.K. Subban und Galchenyuk mit 2-0 und einige Spieler Ottawas ließen die Köpfe schon hängen, aber kein Problem, es gibt ja Tim Peel und seine Bande. 8 Minuten und 5 Sekunden vor dem Ende fiel der Anschlusstreffer zum 1-2. Diesem Treffer voraus ging ein Bully, welches eindeutig auf der falschen Seite ausgeführt wurde. Links oder rechts vom Torhüter ist doch egal? Ist es absolut nicht. Danach richtet man nicht selten sein Personal aus, manchmal wechselt man sogar den Mittelstürmer. Der Treffer an sich wurde dann mit dem Schlittschuh erzielt. Tatsache ist, dass es völlig okay ist, wenn der Puck zufällig vom Schlittschuh im Tor landet. Wird er aber in Fußball-Manier ins Tor geschossen, zählt das nicht. Eigentlich.

Kerry Fraser sagt: Kein Tor

Vorgestern war es ein Grenzfall, aber nach mehrmaliger Betrachtung der Szene muss man letztlich doch klar zu „No goal“ tendieren.  So auch die Meinung des sehr erfahrenen, ehemaligen NHL Schiris Kerry Fraser. Mir war aber gleich klar, dass man das Tor geben würde. Es ist eben auch an der Tagesordnung, den Spielstand zu pfeifen. Will heißen: Wäre das Tor auf der anderen Seite gefallen, hätte man Montréal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das 3-0 zugesprochen. Für die Heimmannschaft hier aber das 1-2 zu geben, damit hat man aber selbstverständlich nicht das geringste Problem. Manche haben diese Situation übrigens so gesehen:

Wer meint, dass die Schiedsrichter fortan wahrscheinlich gut aufgepasst haben, Montréal nicht noch ein weiteres Mal eindeutig zu benachteiligen, der wurde in der letzten Minute noch einmal eines besseren belehrt. Ja genau, in der letzten Minute. Bis 23 Sekunden vor dem Ende führte Montréal mit 2-1. Absolut verdient wohlgemerkt. In der letzten Minute stand Montréal natürlich unter Druck, befreite sich aber mehrmals. Einmal in einer diskutablen Weise an der Grenze zum Icing. Einmal war es glasklar kein Icing. Beide Situationen sind hier nacheinander zu sehen. Die Hybrid Icing Regel werde ich nicht erklären, aber in der zweiten Szene ist ganz klar, dass Erik Karlsson, nebenbei vielleicht der überbewerteste Verteidiger in der Geschichte des Eishockeys, den Puck mit Leichtigkeit vor der Torlinie hätte spielen können. Bei 31 Sekunden des Clips sieht man ihn über die Entscheidung dämlich lächeln.

Da Karlsson mit Absicht in Altherrentempo zur Scheibe fuhr, hätte es also auf keinen Fall Icing geben dürfen. Gab es aber natürlich. Anschließend kam, was kommen musste. Montréal befreite sich, konnte endlich die Spieler wechseln, die wegen der Icings zu lange auf dem Eis bleiben musste. Jetzt fehlte in der letzten Minute mit PK Subban der beste Verteidiger und Ottawa erzielte ein „Garbage Goal“, nachdem eine Torhüterbehinderung noch übersehen wurde. In der Summe ist das alles einfach nur noch skandalös. Am Ende verletzte sich Carey Price noch und so musste Ersatztorhüter Peter Budaj in der Verlängerung ran. Der wurde dann natürlich vom dritten häßlichen Ottawa Tor des Abends geschlagen, einem abgefälschten Schuss.

Eine widerliche Playoff-Serie

Ich habe die Junioren WM in diesem Jahr gesehen, die DEL Finalserie und aktuell schaue ich die Weltmeisterschaft, aber nirgendwo waren Schiedsrichter so dermaßen schlecht, inkonstant und überfordert wie in der NHL. Wenn man so einen Scheiß sieht wie in der letzten Woche, wird ein Hobby, wird eine Leidenschaft zu Qual. Trotzdem werde ich heute Nacht auch wieder schauen. Über dieses Elend schreiben werde ich allerdings nicht mehr. Von der schweren Verletzung von Lars Eller in Spiel 1 bis zu den letzten Minuten in Spiel 4, war das bisher eine Playoff Serie, wie sie schlimmer kaum sein könnte. Die größte Schuld daran tragen unfähige Schiedsrichter und eine Liga, die es offensichtlich normal findet, dass unglaublich oft nicht (mehr) gecheckt wird, um einen Spieler vom Puck zu trennen, sondern um einen Gegner zu verletzen.

Wenn mit Montréal heute Nacht oder Samstag dann die Mannschaft ausgeschieden ist, die in den ersten vier Spielen ganz eindeutig drei Mal das bessere Team war, dann werde ich mir vom Rest der Playoffs nichts mehr anschauen, nicht einmal das Finale. Ich werde mich damit trösten, dass das Glück der Senators recht schnell ein Ende haben wird und stattdessen genieße ich die letzten eineinhalb Wochen der Eishockey-WM und hoffe, dass die Schweiz eine Medaille holt, Deutschland vielleicht noch das Viertelfinale erreicht und es am Ende einen würdigen Weltmeister gibt. Kanada wäre ganz eindeutig meine erste Wahl, würde dort nicht der verdammte Luke Schenn spielen, aber vielleicht kann ich über diesen Clown hinwegsehen. Über die inakzeptablen Zustände in der NHL kann ich es jedenfalls nicht mehr.

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From → Allgemein, Sport

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