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Fauler Journalismus

29. März 2013

„Fauler Journalismus“ ist ein Thema, welches mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt und ärgert. Schade, dass es diesbezüglich noch keinen etablierten deutschen Begriff gibt, so wie ihn „lazy journalism“ im englischsprachigen Raum darstellt.

Zeitungen

„Faulen Journalismus“ gibt es heute in vielen Zeitungen, im In- und Ausland

Googelt man diesen Begriff, so erhält man 5.190.000 Ergebnisse. Immerhin noch stolze 121.000 sind es, wenn das ganze in Anführungszeichen steht. In Deutschland bekommt man bei „Fauler Journalismus“ aber nur 286.000 Resultate und wenn man Anführungszeichen verwendet, lediglich 192. Bei „schlechter Journalismus“ gibt es zwar wiederum deutlich mehr Ergebnisse, aber dieser Begriff ist mir zu weit gefasst. Hiermit kann eigentlich alles mögliche gemeint sein.

Bei „faulem Journalismus“ geht es nicht um Bestechlichkeit. Es geht nicht darum, dass man manche Themen lieber verschweigt, weil man Angst hat, Werbekunden zu verlieren. Auch geht es nicht um die Unterwanderung der Presse durch PR Abteilungen und ähnliches. Das sind zwar alles durchaus tägliche und sehr traurige Vorgänge, aber über diese wird immerhin ab und zu berichtet. „Fauler Journalismus“ fällt dagegen in Deutschland allzu häufig unter den Tisch.

Was ist „fauler Journalismus“ ?

Was ist denn nun mit „faulem Journalismus“ oder „lazy journalism“ gemeint? Dieser hat viele verschiedene Gesichter. Beispielsweise die allgemein schlechte Recherche. Man macht einen Anruf oder konsultiert gar nur eine Internetquelle und schreibt dann über ein bestimmtes Thema. Bei anständigen Journalisten, die nicht unter riesigem Zeitdruck stehen, kaum denkbar, aber heute leider vielerorts an der Tagesordnung. Selbstverständlich kann man unter „faulem Journalismus“ aber auch eine ganz oberflächliche Berichterstattung verstehen. Es gibt ein Thema, für das man sich eigentlich gar nicht besonders interessiert. Da „die anderen alle“ aber auch etwas darüber bringen, schließt man sich an, ohne sich näher damit zu befassen.

Das ist zwar auch dem Druck geschuldet, dem man heute ausgesetzt ist, weil jeder am liebsten mit allem der Erste sein würde. Oft wäre es viel besser, Dritter oder Vierter zu sein, da mehr Zeit eben auch mehr Chancen auf bessere Recherche und mehr Qualität bedeutet. Eine Wiederholung von Beiträgen ist heutzutage auch sehr in Mode. Selbst relativ anspruchsvolle Kultursendungen machen so etwas. Wer sich am Sonntagabend in der ARD „ttt“ anschaut, wird nicht selten in der nächsten oder übernächsten Woche einen kaum oder gar nicht veränderten Beitrag in der „Kulturzeit“ bei 3 sat erblicken.

Viele verschiedene Gesichter

Faulen Journalismus gibt es in allen Bereichen. Ob es die Arbeitslosenzahlen sind, die ohne weitere Bemerkungen wiedergegeben werden oder ob man sich beim Kollegen der größten Zeitung der Nachbarstadt und dessen Bericht über die angeblich sehr vielen „Armutseinwanderer“ (ein sehr unschöner Begriff nebenbei) aus Bulgarien und Rumänien bedient. Ob es um Wirtschaft geht, Politik, Kultur, überall findet man heutzutage oberflächliche, schlechte und teilweise faktisch falsche Berichte und Artikel. Ist man darauf aus, welche zu finden, muss man meist gar nicht lange suchen.

Da ich mich persönlich sehr für Fußball und Eishockey interessiere und mich hier in manchen Bereichen auch am besten auskenne, stelle ich dort die meisten Vergehen fest, wenn man diese denn so nennen möchte. Etwas, was mich wahnsinnig ärgert, sind Journalisten, die schlechte Berichte über Eishockey schreiben. Einige sind nicht in der Lage, ein Spiel anständig zu analysieren, andere geben nur das oberflächlichste wieder und schreiben, was viele Leser erwarten. Sie kritisieren den Unterlegenen, selbst wenn dieser einfach nur Pech hatte.

Sportjournalisten sind nicht selten faul

Das ist ein großes Problem bei Sportjournalisten. Sie meinen extrem oft Gründe, Erklärungen und Fehler finden zu müssen, wenn ein Favorit verlor. Gerade im Eishockey ist das aber bei einem Spiel absolut unsinnig. Auf hohem Niveau entscheidet manchmal ein abgefälschter Schuss über den Sieger einer Partie. Mitunter kann es das eine Foul sein, welches der Schiedsrichter übersah oder das unberechtigte Powerplay, welches er gab. Das liegt in der Natur des Spiels, nur möchte man das nicht wahr haben.

Meine Lieblingsmannschaft, die Montreal Canadiens, haben zwei ihrer letzten drei Spiele verloren. Bei den beiden Niederlagen waren sie das bessere Team. Sie hatten mehr Puckbesitz, mehr Schüsse insgesamt, mehr Torschüsse und mehr Torchancen. Das letzte Spiel, welches insgesamt recht ausgeglichen war, gewannen sie dann, obwohl sie sogar weniger Torschüsse hatten. Dieses Mal war aber einfach das Schussglück da, welches in beiden Begegnungen zuvor beinahe komplett fehlte.

Abstecher in die Welt des Eishockeys

Auf Dauer setzt sich selbstverständlich auch im Eishockey natürlich ein deutlich besseres Team durch, aber mit etwas Glück und einem herausragenden Torhüter hat ein Underdog in 60 Minuten immer eine Chance. Das macht diesen Sport unter anderem auch aus. Hat der hohe Favorit dann eine Partie gegen einen krassen Außenseiter verloren, muss die Leistung der Mannschaft dennoch nicht schlechter gewesen sein, als beim lahmen 3-1 am Spieltag zuvor gegen ein Durchschnittsteam. Genau das können oder wollen manche Journalisten partout nicht begreifen. Traurig und für mich sehr ärgerlich.

Ein Problem, welches gleichermaßen schlechten, wie auch „faulen Journalismus“ hervorruft, ist wieder einmal das Geld. Es kann und darf nicht alles entschuldigen, keineswegs. Gerade im „faulen Journalismus“ ist eben oft die Faulheit schuld, deswegen ja der passende Name. Manchmal ist es auch Dummheit oder Zeitmangel, aber mit mehr Geld würde vieles besser laufen. Könnte man in Deutschland eine völlig unabhängige Tageszeitung ohne Werbung für 5 Euro verkaufen, wäre sicher viel mehr möglich, aber das ist leider nicht der Fall.

Was ist die Konsequenz?

Also hilft wieder einmal nur, sich möglichst vielseitig zu informieren oder selbst andere informieren. Dazu muss man ja nicht gleich eine eigene Internetseite erstellen oder ein Blog regelmäßig mit Leben füllen. Hat man ein interessantes und wichtiges Thema, kann man es entweder per Facebook, Twitter, Youtube (falls es dazu ein Video gibt) etc. weiterverbreiten oder Journalisten bzw. Blogger bitten, das für einen zu tun. Weite Teile der Bevölkerung verlassen sich leider immer noch fast ausschließlich auf die etablierten, großen Medien. Das könnte sich aber in absehbarer Zeit ändern, wenn möglichst viele Leute mithelfen. Irgendwann müssten sich dann nicht mehr so viele Menschen über schlechten oder faulen Journalismus aufregen.

Einen kürzeren, englischen Artikel mit einem Beispiel zum „lazy journalism“ finden Sie hier.

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