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Die große Diskussion dieser Tage

5. März 2013

Nach der Diskussion über die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften ist das neue Topthema seit Sonntag also die Beschränkung von Managergehältern. Will man Leuten wie Kauder, Geis und Steinbach nur noch kurz zurufen: „Hey, Homophobie ist heilbar,“ so ist die andere Diskussion schon deutlich komplexer.

Winterkorn

Martin Winterkorn, der sich von seinem Gehalt täglich einen VW Passat kaufen könnte und trotzdem noch genug Geld für Hummer, Champagner und Nutten hätte

In einer Zeit, in der es an der Tagesordnung ist,  Gewinne zu privatisieren während Verluste sozialisiert werden, muss einen in ökonomischer Hinsicht eigentlich nichts mehr verwundern. Völlig abgehobene Managergehälter sollen nun möglicherweise gedeckelt werden, wogegen sich teilweise eine schwachsinnige Gegenwehr organisiert. VW-Chef Winterkorn findet einen Gehaltsdeckel unnötig. Wenig verwunderlich, oder? Verdiente er doch in den letzten beiden Jahren 17.5 und 14.5 Millionen Euro.

10% wären immer noch äußerst üppig

Wenn aber Menschen ernsthaft behaupten, das Verhindern solch absurder Gehälter würde dem Wirtschaftsstandort Deutschand schaden, dann kann einen das schon verärgern. Entscheidend ist, dass so etwas sicher nicht passieren würde, aber man gleichzeitg auch ernsthaft keine grundsätzlichen Probleme mit einer Deckelung lösen würde. Selbst wenn man die Gehälter aller Top-Manager um 90% kürzen würde, wäre deren Verdienst im Vergleich zu dem vieler Mitarbeiter im gleichen Unternehmen, immer noch extrem üppig.

Interessant wäre es, wenn man die Manager-Gehälter an die allgemeine Joblage und Bezahlung in den Unternehmen koppeln würde. Die Putzfrau geht mit gut 2000 Euro netto nach Hause, der einfache Arbeiter in der Produktion mit mindestens 2500 Euro und es werden keine Mitarbeiter entlassen? Prima, dann darf auch das Management gut verdienen. Dieses setzt aber auf Leiharbeit, Lohndumping und Entlassungen mit dem Totschlagargument, man könne sonst nicht international wettbewerbsfähig bleiben? Dann hat es selbst absolut kein gutes Gehalt verdient. Eigentlich gar keines. Ganz simpel.

Wie sehen verträgliche Lohnunterschiede aus?

Ganz grundsätzlich darf man sich aber auch fragen, wie groß Lohnunterschiede überhaupt sein dürfen, um sie als verträglich für ein Unternehmen ansehen zu können? Mittlerweile verdienen Manager in Deutschland teilweise mehr als das Hundertfache dessen, was einfache Mitarbeiter erhalten, ohne deren Arbeitsleistung aber kein Manager auch nur einen Cent bekommen könnte. Die Linkspartei  will, dass Manager per Gesetz nicht mehr als etwa das 20-fache der unteren Lohngruppe verdienen, sagte Sahra Wagenknecht. Meiner Meinung ist das immer noch zu viel.

Mehr Verantwortung und mehr Arbeitszeit rechtfertigen natürlich einen höheren Lohn, aber mehr als das drei, vier oder vielleicht noch fünffache? Ich denke nein. Darüber hinaus finde ich, es ist nicht Aufgabe der Sekretärin und des Lagermitarbeiters den perversen Lebensstil von Managern zu finanzieren. 5000 Euro netto im Monat reichen für ein sehr gutes, sorgenfreies Leben, aber für manche muss es mehr das das zehnfache sein? Und wofür? Um Luxusartikel anzuhäufen, von denen man gar nichts hat, weil man zu viel arbeitet…

Jahrzehnte von Fehlentwicklungen

Die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte sind anhand eindeutiger Zahlen erkennbar. Ein großes Problem und ein Grund dafür, dass es so kommen konnte: Wir tun (gerade in Deutschland) immer noch so, als müsse man als Arbeitnehmer unglaublich dankbar für seinen Job sein. Sicher, jeder braucht Geld zum Leben, aber in erster Linie hat der Arbeitgeber dankbar zu sein. Derjenige nimmt nämlich viel mehr als er gibt. Beginnend mit signifikanter Lebenszeit, die man ihm zur Verfügung stellt.

Diese Zeit steht für mich noch deutlich über der Arbeitsleistung. Hier müsste bei vielen Arbeitern und Angestellten ein Umdenken einsetzen, hin zu mehr Selbstbewusstsein und der richtigen Einschätzung der eigenen Bedeutsamkeit. Würde das stattfinden und man auch endlich wegkommen von Lohndumping und Leiharbeit, dann wäre der eigentliche Punkt der aktuellen Diskussion beinahe nur noch eine Nebensache.

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From → Allgemein, Politik

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