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Eine Legende tritt ab

7. Februar 2013
"Carra" nach dem Sieg im Carling Cup 2012

„Carra“ nach dem Sieg des Carling Cups 2012

Heute hat Liverpool FC Legende Jamie Carragher das Ende seiner Karriere nach der laufenden Saison angekündigt. Ein trauriger Tag für jeden Fan des Clubs, aber eigentlich kein schlechter Zeitpunkt. Carragher ist im Januar 35 Jahre alt geworden, hat sein Zenit schon etwas länger hinter sich, geht aber nicht als Bankdrücker.

In den letzten Wochen hat Jamie Carragher eine Schwächephase Martin Skrtels genutzt und sich wieder den rechten Platz in der Innenverteidigung neben Daniel Agger ergattert. Trotz seiner mangelnden Schnelligkeit hat er dort zuletzt einen sehr anständigen Job gemacht. Es besteht eigentlich gar kein Zweifel, dass der Mann mit der Nummer 23 als Innenverteidiger Nr. 3 oder 4 noch locker eine Saison dranhängen könnte. Von daher kommt die heutige Ankündigung etwas überraschend. Besonders traurig ist sie wiederum, da der Scouser ohne den zweitwichtigsten Titel abtritt, den man als Premier League Spieler auf Vereinsebene gewinnen kann, der englischen Meisterschaft.

Als ich Jamie Carragher Ende der 90er Jahre die ersten Male im Trikot meiner Reds sah, habe ich ihm ehrlicherweise keine besondere Karriere zugetraut. Er hatte beschränkte technische Fähigkeiten, war damals schon nicht der schnellste Akteur und fiel nicht selten dadurch auf, dass er den Ball von hinten blind noch vorne drosch. Vielleicht kann er als engagierter Ersatzspieler ein paar Jahre beim Club bleiben und dann bei einem Verein ohne europäische Ambitionen Stammspieler werden. Mehr ist wohl kaum drin, dachte ich mir. Oft liege ich mit solchen Einschätzungen richtig, aber in diesem Fall wurde ich extrem eindeutig eines Besseren belehrt.

Kein Wunder von Istanbul ohne die 23

Sein für hohe Ansprüche doch eher begrenztes fußballerisches Talent machte Carragher stets mit vorbildlichem Einsatz, Härte im Zweikampf und sehr gutem Timing wett. Mitte des letzten Jahrzehnts bildete er zusammen mit Sami Hyypiä eine der besten Innenverteidigungen Europas. Ohne diese beiden wäre der Champions League Sieg 2005, der mit dem Wunder von Istanbul perfekt gemacht wurde, als Liverpool FC nach 3-0 Rückstand gegen den AC Mailand noch den wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt gewann, ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Mittlerweile hat der Verteidiger über 700 Pflichtspiele für Liverpool gemacht und dazu weitere 38 für England, wo er aber nie den gleichen Status erreichte, wie in seinem Verein. Bereits 2007 beendete er dort seine Karriere, nachdem man ihm nicht selten schwächere Spieler vorgezogen hatte. Eine gute Entscheidung von ihm, wie ich finde. Jamie Carragher ist einfach ein konsequenter, ehrlicher Mann, der sich ungern verbiegen lässt. In Interviews vermeidet er gerne das heutzutage ganz tief verankerte Fußballer-Blablabla. Als Spieler war und ist er derjenige, der sich auch noch bei einer 5-1 Führung in der 93. Minute in einen gegnerischen Schuss wirft.

Ein Lichtblick im heutigen Profifußball 

In Zeiten, in denen lächerlich alberne Söldner gerne das Emblem des Clubs auf ihren Trikots küssen, um diese zwei Jahre später wegen ein paar Euro mehr zu verlassen, war und ist Carragher eine Ausnahme. Jetzt, im Februar 2013, ist er einer von ganz wenigen Profis, denen ich wirklich abnehme, ihren Club zu lieben und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass er seine gesamte Profi-Karriere beim gleichen Verein spielte. Schade ist aber schon, dass er sportlich außerhalb Liverpools nicht immer die Anerkennung bekam, die er verdiente. Leute, die ein bisschen etwas von diesem Sport verstehen wie Brasilien ehemaliger Weltklasse-Außenverteidiger Cafu, hatten aber eindeutige, positive Dinge über „Carra“ zu sagen.

„He is the heart of their team, even more so than Steven Gerrard. Carragher is world class. England must have some pretty good centre-backs if he is not an automatic choice.“ (Cafu) Für immer unvergessen bleibt für mich auch das Champions League Halbfinale 2005. Chelsea Stürmer Gudjohnsen sagte anschließend: „I thought it was going in but it seemed Carragher cloned himself. He was everywhere.“ Auf dem Platz überall zu sein, dazu hat er leider nun nur noch wenige Monate Zeit. In einer anderen Funktion wird er aber irgendwann wieder beim Liverpool FC zu sehen sein. Daran besteht kaum ein Zweifel.

From → Sport

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