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„Naja. Ich weiß nicht, ob das Rassismus ist.“

1. Februar 2013
Subban

P.K. Subban würden einige gerne immer auf der Strafbank sehen

Haben Sie diesen Satz in der Überschrift auch schon öfter gehört? Wissen Sie noch von wem? Richtig, meistens von weißen Männern (Frauen schließt das nicht aus), die lieber andere Erklärungen für eine nicht selten sehr eindeutige Situation suchen.

Genau das ist seit Wochen wieder der Fall, wenn es um den Eishockeyspieler Pernell Karl Subban von den Montreal Canadiens geht. Was immer der junge Verteidiger macht, es wird kritisiert. Wenn Subban in einer Fernsehsendung zu Gast ist, wenn er in einem neuen Werbespot dabei ist oder wenn er noch keinen aktuellen Vertrag unterschrieben hat. Subban, dessen Eltern in den 70er Jahren aus der Karibik nach Kanada auswanderten, muss dies und das machen, jenes ist nicht in Ordnung, yadayadayada und blablabla.

Nun hat P.K. Subban vor ein paar Tagen einen neuen Vertrag unterschrieben. Für die nächsten zwei Jahre kassiert er deutlich unter seinem Marktwert. 2 Millionen Dollar in dieser Saison, von denen allerdings dank des Lockouts schon fast die Hälfte abgehen und anschließend zahlt er natürlich auch noch die in Québec hohen Steuern. Kein Grund, Mitleid zu haben, aber in einer Liga, in der zahlreiche schlechtere Verteidiger mehr als das doppelte verdienen, ist er ein absolutes Schnäppchen.

Sein Teamkollege Tomas Kaberle, der sich vielleicht bald dank der Rückkehr von Subban als überzähliger Verteidiger die Spiele von der Tribüne ansehen darf, bekommt beispielsweise 4.25 Millionen Dollar pro Saison. Wie wäre es also mit einem Lob dafür, dass der Mann, der mit der untypischen Nummer 76 spielt, dieses Angebot annahm? Wie wäre es mit der Einsicht, dass es viel mehr an Canadiens General Manager Marc Bergevin lag, dass Subban die ersten Saisonspiele vertragslos verpasste?

Nein, natürlich kein Wort. Lieber gefällt sich ein Großteil der Presse daran, ein paar nüchterne Aussagen von Teamkollegen über zu interpretieren. Natürlich wird es sie genervt haben, andauernd auf dieses Thema angesprochen worden zu sein, aber jeder weiß gleichzeitig auch, dass die Mannschaft mit ihm im Team wesentlich größere Chancen auf Erfolg hat. Vielleicht mag der ein oder andere Subbans Art nicht, aber das kann man wohl über jeden anderen Spieler der Liga ebenfalls behaupten. Außerdem ist es natürlich Quatsch so zu tun, als kämen sonst in allen NHL Mannschaften die über 20 Teamkollegen problemlos miteinander aus.

Natürlich kann man nicht immer gleich von Rassismus sprechen, wenn ein weißer Mann einen schwarzen Sportler kritisiert. Die Tatsache aber, dass es einen schwarzen jungen Mann im Eishockey Sport gibt, in dem die große Majorität der Akteure sich aus weißen Nordamerikanern und Europäern zusammensetzt, der deutlich mehr Talent hat als der Großteil aller NHL Spieler, der gleichzeitig unglaublich selbstbewusst auftritt, gerne im Mittelpunkt des Interesses steht und dem sicher nicht wenige Frauen gutes Aussehen bescheinigen würden, ertragen viele Leuten einfach nicht.

Wenigstens outete sich mit TSN Mitarbeiter Darren Pang einmal jemand von diesen Personen per freud´schem Versprecher. Man kann auch  jetzt schon sicher sein, dass einige dieser Leute Stimmung gegen Subban machen werden, wenn es um die Nominierung von Team Canada für die olympischen Spiele 2014 geht. Ob er nicht ein Problem in der  Kabine darstellt, wird man wieder fragen, wenn es absurd wäre zu erklären, dass er nicht zu den acht besten Verteidigern Kanadas gehört. Wer ernsthaft behaupten möchte, dass all das nichts mit Rassismus zu tun habe, macht sich meiner Meinung nach schlichtweg lächerlich.    

Die NHL ist zudem eine Liga, in der xenophobes Verhalten und Gequatsche an der Tagesordnung ist. Natürlich identifiziert sich kaum ein halbwegs intelligenter Mensch mit Ex Trainer und CBC Pausenclown Don Cherry, der zur besten Sendezeit am Samstagabend nach dem ersten Drittel die kanadischen Bildschirme mit seinem reaktionären Schwachsinn verpestet. Dennoch wird ihm leider immer noch Aufmerksamkeit geschenkt, selbst wenn man ihn längst aus dem Programm hätte verbannen sollen.

Gerne sind es auch die Europäer, die man in Nordamerika kritisiert. In den Playoffs wären sie zu weich und man brauche möglichst viele harte Kanadier und US-Amerikaner. Der Stanley Cup würde ihnen nicht so viel bedeuten, sagt man und weiteren Blödsinn. Ohne den Slowenen Anze Kopitar hätten die Los Angeles Kings im letzten Jahr nicht den Stanley Cup souverän gewonnen und mir fällt gerade niemand ein, der besser und härter checken kann als der Russe Alexei Emelin oder die Schweden Niklas Kronwall sowie Douglas Murray und fast hätte ich jetzt Emelins Landsmann Volchenkov vergessen. Tja und erinnert sich vielleicht noch jemand an den ehemaligen Penguin und Ranger Darius Kasparaitis aus Litauen?

In der letzten Woche stand wieder einmal ein Russe, auf die man auch besonders gern herumhackt, im Mittelpunkt der Kritik. Es traf den gerade 19-jährigen Rookie Nail Yakupov aus Nischnekamsk, der mittlerweile für die Edmonton Oilers spielt. Was hatte der Stürmer getan? War er zu spät zum Training gekommen oder besoffen mit zwei Nutten im Arm und 20 Gramm Koks in der Tasche in einer Bar gesichtet worden? Nein, er hatte nur ein besonders spätes Ausgleichstor gegen den Titelverteidiger Los Angeles ausgiebig bejubelt.

From → Allgemein, Politik, Sport

5 Kommentare
  1. ribi permalink

    rassismus ist immer dann, wenn ich alleine eine bestimmte person einer ethnie alleine wegen etwas beschimpfe! z.b. bin ich gegen gewalt, muss ich gegen jede form dieser sein, nicht nur bei nicht-eu-nbürger!

  2. ribi permalink

    king: was verstehst du unter latent? meinst du job-diskriminierungen etc.?

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  1. Erfolgreiche Ostern | Ziegenhodensuppe           

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