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Der laute Aufschrei bei Twitter

26. Januar 2013

Nun hat ein FDP Mann tatsächlich einmal etwas Interessantes und Gutes in Gang gesetzt. Rainer Brüderles sicherlich sehr armselige Aufdringlichkeit hat seit Donnerstagabend auf Twitter eine ganze Welle von Tweets nach sich gezogen, die sich unter dem Hashtag Aufschrei mit dem Thema Sexismus auseinandersetzen und teils extrem traurig sind.

twitter-logo

Ich bin längst nicht mit allem einverstanden, was bei Twitter dieser Tage beim Thema Sexismus angeprangert wird, aber die Diskussionen und Geschichten haben mich schnell zum Nachdenken gebracht. Ich verachte Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wie man hier schon oft lesen durfte. Gleichzeitig habe ich mich nie zu Sexismus geäußert. Warum nicht? Weil man als Mann nicht oder höchst selten betroffen ist? Vielleicht, möglicherweise aber auch, weil ich diese Problematik unterschätzt habe.

Es mag der ein oder anderen attraktiven Frau gefallen, wenn sie leicht bekleidet im Sommer durch die Stadt gehend von allen Seiten angestarrt und mit Bemerkungen bedacht wird. Die Mehrheit wird davon sehr schnell genervt sein und einige sich sogar von vornherein überlegen, anders gekleidet vor die Tür zu gehen. Ziemlich traurig, wenn man darüber nachdenkt. Einige Geschichten, die man unter #Aufschrei zu lesen bekommt, sind aber noch deutlich bedenklicher. Das ist im übrigen auch die ignorante und verharmlosende Reaktion vieler Männer.

Ein Frauenarzt, der besser Schlachter geworden wäre.

Wenn eine Frau als 12-jährige gefragt wird, wie viel sie denn kosten würde, wenn eine 19-jährige von ihrem Frauenarzt zu hören bekommt, dass sie sich beim Sex bestimmt auch nicht so anstellen würde, wenn wenn eine 13-jährige im Badeanzug zigfach vom Vater ihrer Freundin fotografiert wird oder wenn ein erwachsender Mann in Anwesenheit von zwei jungen Anhalterinnen in seinem Auto „ihn“ einfach rausholt, dann ist das alles andere als hinnehmbar. Extremere Vorfälle muss ich an dieser Stelle nicht erwähnen.

Jede Diskussion und ist sie noch so ernst, verträgt für mich einen guten Spaß. Wie verdammt ignorant und dumm aber jemand ist, der hier mit „Wer Sexismus nicht mag, kann ja ne Burka tragen!“ reagiert, lässt sich kaum in Worte fassen. Erstaunlich viele Männer reagierten, als fühlten sie sich persönlich angegriffen. Wahrscheinlich weil sie sich wiedererkannten und ihre Fehler nicht einsehen wollen. Ich werde mich diesbezüglich jedenfalls in Zukunft öfter hinterfragen. Auf der anderen Seite werde ich mir nicht jedes Wort oder jeden kleinen Scherz dreimal überlegen.

Gibt es klare Grenzen?

Natürlich stellt sich auch die Frage, was noch ein harmloser Flirt ist? Was ist ein Kompliment, das man einer Frau guten Gewissens machen kann? Gibt es klare Grenzen jenseits von ungewollten Berührungen, die sicher eine darstellen oder sind die Übergänge nicht eher fließend? Was mir an der ganzen Debatte nicht gefällt, ist das eine Mann gegen Frau Konfrontation daraus wird. Es gibt nicht nur Sexismus gegen Frauen, sondern auch gegen Männer, selbst wenn dieser deutlich seltener sein dürfte. Es wäre gut, wenn man das im Hinterkopf behalten würde, während man weiter möglichst sachlich über diese Thematik spricht.

Begrüßenswert wäre es ebenfalls, würde am Ende diesbezüglich jede(r) etwas sensibler und respektvoller handeln. Gegenüber Frauen, gegenüber Männer und natürlich ganz besonders gegenüber Kindern. Zu diesem Thema gibt es bereits anderweitig zahlreiche Artikel, aber empfehlen möchte ich nur den Beginn der gestrigen Ausgabe des Heute Journals im ZDF. Über einige sehr vernünftige Stimmen in diesem Beitrag, lohnt es sich nachzudenken.

7 Kommentare
  1. Endlich mal ein Mann, der wie ich zumindest versucht besonnen was beizutragen. Danke für diese Worte. Mein eigener Ansatz ist zwar etwas anders, ich denke nämlich ein gewisses Maß an Sexismus ist leider unausweichlich, aber dennoch: Guter Text.
    Bei Bedarf: http://wp.me/p2BujB-rm

    • Danke. Lese ich mir später durch und komme dann ggf. nochmal darauf zurück.

    • So, gerade gelesen. Stimme mit dem meisten überein. Ich glaube zwar nicht, dass Frauen (immer) mehr in Beziehungen investieren als Männer, aber das ist ein Detail. Kann ansonsten jedem empfehlen, das zu lesen.

    • Lena Schneider permalink

      Ich bin kein Mann aber ihrem Kommentar stimme ich zu 100% zu. Und ich finde ebenfalls, dass es ein sehr guter Bericht ist.

  2. Danke. Ja, allgemeine Aussagen sind in der Tat immer für die Tonne, korrekt. Richtig ist auch, dass du natürlich den Schwerpunkt auf die etwas schwerwiegenderen Fälle legst. Was du da an Beispielen anführst, da kann und darf es keine zwei Meinungen. Auch nicht mein „Natur & Gesellschaft machen den Mann wie er ist“. Aber das ist ja das so verflucht Schwierige an dieser Debatte: Sie zerfleddert, weil jeder seinen eigenen kleinen Strauch hinter sich wirft. Irgendeiner fängt ihn halt immer.

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