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Paradies: Liebe – ein qualvoll guter Film

9. Januar 2013
Paradies

Teresa (Margarethe Tiesel) möchte nichts kaufen. Wirklich nicht?

Es kommt selten vor, dass ich einen guten Film sehe, bei dem ich aber dennoch am liebsten Wegschauen würde. Bei Ulrich Seidls „Paradies: Liebe“, der seit Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen ist, war das mehrfach der Fall und damit hier keine Missverständnisse vorkommen: Es handelt es sich um keinen Horrorfilm.

Zumindest kein Horrorfilm im üblichen Sinn, möchte ich hinzufügen. Regisseur Ulrich Seidl schont seine Zuschauer im ersten Teil seiner Paradies-Trilogie wirklich nicht, aber das konnte auch niemand erwarten, der zuvor schon einmal einen Film (wie beispielsweise „Import Export“) des Österreichers gesehen hat. In seinem aktuellen Werk begleiten wir die Sextouristin Teresa (Margarethe Tiesel), die sich zuhause einsam fühlt und nach Kenia reist, um sich dort, ja was eigentlich?

Sex kann man kaufen, aber Liebe?

Sex kann man kaufen, aber Liebe eigentlich nicht, oder doch? Und wenn nein, was sagt das über das Leben von Lothar Matthäus? Nein, zurück zum eigentlichen Punkt: Warum ist Teresa nach Afrika gereist? Sie hat etwas gesucht und sie war bereit dafür zu zahlen, aber was genau sie wirklich suchte, dessen bin ich mir nach diesem Film immer noch nicht sicher. Ich weiß aber, dass es sehr anstrengend war zuzusehen, wie zwei Menschen sich ganz offensichtlich belügen, betrügen und ausnutzen.

Der Mann spielt der Touristin etwas vor und nutzt diese finanziell aus, während diese seinen Körper, seine Zeit und eigentlich noch viel mehr von ihm beansprucht. Sowohl Österreicherin als auch Kenianer sind gleichzeitig Opfer wie Täter. Sie tun etwas verabscheuungswürdiges, für das man aber dennoch Verständnis aufbringen kann. Man darf das jetzt sexistisch finden, aber ich bin ganz ehrlich: Dieser Film ist nicht nur inhaltlich teilweise qualvoll, sondern auch visuell, zumindest wenn man nicht auf meist sehr leicht bekleidete übergewichtige weiße Frauen um die 50 Jahre steht.

Kein Meisterwerk, aber ein sehr sehenswerter Film

„Ein schönes, böses Meisterwerk“ hieß es in der Süddeutschen Zeitung über diesen Film. So weit würde ich nicht gehen, aber trotz allem ist „Paradies: Liebe“ wirklich sehenswert. Weil dieser Film gut gemacht ist, weil er realistisch anmutet, weil er einen berührt und zum Nachdenken bringt. Übrigens auch über ein Thema, bei dem wir meistens eine feste, ablehnende Meinung einnehmen, sofern diese Michel Houllebecq nicht ins Wanken gebracht hat. Also beispielsweise, wenn es um männliche Sextouristen geht, die nach Thailand fliegen. Hier spielt eine Frau die Hauptrolle, was auch etwas Besonderes darstellt.

Einen Filmtipp für heute Abend habe ich auch noch. Die ARD zeigt um 22.45 Uhr den Dokumentarfilm „Wadim“. Im Dezember 2011 habe ich diesen bereits im NDR gesehen und das darüber geschrieben.

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