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Ein Einwurf

26. November 2012

Wenn ein Nazi von Menschenrechten redet, der Blinde über das Licht, der Reiche über den Mindestlohn, der Vegetarier von großartigem Essen und der Gehbehinderte über Fußball, dann führt das selten zu substantiellen Erkenntnissen. Das stellte ich gestern wieder einmal fest, nachdem ich ein Fußballspiel sah.

Swansea FC – Liverpool FC hieß das Spiel, welches ich meine. Es endete 0-0, aber es war eine insgesamt sehr ansehnliche Partie und rechnet man die guten Torchancen einfach zusammen (was natürlich eigentlich Quatsch ist), dann hätte die Begegnung auch 2-4 ausgehen können. Das Unentschieden am Ende ging halbwegs in Ordnung, selbst wenn Liverpool einen Sieg auch durchaus verdient hätte. Das Aufeinandertreffen zeigte wieder einmal, warum die Waliser vor allem daheim so schwer zu schlagen sind. Swansea hat übrigens nun insgesamt nur eines der letzten sieben Ligaspiele verloren, Liverpool ist sogar seit acht Partien ohne Pleite.

Foto: Raheem Sterling / Кирилл Крыжановский

Frustration vs. Realismus

Als Liverpool Fan kann man dennoch sehr frustriert sein, da man immer noch im Mittelfeld der Liga herumkrebst. Das könnte sich durchaus bald ändern, wenn die Mannschaft weiter nicht verliert. Mittwoch ein Punkt bei den Spurs, Samstag ein Heimsieg gegen Southampton und man würde endlich wieder in der oberen Tabellenhälfte stehen und das mit einer realistischen Möglichkeit, bis Ende des Jahres den ein oder anderen zusätzlichen Platz gut zu machen.

All das weitestgehend mit einem Stürmer, die meiste Zeit ohne einen klassischen defensiven Mittelfeldspieler, mit einem Şahin, der noch nicht annähernd sein ganzes Potenzial gezeigt hat und mit einem neuen Trainer, der immer noch wirkt wie ein ostfriesischer Bauernjunge, den man auf dem Times Square in New York abgesetzt hat. Nimmt man die nicht ganz wenigen Schiedsrichterentscheidungen hinzu, die bisher klare Punkte gekostet haben, wie zum Beispiel das unrechtmäßig aberkannte 2-3 in der 94. Minute bei Everton, dann ist das alles sicher kein bisschen schlechter als zu erwarten war.

Suárez und Sterling

Nach den Erklärungen zum besseren Verständnis, nun zum eigentlichen Thema. In der Schlussphase des gestrigen Spiels hatten Raheem Sterling und Luis Suárez eine 2 gegen 1 Situation und somit theoretisch eine sehr gute Möglichkeit, unbedrängt zum Abschluss zu kommen. Beide waren mit sehr hohem Tempo unterwegs und nachdem Sterling von Suárez den Ball bekam, spielte er ihn schnell zurück. Allerdings ein wenig zu hart, sodass eine hervorragende Möglichkeit zunichte war. Ein paar Sekunden später hätte Suárez dann nochmal zurück auf den plötzlich wieder freistehenden Sterling spielen können, versuchte es aber aus schlechter Position selbst.

Übrigens ist die Rede von gleichem Suárez, der momentan zwar wahrscheinlich der beste Offensivspieler der Premier League ist, aber schon in der ersten Hälfte sehr eigensinnig den Abschluss suchte, anstatt einen Pass über wenige Meter zum viel besser postierten Jordan Henderson zu spielen. Wer wurde aber nun im Anschluss kritisiert? Genau, der erst 17 jährige Sterling, der wieder einige sehr gute Szenen in der Offensive hatte und in der ersten Halbzeit mit einem fantastischen Halb-Volley leider nur die Latte traf. Absolut lächerlich, zumal es insgesamt genug Chancen gab, mit 1-0 in Führung zu gehen.

Ahnungslose Fans und Experten 

Außerdem las ich mehrmals, dass der Pass von Sterling „einfach“ gewesen wäre und darüber habe ich mich am meisten geärgert. Nach etwa 80 anstrengenden Minuten in den Beinen, ist kein Pass aus dem vollen Lauf zu einem ebenfalls sprintenden Mitspieler einfach. Ich vermute, die besten Fußballer der Welt könnten das bestätigen. Was viele Fans, Kommentatoren und Co. selten überhaupt nicht können, ist Spielszenen vernünftig einschätzen. Obwohl ich ihn nicht sonderlich mag, konnte ich übrigens Manuel Neuers Verärgerung letzte Woche verstehen. Auch scheinen viele permanent zu denken, dass es das einfachste der Welt ist, einen Ball aus fünf Metern im Tor zu versenken. Wenn der Torwart auf der Linie klebt und man sich nur eine Ecke aussuchen muss, dann ist das so. Wenn der Ball aber von außen mit hohem Tempo hereinkommt und ein Verteidiger den Angreifer behindert, dann sieht es schon wieder ganz anders aus…

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From → Sport

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