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Was stimmt bloß mit diesem Land nicht?

23. November 2012

Schlechtes Foto? Hier ist eine Punkband zu sehen.

Einiges, so viel ist sicher. Das wurde mir gestern Abend beim Konzert von Slime im Zakk (Düsseldorf) mal wieder einmal ganz deutlich bewusst. Die Texte der Band erinnern zwar auch daran, aber mir geht es mehr um die Tatsache, dass es bei weitem nicht ausverkauft war.

In das Zakk passen bei Konzerten ca. 800 Leute, gestern waren vielleicht 500 da. Einfach enttäuschend, wie ich finde. Die Toten Hosen spielen heute und morgen im ausverkauften ISS Dome (vor etwa 12.500 Fans). Für kein Konzert der Ex-Punks bis Mitte Mai 2013 gibt es von offizieller Stelle mehr Karten, ergab soeben eine kurze Recherche meinerseits. Diese waren übrigens erst ab 30 Euro zu haben, während man Slime für weniger als 20 Euro genießen konnte.

Verhältnisse, die ganz und gar nicht stimmen

Weitere Unterschiede zwischen beiden Bands? Die Toten Hosen haben irgendwann ihre Vergangenheit verraten hinter sich gelassen und sich im Musik-Mainstream eine goldene Nase verdient. Slime taten das nie und Sänger Dirk war zwischenzeitlich sogar arbeitslos. Während Campino bei Waldis furchtbarer Talkrunde Platz nimmt, würden Slime Einladungen bei wahrscheinlich viel weniger „schlimmen“ Sendungen absagen.

Ich kann es wirklich nicht glauben. Über 40.000 Zuschauer sehen gerade vermutlich ein recht müdes Gekicke zwischen Fortuna Düsseldorf und dem Hamburger SV, ca. 12.500 jubeln derweil wenige Kilometer entfernt den Toten Hosen zu. Slime dagegen spielen heute in Osnabrück und dort werden womöglich noch ein paar Leute weniger sein als gestern im Zakk. Ob die Hosen erfolgreich sind oder nicht, ist mir eigentlich relativ egal, aber die Verhältnisse stimmen überhaupt nicht. Wenn die einen zweimal hintereinander den ISS Dome füllen, müssten die anderen wenigstens einmal das Stahlwerk ausverkaufen.

Sich fügen heißt lügen

Wie das Konzert von Slime ansonsten war? Ich kann mich absolut nicht beklagen. Es war von der Songauswahl und von der Länge recht ähnlich wie jenes in Köln im Oktober (Ein gelungener Abend bei Slime in Köln). Gemerkt habe ich, dass es ganz schön anstrengend sein kann, vier Songs lang ein wenig zu pogen, wenn man keine 20 Jahre mehr alt ist. Der Cross-Check in den Rücken tat schon ein bisschen weh, aber es hat sich wirklich gelohnt, die ganze Zeit nicht nur rumzustehen.

Ich muss auch jedem, der sich nur ein wenig für Punk-Musik interessiert, nochmal empfehlen, „Sich fügen heißt lügen“ mal anzuhören. Besonders der Titelsong und das mindestens ebenso großartige „Freiheit in Ketten“ sind besser als alles, was manch andere Band in diesem Jahrtausend abgeliefert hat. Hmm, die Toten Hosen zum Beispiel? Genau an die dachte ich gerade. Ach, ich bin auch wieder böse heute.

Lesen Sie auch:

Ein gelungener Abend bei Slime in Köln

Sich fügen heißt lügen

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7 Kommentare
  1. garlic221 permalink

    „Sich fügen heißt lügen“ -sehr schön ausgedrückt Ziegenhodensuppe
    und zu den Millionären die Fussball spielen gebe ich jetzt
    keinen Kommentar ab.

    OT
    Gibt es eine Kontoverbindung wo ich das Reiseprojekt
    nun unterstützen kann?

    • Nein, leider noch nicht. Ich will das schon vernünftig auf eine Crowdfunding-Plattform einstellen (dort
      hat dann auch jeder die Gewissheit, dass er/sie das Geld zurückbekommt, wenn insgesamt zuwenig
      zusammenkommt, um das Projekt umzusetzen) und das gestaltet sich aus verschiedenen Gründen leider etwas
      aufwändiger als gedacht. Mittwoch oder Donnerstag gibt´s diesbezüglich etwas Neues.

  2. oli permalink

    Nuja, Elf zumindest hat keine Probleme in Deppen-Sendungen aufzutreten 😉
    http://www.spreeblick.com/2011/01/18/haste-mal-ne-mio-alter/
    Wieso stellst Du Slime auf einen Thron? Die haben heute (leider) nicht mehr die Relevanz, die sie vielleicht vor 20 Jahren und früher hatten.

    • Eine sehr gute Frage, ich werde morgen ganz ausführlich darauf antworten.

    • 1. Ja, die Geschichte kenne ich. Ob das nun problematisch ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. RTL ist zwar ein absoluter Dreckssender, aber die Sendung ist auch nicht schlechter als das, was ARD und ZDF so fabrizieren. Ich würde nicht in die Show gehen, sehe aber irgendwie lieber wie ein Elf dort 16.000 Euro für eine USA Tour mit seiner Band gewinnt, als irgendein BWL Schleimspacken, der mit seiner Freundin nach Sri Lanka will.

      2. Weil Slime heute eine meiner Lieblingsbands ist, ganz genauso wie vor 20 Jahren. Ich finde, mit „Sich fügen heißt lügen“ haben sie eben auch wirklich noch einmal ein richtig starkes Album hingelegt. Klar sind auch ein paar schwächere Songs darauf (Revoluzzer), aber mir gefällt´s richtig gut.

      3. Die Relevanz mögen sie allgemein nicht mehr haben. Nur, wie misst man das? Für mich selbst sind sie heute kein bisschen weniger relevant, als am Tag, an dem ich sie zum ersten Mal hörte.

  3. oli permalink

    Persönliche Relevanz ist das eine, Relevanz für größere Gruppen das andere. Siehst Du ja selbst, wenn Du über spärlich besuchte Slime-Konzerte schreibst. Du bist halt Fan und hältst die Fahne hoch. Ich war auch mal Fan, Slime funktionieren allerdings für mich aber heute nicht mehr. Da gibts so viel besseren Punk (aber das ist Geschmackssache am Ende).

    Nen Geschmäckle hats aber schon, wenn eine einst ernstzunehmende Band mit Standpunkten das (Jauch-)Spiel mitspielt. Das passt nicht. Bzw. passt inzwischen halt doch 😉

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