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5% Hürde statt absolute Mehrheit

12. November 2012

Verwundert rieb ich mir letzte Nacht und mehrmals während des heutigen Tages die Augen. Die teils sehr negativen Reaktionen im Internet auf die Debütshow „Absolute Mehrheit“ von Pro 7, haben mich doch erstaunt. Mir hat an den ca. 1,5 Stunden auch wirklich wenig gefallen, aber ich frage mich schon, mit welcher Erwartung die meisten Kritiker diese Sender eingeschaltet haben.

Eine Politshow auf Pro 7 mit Stefan Raab. Ein kurzer Satz, nach welchem eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen sollten. Genauso war es jedenfalls bei mir und deshalb schaltete ich am gestrigen Abend gegen 22.45 Uhr mit enorm niedrigen Erwartungen, aber dennoch neugierig, ein. Ob andere wirklich größere hatten oder Raab heute einfach nur so in Grund und Boden schreiben wollten, weiß ich nicht. Ich bin absolut kein Fan von ihm, auch wenn ich „Schlag den Raab“ für eine vom Konzept und den Spielen vergleichsweise sehr gelungene Show halte und auch oft in seine Pokersendung reinschaue, aber das war´s dann schon. „TV Total“ ist ein insgesamt ziemlich lustlos gemachtes Format und den ganzen Events kann ich wenig bis gar nichts abgewinnen, aber ich muss mir den Kram auch nicht anschauen. Gäbe es Raab auf Pro7 nicht, würden dort wahrscheinlich noch mehr schlechte Actionfilme laufen, womit mir genauso wenig geholfen wäre.

Zurück zu „Absolute Mehrheit“: Spätestens als Raab breitbeinig wie Gina Wild zu ihren besten Zeiten in der Mitte zwischen seinen Gästen Platz nahm und ein paar flache Witze machte, hätte der ein oder die andere wohl besser abgeschaltet. Auch die Einspielfilme zu den wild zusammengemischten Themen (Steuergerechtigkeit, Energiewende, soziale Netzwerke) waren albern, plakativ und einfach schlecht, wenn man sie denn tatsächlich ernst nehmen wollte. Das muss man aber nicht. Man kann die Sendung einfach für das nehmen, was sie ist: Eine Unterhaltungsshow, bei der Politiker relativ oberflächlich über verschiedene Themen diskutieren. Vielleicht bietet die Sendung aber sogar auch die ein oder andere Chance. Eine Frage wie „Muss der Rösler weg und wie kann ich Ihnen dabei helfen?“ dürfen Jauch, Will und Co. im Gegensatz zu Raab nicht stellen. Möglicherweise gelingt es dem Moderatur irgendwann einmal, diese Chance zu nutzen.

Foto: Wolfgang Kubick / Λοῦκας

Das Konzept der Sendung, dass Meinung am Ende belohnt wird, ist einfach nur ein kleiner Gag, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Nebenbei bringt es Pro7 Geld, denn wenn man seinen favorisierten Kandidaten bis Ende im Rennen halten will, muss man 50 Cent für einen Anruf oder eine SMS investieren. Am Ende siegte Wolfgang Kubick übrigens vor Jan van Aken von der Linkspartei. Beide hatten sich in der Tat auch am besten geschlagen, wobei es schon absurd ist, dass im Jahr 2012 einem arroganten und geldgeilen FDP Mann aus Schleswig-Holstein der größte Zuspruch zuteil wurde. CDU Mann Fuchs blieb am blassesten und schied als Erster aus, wobei er dennoch weiter sporadisch an der Diskussion teilnehmen durfte. Die 100.000 auf die absolute Mehrheit ausgelobten Euro, wurden nicht vergeben, denn die 50% Marke erreichte am Ende auch Kubicki nicht.

Gab es denn etwas Interessantes in der Sendung? Kaum, aber ich finde es immer erstaunlich, dass auch Sozialdemokraten wie Thomas Oppermann gerne von mehr Wettbewerb fabulieren, wenn es um etwas geht wie faire Strompreise. Warum an Grundbedürfnissen, zu denen Strom im Jahre 2012 natürlich eindeutig gehört, Privatunternehmen Milliarden verdienen dürfen, sehe ich bis heute absolut nicht ein. Albern und peinlich war die Flirterei zwischen Kubicki und der Jung-Unternehmerin Verena Delius. Setzt man ansonsten hohe journalistische Maßstäbe an und erwartet tiefgehende Unterhaltungen, sollte man dieser Show lieber den Titel „5% Hürde“ geben. Es macht aber einfach wenig Sinn, eine solche Sendung ernst zu nehmen. Vielleicht bringt sie wenigstens ein paar junge Pro7 Zuschauer dazu, sich ein etwas mehr für Politik zu interessieren.

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