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Das Lachen, welches im Halse stecken bleibt

27. Oktober 2012

Es gibt wieder einen Haufen politischer Themen dieser Tage, über die ich schreiben könnte. Heute habe ich mich mal für die Piraten entschieden, die sich momentan selbst demontieren. Mit viel Häme und Schadenfreude wird das in den Medien begleitet, was ich durchaus verstehen kann. Nach kurzem Nachdenken bleibt mir aber auch ein wenig das Lachen im Halse stecken.

Am Anfang möchte ich meine grundsätzliche Einstellung zur Piratenpartei kurz darstellen, auch wenn der ein oder die andere diese schon kennt. Ich habe die Piraten von Anfang kritisch gesehen, war ihnen gleichzeitig gegenüber aber auch sehr offen und habe interessiert verfolgt, wie sie sich einen Platz auf der großen deutschen Politbühne ergatterten. Ich finde einige Ansätze der Gruppierung immer noch gut, außerdem mag und schätze ich Marina Weisband nach wie vor. Auf der anderen Seite kam mir von den Piraten insbesondere in sozialen und wirtschaftlichen Fragen immer viel zu wenig Definitives, sodass ich bis heute nie ernsthaft in Erwägung gezogen hätte (bzw. habe, was die NRW Wahl angeht), für sie zu stimmen.

Von daher könnte ich ganz relaxt beobachten, wie man sich über die Newcomer von 2011 und der ersten Monate dieses Jahres derzeit lustig macht. Das ist auch alles absolut nachvollziehbar und der Beitrag in der heute-show gestern war nicht übel. Es war zudem äußerst peinlich wie Bernd Schlömer in der vorletzten Woche seinem Parteikollegen Johannes Ponader den Ratschlag gab, doch mal zu arbeiten. Wenn jemand, der gleichzeitig Künstler ist und politischer Geschäftsführer einer deutschen Partei, die bei der NRW Wahl im Mai noch fast 8% der Stimmen kam, finanziell nicht unabhängig ist, sollte man vielmehr diese traurige Situation ändern, anstatt ihm zuzurufen: „Hey, such Dir doch noch nen Job.“ Außerdem wüsste ich gerne, wie man in Vollzeit als Referent in einer Kaserne arbeitet und gleichzeitig Vorsitzender einer Partei ist, ohne dass eine der beiden Tätigkeiten, zumindest aber das Privatleben extrem leidet.

Foto: Bernd Schlömer / Bastian Haas

Die ewigen Diskussionen um Ponader und wahrscheinlich auch er selbst schaden aber letztendlich der Partei. Gestern gab es den Doppelrücktritt von Julia Schramm und Matthias Schrade aus dem Bundesvorstand und ein Ende der Querelen ist nicht in Sicht. Trotz alledem ist es einfach auch schade, wenn die Piraten ihre Chance wegschmeißen, im nächsten Jahr in den Bundestag einzuziehen. Die Partei, so wie sie sich momentan darstellt, braucht man da nicht, aber erinnern wir uns doch mal schnell daran, wer dort sonst sitzt. Genau, abgesehen von der Linkspartei ein politischer Einheitsbrei, von dem neue, innovative Ideen auch in zwölf Monaten wohl äußerst selten ausgehen werden. Ein paar etablierte Köpfe von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen weg, dafür ein paar junge, intelligente, engagierte Leute rein: Das könnte nun wirklich nicht im geringsten schaden. Genau deshalb bleibt mir ein bisschen das Lachen im Halse stecken.

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From → Film + TV, Medien, Politik

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