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Im Zweifel gegen den Flüchtling

24. Oktober 2012

Manchmal muss es nicht einmal Zweifel sein, aber wenn es diesen gibt, dann wird in Deutschland besonders gerne gegen den Flüchtling entschieden. Ein paar traurige Beispiele für eine beschämende Politik wurden am gestrigen Abend im ZDF Magazin „Frontal 21“ gezeigt.

Die meisten Menschen interessiert dieses Thema leider nicht besonders. Umso mehr Grund, öfter darüber zu berichten. Ob es abschiebungsgeile Ärzte aus Bonn sind, sture und menschenverachtende Beamten und Angestellten in Ausländerämtern über das ganze Land verteilt oder Politiker jeder im Bundestag sitzenden Fraktion, außer jener der Linkspartei (selbstverständlich mit größeren Schwerpunkten bei CDU/CSU als bei den Grünen): Man gibt sich viel Mühe hierzulande, Flüchtlinge wieder loszuwerden.

Es ist eine Schande, was sich diesbezüglich in Deutschland, aber auch in der gesamten EU (und nicht nur hier) im Jahr 2012 abspielt. Im Mittelmeer und im Atlantik lässt man Flüchtlinge auf dem Weg nach Lampedusa oder den kanarischen Inseln absaufen, während jene, die es in Länder wie Deutschland schaffen, manchmal gehen müssen, obwohl sie integriert sind und mehr als ihr halbes Leben dort verbracht haben. Wo diese Menschen dann mitunter landen, interessiert die Verantwortlichen oft einen Dreck:

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From → Allgemein, Politik

7 Kommentare
  1. garlic221 permalink

    Vielleicht sind die Flüchtlingskapazitäten die die BRD aufnehmen kann auch bereits erschöpft?
    Aber die sogenannten Gutmenschen wollen ja immer mehr Flüchtlinge in die BRD aufnehmen. Wie wäre es wenn wir halb Nordafrika aufnehmen, sie dann aber alle nach Kingkennys Heimatort in die Lager sperren. Wie lange es dann wohl dauern wird bis sich Kingkenny an einem Artikel ransetzt der so lauten könnte: „Ziegenhodenstadt versinkt im Flüchtlingschaos“ .

    • Eigentlich habe ich ja schon keinen Bock, auf einen Kommentar zu antworten, der das genau so entlarvende, einfallslose wie schlichtweg beschissene Wort „Gutmensch“ enthält, aber nun gut.

      1. Die Einwohnerzahl Deutschlands ist seit praktisch 20 Jahren auf dem gleichen Niveau. Wohnungen sind hier teilweise knapp, aber groß genug, um eine ganze Menge Flüchtlinge aufzunehmen, ist dieses Land grundsätzlich mit Sicherheit.

      2. Es sollte überhaupt keine Lager geben, genauso wenig wie ein Arbeitsverbot für Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, noch eine Residenzpflicht.

      3. An die teilweise schlechten Lebensumstände in vielen afrikanischen Ländern sind wir alles andere als unschuldig, aber das würde nun wirklich zu weit führen.

      4. Dann schauen Sie sich mal all die Fälle an. Besonders wenn integrierte Kinder, die hier geboren wurden und viele Jahre zur Schule gingen, ein, zwei Jahre vor ihrem Abschluss abgeschoben werden, teilweise in Länder, deren Sprache sie nicht sprechen, ist das nichts anderes als kriminell. Nebenbei außerdem für Deutschland auch nicht gerade von Vorteil.

      5. Für mich hat kein Mensch das Recht, einem anderen vorzuschreiben, wo dieser zu leben hat. Flüsse kennen keine Grenzen, Tiere kennen keinen Grenzen, Wüsten, Pflanzen usw, all das kennt keine Grenzen, aber wir meinen uns einmauern zu müssen. Lächerlich. Wir sollten unsere Grenzen schnellstmöglich, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht, komplett abschaffen.

      • garlic221 permalink

        Ich habe gerade Nachtwache in einem Altenheim und dementsprechen ein wenig Zeit.
        Das ein von mir benutztes Wort, mich entlarvt ist mir noch nie vorgekommen, nun gut. Wenn Sie das so sehen, sei es drum.

        Ich toleriere die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten, aber auf der Welt gibt es noch andere Länder, die diese Menschen ebenfalls aufnehmen können.

        „Wohnungen sind hier teilweise knapp, aber groß genug, um eine ganze Menge Flüchtlinge aufzunehmen, “
        Was meinen Sie damit? Sollen BRD Bürger Flüchtlinge direkt in ihre Wohnungen aufnehmen?

        „Es sollte überhaupt keine Lager geben,“

        Das Wort ist aber Auffanglager oder Lager, das habe ich nicht erfunden. Wenn Sie bei diesem Wort irgendwelche Gefühle reininterpretieren kann ich da nichts für. Ich bin in den 90er Jahren geboren.

        Zu Punkt 3)
        Nicht wir sind Schuld sondern die korrupten Politiker. Ich jedenfalls gebe mir keine Schuld.
        Ansonsten stimme ich Ihnen zu.

        Zu Punkt 4)
        Dann schauen Sie sich mal die Lebensumstände von Hartz4 Empfänger an. Diesen Menschen geht es auch sehr schlecht, aber das interessiert ja keinen. Die sind ja nur zu faul.

        Wenn der Krieg in diesen Ländern vorbei ist dann sollten diese Menschen auch wieder in ihr Heimatland zurückkehren, denn dort sind sie kulturell verwurzelt. Dann können diese Menschen ihr Land wieder aufbauen. Das macht man für gewöhnlich nach einem Krieg. Dort können dann die gut ausgebildeten jungen Menschen sehr viel beitragen.

        Im übrigen hat die BRD genügend Fachpersonal, nur weil ständig vom Fachkräftemangel zu hören und zu lesen ist muss es nicht unbedingt stimmen. Das ist wie mit den Arbeitslosenzahlen, die werden auch jeden Monat vorgelesen, stimmen bei weiten aber nicht 😉 .

        Zu Punkt 5) Ich stimme ihnen grundsätzlich zu, aber zur Zeit ist das noch Wunschdenken und Wunschdenken bringt uns nicht weiter.

        Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

        garlic221

  2. Seit Jahren wird dieses Wort ständig benutzt, um sozial denkende Menschen auf platte Weise zu diskreditieren. Außerdem ist es rein sprachlich schon ziemlich fragwürdig, also aus „Mensch“ und einem positiven Adjektiv einen negativen Begriff zu kreieren.

    Das stimmt, es gibt noch andere Länder. Nur lebe ich hier und wenn man hier vieles dafür tut, Flüchtlinge wieder loszuwerden, dann ärgert mich das als erstes.

    Ich meine, dass wir grundsätzlich sowieso viel mehr Wohnungen brauchen. Gerade in Städten wie Hamburg und München ist es oft eine Katastrophe, eine Wohnung zu finden. Das ist erst einmal ein ganz anderes Thema. Gleichermaßen gehören aber Flüchtlinge in ganz gewöhnliche Wohnungen untergebracht und nicht in einer Art Heim oder Lager, die einem Knast ähneln. Vielleicht in einer WG, wenn es sich um Einzelpersonen handelt. Eine Familie sollte auch eine Wohnung für sich bekommen.

    3) Letzten Endes haben wir aber diese Politiker gewählt und wir essen die Fische, die europäische Schiffe vor den Küsten Afrikas wegfischen. Unser Wohlstand basiert außerdem auf Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und Co. All das müssen andere Länder (vor allem in Zukunkt) genau so und vielleicht noch mehr ausbaden als die Verursacher. Konzerne wie Nestlé sind es, die in Afrika Geschäfte machen, aber den Kontinent gleichzeitig nachhaltig kein bisschen voranbringen usw.

    4) Gilt nicht für mich. Ich schreibe oft darüber.

    Das ist eben nicht so einfach. Wenn Menschen während eines Krieges hier hin kommen und über Jahre hier leben, arbeiten, Kinder kriegen und Co., dann müssen sie auch die Möglichkeit haben, hier zu bleiben. Gerade bei Kindern ist es ein Unding, dass sie in Länder abgeschoben werden, die sie manchmal überhaupt nicht kennen und deren Landessprache sie nicht sprechen. Der Aufenthaltsstatus von Kindern ist an denen der Eltern gekoppelt, anders herum wäre es richtig.

    Nebenbei ist es einfach auch für Deutschland unlogisch, dass man jahrelang in die Ausbildung eines Kindes Geld investiert und dieses dann abschiebt, anstatt die Möglichkeit zu haben, etwas zurückgezahlt zu bekommen.

    Der Satz mit dem „kulturell verwurzelt“ klingt auch mehr wie eine Ausrede. Bei Kindern, die hier geboren sind, trifft das schon einmal nicht zu und den meisten Erwachsenen ist am wichtigsten, wo sie möglichst uneingeschränkt und chancenreich leben können.

    Viele Leute schauen auf Gesetze und betrachten in dieser Thematik ein paar Fakten. Gleichzeitig haben sie aber keine Ahnung oder vergessen, was sie Menschen mit einer Abschiebung oft überhaupt antun.

    Das ist richtig. In einigen Bereichen ist das Gerede von Fachkräftemangel pures Geschwätz, in anderen mag es aber stimmen. Überall kennen wir uns sicher beide nicht aus. Der demographische Wandel ist aber alles andere als ein Mythos und auch wieder ein Grund, warum es für Deutschland keinen Sinn macht, besonders junge Menschen wieder weggehen zu lassen.

    5) Wir brauchen Ziele und manchmal auch Utopien, aber auf die es sich lohnt, hinzuarbeiten. Ich glaube, immer nur an den aktuell größten Problemen herumzudoktern, bringt uns auf Dauer nicht weiter.

    Gleichfalls!

    • garlic221 permalink

      Eine ausgearbeitete Antwort zu Ihren Kommentar schreibe ich morgen.

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  1. Ein ganz trauriges Bild « Ziegenhodensuppe           
  2. Gutmenschen und Weltverbesserer « Ziegenhodensuppe           

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