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Gnade dem deutschen Film

19. Oktober 2012

Deutsche Filme und ich haben seit Jahren ein sehr ambivalentes Verhältnis. Zusätzlich zu Fatih Akin, dem einen herausragenden Regisseur dieses Landes, gibt es allerdings weitere gute. Gleiches gilt für die Riege der Schauspieler(innen). Leider stehen oft die falschen Personen im Vordergrund. Dorthin gehören dieser Tage Birgit Minichmayr, Jürgen Vogel und Matthias Glasner.

Die genannten drei sind maßgeblich für das Gelingen von „Gnade“ verantwortlich. Das Familiendrama ist seit gestern in den deutschen Kinos zu sehen und ich habe mir das Vergnügen bereits direkt am ersten Tag in der Spätvorstellung gegönnt. Überzeugt das zu tun, haben mich zwei Dinge. Zum einen die Kombination Glasner-Vogel und zum anderen der Hauptort, an dem der Film spielt. Matthias Glasner ist ein talentierter, aber gleichzeitig auch sehr umstrittener Regisseur. Ich für meinen Teil schätze ihn allerdings seit „Der freie Wille“. Der fast dreistündige Film über den Vergewaltiger Theo Stoer hat mich vor Jahren besonders in seiner Eindringlichkeit und Härte beeindruckt. Die Hauptrolle spielte Jürgen Vogel.

Das Gespann funktioniert auch in „Gnade“ wieder sehr gut, wobei die Österreicherin Birgit Minichmayr in der weiblichen Hauptrolle eine überzeugende Ergänzung darstellt. Worum geht es nun? Es geht um Schuld, Vergebung und Gnade, aber zunächst einfach nur um eine dreiköpfige deutsche Familie, die von Hamburg nach Hammerfest auswandert. Niels (Jürgen Vogel) hat dort weit jenseits des nördlichen Polarkreises, wo im Winter zwei Monate lang die Sonne nicht zu sehen ist, eine Anstellung in seinem Beruf als Ingenieur gefunden. Seine Frau Maria (Birgit Minichmayr), die in Norwegen in einem Hospiz arbeitet und Sohn Markus (Henry Stange) begleiten ihn.

Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel

Schon vor ihrer Abreise haben die drei ein alles andere als funktionierendes, kommunikatives oder gar liebevolles Verhältnis. Norwegen soll für die Familie eine neue Chance darstellen. In einem anderen Umfeld, mit einer neuen Sprache, extremen Klimaverhältnissen usw. Im Umgang miteinander ändert sich aber zunächst gar nichts, bis zu einem einschneidenden Ereignis, welches ihr Leben verändert, aber auch das Verhältnis der Familienmitglieder zueinander. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, da ich es selbst nicht mag, wenn ich die wichtigsten Geschehnisse im Film schon beim Platznehmen auf dem Kinositz kenne. Wenn Sie das anders sehen, finden Sie auf vielen Internetseiten die unterschiedlichsten Kritiken, die mir persönlich aber allesamt zu viel vorwegnehmen.

Gleiches gilt übrigens auch für den Trailer, den ich deshalb nicht unter diesem Text einfüge. Verraten kann ich aber guten Gewissens noch, dass „Gnade“ uns zwei unerwartete Wendungen präsentiert, die ich außerordentlich interessant finde. Unrealistisch sagen andere, aber ich glaube Glasner seine Geschichte, so wie er sie erzählt. Anmerken muss ich noch, dass das Drehbuch nicht von ihm, sondern vom Dänen Kim Fupz Aakeson stammt. Die Idee, die Geschichte aus Kopenhagen in die nordeuropäische Einsamkeit zu verlegen, finde ich ebenfalls gelungen. Kein Traumstrand, kein türkis-blaues Meer, nicht die am buntesten blühenden Pflanzen sind für mich so schön wie eine abwechslungsreiche Winterlandschaft. Berge, Schnee, Eis und Wasser. Besseres hat dieser Planet nicht zu bieten. Jakub Bejnarowicz, verantwortlich für die Cinematographie, wusste das teilweise vorzüglich zu nutzen. Er hat einen wichtigen Beitrag zu einem sehenswerten Film geleistet.

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From → Film + TV

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