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Oh Wunder, es wird ein Stein

28. September 2012

Der Meier hat keine Lust, also wird es der Brück. Sicherlich kein Stein vom Herzen gefallen sein dürfte heute der Kanzlerin. Peer Steinbrück ist von allen drei möglichen Kandidaten fraglos der gefährlichste für sie. Auf der anderen Seite ist der gebürtige Hamburger auch niemand, der für eine elementar andere Politik steht.

Vor der Bundestagswahl 1998 wurde immer wieder von einem Politikwechsel schwadroniert. Diese Strategie wird die SPD vielleicht auch im nächsten Jahr wieder intensiv anwenden (Sigmar Gabriel tat das bereits in der heutigen Pressekonferenz), glaubwürdig ist sie ganz sicher nicht. Peer Steinbrück mag oft ein paar klarere, strengere Worte Richtung Banken schleudern als Angela Merkel, insgesamt steht er eindeutig für ein „Weiter so“. Der SPD Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2013 verkörpert die Agenda 2010, Rentenabsenkung und ähnliches. Für Menschen in Deutschland, die auf eine merkbar andere Politik hofften, ist heute ein schlechter Tag.

Foto: Peer Steinbrück / Peter Schmelzle

Niemand hat es Sigmar Gabriel zugetraut, gegen Angela Merkel gut abzuschneiden. Also blieben nur Steinmeier und Steinbrück, da Hannelore Kraft immer wieder klar ablehnte, Nordrhein-Westfalen zu verlassen, um gegen Merkel anzutreten. Einerseits durchaus löblich und sympathisch, auf der anderen Seite sehr schade, denn diese Konstellation wäre wesentlich interessanter gewesen.  Steinbrücks mitunter schnodderige Art soll wohl Volksnähe vermitteln, Kraft hat diese. Sie hätte auch ein bisschen glaubhafter in Richtung Politikwechsel argumentieren können. Außerdem verfügt sie über die relativ souveräne Zustimmung des nach Einwohnern größten deutschen Bundeslandes. Das fällt (leider) alles weg.

Steinbrück ist im Gegensatz zu Kraft ein Wahlverlierer, so wie Steinmeier auch. Immerhin hat er zum letzten SPD-Kanzlerkandidaten den Vorteil, dass er sich als Kämpfer darstellen lassen kann. Außerdem gilt er als Finanzexperte und vermag es, Menschen mit ein paar cleveren Sätzen und Zahlenspielen zumindest eher zu beeindrucken als Steinmeier. Gut, Steinbrücks bekanntester Wahlhelfer ist 93 Jahre alt, aber immerhin hat er einen. Experte in Sachen eigener Finanzen ist Steinbrück ohne Zweifel. Mit überaus gut dotierten Vorträgen streicht er immer wieder beeindruckende Nebenverdienste ein.

Gestorben ist mit dem heutigen Tag endgültig die ohnehin schon sehr geringe Möglichkeit auf eine rot-rot-grüne Koalition. Diese Option ist schlichtweg mausetot. Sahra Wagenknecht von der Linkspartei nannte die Entscheidung der SPD einen Offenbarungseid, aber auch die SPD Linke war wenig begeistert. Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis sprach von einem befremdlichen Verfahren, Rudolf Dreßler fand bei Phoenix ebenfalls deutliche Worte. Er sagte, der Kandidat bestimme letzten Endes das Programm, aber eigentlich müsse zuerst das Programm feststehen.

Während die rot-rot-grüne Tür endgültig komplett zugefallen, abgesperrt und mehrfach gesichert ist, gibt es plötzlich die Option einer Ampel Koalition, die Wolfgang Kubicki sogleich ins Spiel brachte. Die SPD wird wohl kaum stärkste Partei im nächsten Jahr und trotz nach wie vor starker Umfrageergebnisse der Grünen, scheint rot-grün momentan auch sehr unwahrscheinlich. Sollte die FDP aber noch einmal die 5% Hürde meistern, so könnte rot-grün-gelb eine rechnerische Mehrheit erreichen. Natürlich ist das auch sehr von den Ergebnissen der Linkspartei, die nun gute Chancen hat in den nächsten Monaten wieder zuzulegen und den Piraten abhängig. Mit großem Abstand am wahrscheinlichsten ist und bleibt aber weiterhin die Neuauflage einer großen Koalition mit Angela Merkel an der Spitze.

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From → Film + TV, Politik

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