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Wir leben in einem Paradies!

25. September 2012

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich glaube, ich kann meinen Blog einstellen. Uli Hoeneß hat uns vorgestern Abend erklärt, dass alles in Ordnung ist. Warum sollte ich zweifeln? Ernsthaft: Ich brauchte fast den ganzen gestrigen Tag, um diesen Quatsch und das weitere sonntägliche Elend zu verdauen.  

„Wir leben in einem Paradies“ sagte Uli Hoeneß tatsächlich bei Günther Jauch, auf den ich ja schon in der letzten Woche eingegangen bin. Der Präsident des FC Bayern München äußerte dies mit betroffenem Gesichtsausdruck und meinte, die Leute wollten es nur nicht begreifen. Genau, endlich kommt einmal ein Millionär daher, der den ganzen Meckerköpfen die Wahrheit per Fernsehen in die Wohnzimmer posaunt. Darauf hatte ich wirklich noch gewartet. Ist doch einmal etwas ganz Neues, oder?

Die Zuschauer, die zu den Millionen Menschen gehören, die keine Arbeit haben oder nur im Niedriglohnsektor unterkommen, haben sich durch diese Worte vielleicht verhöhnt gefühlt, aber was interessiert´s den Uli? Natürlich ließ er sich auch noch dazu hinreißen, die übliche Geschichte von den in Scharen abwandernden Reichen zu erzählen, würde man eine Vermögenssteuer und ähnliches erheben.

Außerdem wurde der alte Clip (ist bei Youtube zu finden, verlinke ich aber absichtlich nicht) eingespielt, in dem der damalige Manager des FC Bayern Fans aufgrund ihrer Forderungen zurechtwies. Das wurde am Sonntag nochmals mit Applaus bedacht. Abenteuerlich, wenn man bedenkt, dass die von Hoeneß gelobten Logenbesitzer, denen er das Geld aus der Tasche zieht um gleichzeitig günstige Stehplatzpreise anbieten zu können, gar nicht ins Stadion kämen, gäbe es nicht Fans, die für eine anständige Stimmung sorgten.

Alles eine furchtbar traurige Veranstaltung vom großen Macher des deutschen Vereinsfußballs. Der neben Hoeneß sitzende Ede Stoiber machte die Sendung mit Pseudo-Weisheiten wie „Der Feind des Guten ist das Bessere“ noch unerträglicher. Da half es auch nicht, dass Katja Kipping, Hannelore Kraft und Bernd Siggelkow zwischenzeitlich auch einmal mehr oder weniger sinnvolle und berechtigte Sätze einwerfen durften.

Viele Menschen, denen es finanziell gut geht, begreifen eine Sache auch einfach nicht: Den finanziell schwächsten fünf oder zehn Millionen Menschen dieses Landes bringt es einen Dreck, dass es den oberen fünf bis zehn Millionen sehr gut geht und Deutschland im internationalen Vergleich anständig dasteht. Konfrontiert man Menschen wie Hoeneß dann mit Schicksalen von Kindern, die ohne Frühstück zur Schule gehen müssen und sonst vieles vermissen, was für andere selbstverständlich ist, dann finden diese das bedauernswert. Bereit an einer effektiven Lösung dieser Probleme mitzuarbeiten, sind sie aber trotzdem nicht. Das muss dann der böse Staat regeln, der aber bloß nicht die Steuern erhöhen sollte…

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2 Kommentare
  1. Arthur permalink

    Paradies ? Hier ? LoL !!!! Ich war da, ich weis wie das da aussieht !
    So ähnlich wie man sich hiermit suggerieren kann.

    In der scheinbaren Gegenwart sieht es mehr so

    Und das soll das Paradies sein, da möchte ich nicht wissen wie der Hönis mit seiner Frau klar kommt ! UND wir es immer noch schaffen , es uns als Solches verkaufen zu lassen ?

Trackbacks & Pingbacks

  1. 1 Jahr Ziegenhodensuppe « Ziegenhodensuppe           

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