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Zu wenig Geld trotz Arbeit: Pech gehabt!

22. September 2012

Es kommt nicht selten vor, dass in Deutschland über niedrige Löhne und Armutsrenten diskutiert wird. Der Mindestlohn, vom Staat gefördertes Lohndumping und all diese Dinge werden behandelt. Es gibt bei diesen Gesprächen allerdings vieles, was mich immer wieder sehr ärgert.

In den Sendungen und Diskussionsrunden wird uns immer wieder erklärt, wie wichtig doch eine gute Aus(bildung) ist. Da würde ich grundsätzlich nicht widersprechen, nur wird das meiner Meinung nach sehr übertrieben. Viel schlimmer ist aber, dass man im gleichen Atemzug schon fast eine Übereinkunft darüber erreicht hat, dass Menschen, die weder einen guten Schulabschluss noch eine Ausbildung haben, keinen anständig bezahlten Job erwarten dürfen. Auf die Spitze trieb es Marie-Christine Ostermann vom Bundesverband „Die Jungen Unternehmer – BJU“ vor einigen Wochen.

Frau Ostermann erzählt gern vom Osterhasen

Es war die erste Sendung von „Anne Will“ im September und die hat mich bis heute nicht losgelassen. Das Thema hieß „Ackern im Alter – wenn die Rente nicht reicht“ und wie so oft, sorgte Frau Ostermann für die typische neoliberale Propaganda. Geht´s den Unternehmern gut, ist das auch für alle anderen ganz toll. Sie kennen das Lied. Von solchen Leuten muss man einfach erwarten, dass sie Mindestlöhne für Teufelswerkzeug halten, aber Frau Ostermann ging noch einen Schritt weiter. Nach 45 Minuten wurde ein kurzer Beitrag eingespielt, in welchem es um eine 34-jährige Mutter ging, die Krankenschwester im ambulanten Dienst ist und bis zu 20 ältere Menschen täglich betreut.

Eine längere Lebensarbeitszeit als Lösung?

Diese junge, sympathische Frau macht ihren Job sehr gerne, hat aber schon jetzt Angst vor einer niedrigen Rente im Alter. Eigentlich müsste man alles daran setzen, einer solchen Frau einen besseren Lohn und damit auch später eine anständige Rente zu ermöglichen. Was war Frau Ostermanns Lösung? Die Frau müsse halt privat vorsorgen (was sie innerhalb ihrer sehr bescheidenden Möglichkeiten auch macht, ohne dass es sehr viel bringen wird). Zweitens müsse sie damit rechnen, länger zu arbeiten. Klar, einen solch physisch wie psychisch anstrengenden Job noch drei Jahrzehnte zu machen, scheint einem nüchtern ein bisschen fraglich, aber wenn´s nach Frau Ostermann geht, warum nicht bis zum 70. Lebensjahr?

Noch absurder war ein weiterer Vorschlag der Dame und der hieß Weiterbildung. Übersetzt sagte sie, dass diese Krankenschwester sich einfach irgendwann einen anderen, besser bezahlten Job suchen solle. Was für eine Absurdität. Da redet man von einem Beruf, in dem es sowieso schon einen Fachkräftemangel gibt, der sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren noch ansteigen wird. Direkt danach sagt man einer Person, die in diesem Bereich gerne arbeitet, dass sie selbst schuld sei, sich den falschen Beruf ausgesucht zu haben.

Keine anständige Bezahlung für schlecht ausgebildete Menschen 

Wie ich anfangs schon schrieb, scheint es bei vielen Menschen einen subtilen Konsens darüber zugeben, dass schlecht ausgebildete Menschen auch keine anständig bezahlten Jobs bekommen können. Warum? Wenn jemand 30+ Stunden in Deutschland arbeitet, hat er davon auch leben zu können und wenn ich leben schreibe, dann ist das mehr als überleben. So eine Person mag es schwieriger haben, überhaupt eine Arbeit zu finden, in Ordnung. Schafft sie es dennoch, was spielt es dann noch für eine Rolle, ob sie vielleicht nur einen Hauptschulabschluss hat und vielleicht auch keine Ausbildung machte?

Diesen traurigen Konsens stelle ich immer wieder fest, längst nicht nur in besagter Talkshow. Geht man dann den Schritt mit, den Frau Ostermann machte, verschlägt es mir die Sprache. Also bis zu dem Punkt, an welchem wir eine junge, anständig ausgebildete Dame für ihre Berufswahl kritisieren. Einen Beruf zu wählen, der gesellschaftlich unglaublich wichtig ist und den sie gerne macht: Ja, wie kann man nur? Am Ende will ich niemanden empfehlen, die komplette Sendung zu schauen, aber zwischen Minute 45 und 53 bekommt man schon Interessantes zu sehen:

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One Comment
  1. Party permalink

    mm

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