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NHL: Eine Liga macht Pause

17. September 2012

Bereits seit Monaten befürchteten und erwarteten viele, was am Wochenende bittere Realität wurde. Zum dritten Mal seit 1994 wird eine Saison der nordamerikanischen Profi-Eishockeyliga NHL nicht planmäßig beginnen.

Der Lockout, also die Aussperrung der Spieler seitens der Klubbesitzer, begründet sich im Versagen zwischen Liga und Spielergewerkschaft NHLPA, die sich auf keinen neuen Tarifvertrag einigen konnten. Wie lange sich das Theater dieses Mal hinziehen wird, weiß momentan niemand. 1994-1995 wurde immerhin noch eine verkürzte Saison mit 48 regulären Begegnungen plus Playoffs absolviert, zehn Jahre später dagegen gab es nicht einmal eine Minute NHL Eishockey.

Foto: GM Place (heute Rogers Arena) in Vancouver / Mr. Leung

Wenn sich Millionäre mit Milliardären um Geld streiten, kann man als neutraler Beobachter lächelnd mit dem Kopf schütteln. Als Fan eines der 30 Teams finde ich die aktuelle Situation allerdings eher peinlich als lustig. Die NBA hatte im vergangenen Jahr einen ähnlichen Disput, begann aber immerhin noch um Weihnachten herum mit einer verkürzten Saison. Damit könnten sich am Ende wahrscheinlich noch die meisten arrangieren, aber der Gedanke, dass zum zweiten Mal in weniger als zehn Jahren nicht um den Stanley Cup gespielt wird, ist schon mehr als traurig.

Ebenso traurig ist die Tatsache, dass die aktuelle Situation sich schon seit längerer Zeit ankündigte und dass man aktuell nicht einmal durchgehend verhandelt. Ob es noch eine Woche dauert, einen Monat oder ein Jahr: Irgendwann wird man eine Lösung präsentieren, mit der eigentlich auch schon heute jeder leben können würde. Eine unglaubliche Sturheit und Antipathien verhindern dies. Besonders amüsant ist übrigens, dass die Teambesitzer unter anderem eben genau jene langfristigen Mega-Verträge kritisieren, die sie selbst absegneten. Vor gerade etwas mehr als zwei Monaten unterschrieb der mittlerweile 28-jährige Stürmer Zach Parise beispielsweise einen 13-Jahres-Vertrag über 98 Millionen US-Dollar bei den Minnesota Wild. Irrsinn pur…

Am Ende gibt es nur Verlierer. NHL, NHLPA und die Fans, wobei letztere immerhin weniger Geld für ihr Hobby ausgeben. Ein weiblicher Fan der Montreal Canadiens rechnete mir vor ein paar Tagen vor, dass sie bereits etwa 2000 kanadische Dollar spart, wenn die Saison frühestens um Weihnachten beginnt. Am Ende werden die meisten allerdings wiederkommen. Das gilt natürlich ganz besonders für alle kanadischen Fans. Die Besitzer der traditionsreichen und wirtschaftlich erfolgreichen US-Teams müssen sich diesbezüglich auch keine großen Gedanken machen. Das Wissen diesbezüglich macht letzten Endes eine Einigung leider auch weniger dringlich.

Grundsätzlich muss man an dieser Stelle zusätzlich festhalten, dass der nordamerikanische Sportfan anders „tickt“ als der durchschnittliche Europäer, der Wochenende für Wochenende ins Stadion pilgert oder zumindest jedes Spiel der eigenen Lieblingsmannschaft live im Fernsehen verfolgt. Darauf einzugehen, das würde den Rahmen des Artikels sprengen, aber stellen Sie sich vor, in der Premier League, Primera División, Serie A oder der Bundesliga würde momentan ähnlicher Unsinn veranstaltet. Es ist unvorstellbar? Das sehe ich auch so.

Foto: Evgeni Malkin / Michael Miller

Gewinner dagegen könnte es aber auch einige im Eishockey geben und  zwar in den europäischen Ligen. Die Kontinental Hockey League (KHL), deren meisten Vereine in Russland beheimatet sind, hat sich zwar darauf beschränkt, nur maximal drei NHL Spieler (darunter nur ein Ausländer) mit  gültigen Verträgen zu verpflichten, aber diese mit Abstand zweitstärkste Liga der Welt, hat schon einige zumindest temporäre Neuzugänge zu verzeichnen. Der russische Superstar Evgeni Malkin und sein Landsmann Sergei Gonchar unterzeichneten bei Metallurg Magnitogorsk, die Tschechen Jaromír Jágr, Tomáš Plekanec und Jiří Tlustý könnten schon ab Mittwoch für Kladno auf Punktejagd gehen und weitere Akteure werden folgen.

In der Schweiz freut man sich über einige einheimische Spieler, die zumindest vorübergehend aus der NHL zurückkehren, aber beispielsweise ebenso über San José Center Joe Thornton, der für den HC Davos die Schlittschuhe schnüren soll, wie vielleicht bald auch Rick Nash von den New York Rangers. Und was ist mit der DEL? Die deutsche Eishockeyliga wird auch nicht leer ausgehen. Christian Ehrhoff von den Buffalo Sabres steht kurz vor einer Rückkehr nach Krefeld, die Mannheimer Adler liebäugeln gleich mit Jochen Hecht, Dennis Seidenberg und Marcel Goc. Irgendetwas sagt mir außerdem, dass auch der amtierende Meister Eisbären Berlin, mit sehr guten Verbindungen nach Nordamerika, nicht lange tatenlos zusehen wird.

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From → Sport

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