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Weltmeisterliche Zahlen?

11. September 2012

Oft wird uns das Lied vom Export-Weltmeister Deutschland vorgesungen. Besonders von Seiten der Regierungsparteien im Bundestag wird uns erzählt, wie toll und beeindruckend dieses Land im internationalen Vergleich dastehe. Auch heute konnte man sich das wieder anhören.

Ich habe nicht viel von der heutigen Sitzung des Bundestages gesehen, aber beispielsweise wie Hinterbänkler Bartholomäus Kalb von der CSU auch wieder in dieses Lied einstimmte. Es ist selbstverständlich, dass man sich selbst möglichst gut darstellen will. Wenn aber gleichzeitig dabei Wähler und Wählerinnen immer wieder mit oberflächlichen Zahlen geblendet und im Endeffekt schlichtweg verarscht werden, dann kann ich das nicht akzeptieren.

Bartholomäus Kalb

Die Hauptgründe dafür, dass Deutschland im Vergleich zu vielen europäischen Ländern noch sehr gut dasteht, liegen auf der Hand. Es wird immer so getan, als ob man hier besonders fleißig und kreativ ist, während andere faul in der Sonne rumhängen. Nun ist es aber auch nicht leicht für viele andere Länder auf die Beine zu kommen, wenn man ihnen ein Spardiktat auferlegt, aber lassen wir das einmal beiseite. Die Exportstärke Deutschlands richtet effektiv in anderen Ländern Schäden an und wenn man ersteres lobt, warum lässt man dann den Binnenmarkt eigentlich immer unter den Tisch fallen?

Am lustigsten ist es aber noch, wenn man sich über die tollen Arbeitsmarktzahlen gegenseitig die Eier schaukelt. Die Leute, die man alle aus verschiedenen Gründen aus der Statistik heraus nimmt, weil sie ein gewisses Alter überschritten haben oder in einer Maßnahme stecken? Nicht weiter wichtig. Was aber noch viel schlimmer ist: Diese Zahlen, wie auch die Exportbilanz, basieren auf einem immer größer werdenden Niedriglohnsektor. Man kann das gar nicht oft genug klarstellen, weil viele Medien die „Fake“ – Zahlen unkommentiert wiedergeben.

Gestern hat das Statistische Bundesamt ein paar neue, interessante Fakten vorgelegt. Die wichtigste und traurigste Zahl zugleich, ist die 20,6. Ja, in der Tat waren bereits 2010 unglaubliche 20,6% der Beschäftigten in Deutschland im Niedriglohnsektor tätig. Mehr als jeder Fünfte! Wer auf dem Rücken dieser Leute sich mit blödsinnigen und oberflächlichen Statistiken auch noch feiern lässt, verhält sich zutiefst widerwärtig. Leuten wie Bartholomäus Kalb oder auch Gerhard Schröder, der sich in letzter Zeit immer wieder gern für die Agenda 2010 loben ließ, sind diese Menschen allerdings schlichtweg scheißegal.

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From → Allgemein, Politik

3 Kommentare
  1. Wichtig wäre es – ungemein wichtig -, dass diese 20,6 Prozent endlich einmal laut werden! Sie müssen protestieren, schreien, wenn wieder einmal behauptet wird, Deutschland ginge es gut. Vielen Menschen, sehr vielen Menschen geht es eben nicht gut. Sie sind dasKanonenfutter für den Satz „Deutschland geht es gut“.

    • Völlig richtig, aber leidet fehlt es an Solidarität. Man kümmert sich um sich selbst (z.B. ergänzt man das schlechte Einkommen durch etwas Schwarzarbeit) und das war es dann. Mich ärgert das (auch) sehr.

  2. Das braucht ja nicht mal Solidarität! Jeder, der weniger als 2000 Euro verdient, CDU oder FDP wählt und nicht laut schreit auf der Strasse, gehört doch schon wegen seiner eigenen Interessenlage wegen Dummheit enteignet!

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