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Eine neue Doku über Hillsborough

10. September 2012

Die BBC zeigte am gestrigen Abend eine Dokumentation mit dem Titel „Hillsborough – Searching for the truth“, welche allerdings traurigerweise nicht landesweit ausgestrahlt wurde. Die Tragödie im April 1989, die 96 Menschen im Rahmen des FA Cup Spiels zwischen Liverpool FC und Nottingham Forest in Sheffield das Leben kostete, ist bis heute immer noch nicht öffentlich aufgeklärt und immer noch wurde niemand zur Rechenschaft gezogen.

Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere daran, dass ich vorläufig nichts über Liverpool FC schreiben wollte. Dabei bleibt es auch, was den Zustand des Vereins und die Situation der Mannschaft im Jahr 2012 angeht. Hillsborough allerdings ist eine ganz andere Sache, eine, die weit über den Club hinausgeht und auch über den Fußball. Den 96 Toten, hunderten Verletzten und tausenden Freunden sowie Verwandten der Opfer hat man bis heute eine vollständige Aufklärung des Desasters verwehrt. Eigentlich wartet fast die ganze Stadt Liverpool bis heute darauf, aber auch Fans des Vereins und anderer Clubs weltweit.

(Liverpool Memorial)

Ich möchte die ganze Geschichte an dieser Stelle nicht noch einmal nacherzählen. Schon in den ersten etwas mehr als fünf Minuten der Dokumentation wird erklärt, was passiert war und der gröbste Fehler, der zu diesem Unglück führte, wird deutlich gemacht. Wer sich hierfür interessiert, sollte sich die 29 Minuten für diesen Film Zeit nehmen (ansonsten ist aber auch der englische Wikipedia-Eintrag eine anständige Quelle). Ich muss allerdings zugeben, dass ich über eine Stunde gebraucht habe, da ich den Clip mehrmals stoppte. Nichts fällt mir persönlich so schwer und nichts macht mich so traurig, wie über Hillsborough zu lesen oder Berichte mir anzuschauen.

Man muss sich nur einmal ansehen, wie jung viele der Opfer an diesem Tag waren. Fitte, gesunde, junge Menschen, die innerhalb weniger Minuten aus dem Leben gerissen wurden, ohne etwas falsch gemacht zu haben. Sie wollten einfach nur ein Fußballspiel sehen und ihren Lieblingsverein im Stadion unterstützen, so wie es Millionen auf diesem Planeten Wochenende um Wochenende machen. Sie fuhren zu einem Fußballstadion und kamen nie wieder. Zurück blieben ihre Mütter, Väter, Geschwister, Freunde und Bekannte, ohne jemals Zeugen einer anständigen Erklärung, Aufarbeitung und Bestrafung der Schuldigen wie David Duckenfield, damals Chief Superintendent der South Yorkshire Police, zu werden.

Vielleicht hat das Warten bezüglich der wichtigen ersten Punkte übermorgen endlich ein Ende, nach fast 23,5 Jahren. Eine Expertengruppe hat 20 Monate damit verbracht, hunderttausende interne Dokumente über diese Tragödie auszuwerten. Am Mittwoch werden die Ergebnisse offengelegt. All die Jahre der Lügen, der Verschleierung und des Betrugs von offizieller Seite wird das aber nicht annähernd vergessen machen, genauso wenig wie die Berichterstattung der Sun. Es gibt unzählige traurige Geschichten, über die ich in diesem Zusammenhang noch schreiben könnte. Im Februar letzten Jahres beendete beispielsweise der 50-jährige Stephen Whittle mit einem Suizid sein Leben. Er war nicht der erste.

Whittle hatte am 14.4.1989 seine Karte für das FA Cup Halbfinale im Hillsborough Stadion zu Sheffield einem Freund verkauft. Dieser befand sich später unter den Todesopfern. Stephen Whittle gab sich selbst zumindest einen Teil der Schuld am Tod seines Freundes und konnte diese Last und seine Depressionen über zwei Jahrzehnte nach dem verheerenden Tag nicht mehr ertragen. Um zurück auf die Dokumentation zu kommen, hier gibt es wenigstens auch eine positive Geschichte und zwar die des heutigen BBC Reporters Mark Edwardson, dem ein anderer Liverpool Fan in der Leppings Lane wohl das Leben rettete.

Justice for the 96

Vielleicht auch von Interesse: – Hillsborough, der FA Cup und Uwe Morawe

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