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Günther Jauch mental noch in der Sommerpause

20. August 2012

„Her mit euren Millionen – drücken sich die Reichen?“ lautete das Thema Günther Jauchs gestriger Talkshow, der ersten nach der Sommerpause. Wieder einmal waren es 60 verschwendete Fernsehminuten. Absehbar, aber dennoch ärgerlich.

Warum ärgert man sich über etwas, von dem man von Anfang an nichts erwartet? Ganz einfach, weil auch gestern wieder über drei Millionen Zuschauer bei dieser Sendung zusahen. Los ging es mit der Frage von Jauch an FDP Mann Wolfgang Kubicki, ab wann jemand reich sei. Natürlich drückte sich dieser um eine ernsthafte Antwort und sagte, er glaube nicht, dass der Staat festlegen könne, wann man reich sei und wie viel Leute verdienen sollen. Katja Kipping von der Linkspartei vertrat daraufhin die Meinung, dass man beispielsweise das Vierzigfache der Armutsrisikogrenze nehmen könnte. Meiner Meinung schon sehr hoch gegriffen, aber wenigstens eine konkrete Aussage.

Anstatt diesen Gedanken direkt weiterzuverfolgen, wurde erst einmal das Thema gewechselt und es ging anschließend um den Einkauf von Steuer CDs und um das Steuerabkommen mit der Schweiz. Interessant und wichtig wäre es, doch endlich einmal ernsthaft darüber zu sprechen, wie armselig, unnötig und unmoralisch es ist, dass Menschen in diesem Land sechs, sieben oder gar achtstellige Summen im Jahr verdienen/ zur Verfügung haben, während Millionen anderer gar nichts verdienen oder mit Hungerlöhnen abgespeist werden, die für sie bedeuten, mit kaum mehr, teilweise sogar weniger als 1000 Euro im Monat auskommen zu müssen.

Nichts anderes als ein skandalöser Zustand, mit dem Menschen wie Kubicki und der ebenfalls anwesende unerträgliche Unternehmer Thomas Stelter offensichtlich nicht das geringste Problem haben. Von diesen Personen kommen immer wieder die gleichen lächerlichen Argumente für die Verschonung von Reichtum. Stelter sagte beispielsweise, dass die reichsten 10% über 50% der Einkommenssteuer zahlen. Herzlichen Glückwunsch auch, ich bin beeindruckt. Warum ist das denn bitte so? Weil deren Steuerbelastung so hoch unglaublich hoch ist? Vielleicht kommen diese Zahlen auch gerade dadurch zustande, dass ein nicht geringer Teil davon astronomische Löhne und Gehälter kassiert und auf der anderen Seite Millionen Menschen in diesem Land z.B. gar keine Gelegenheit haben, eine Einkommenssteuer zu zahlen oder eine äußerst geringe entrichten, weil sie viel zu wenig oder gar nichts verdienen. Das ignoriert man aber natürlich lieber vollständig.

Da kommen wir noch drauf, sagte der gelangweilte Jauch mehrmals und fand nie einen Weg in eine wirklich interessante Diskussion. Stattdessen konfrontierte er lieber Katja Kipping mit dem absurden Begriff des Sozialneids. In einer Gesellschaft wie der unsrigen, die sich durch eine immer weiter wachsende soziale Ungerechtigkeit auszeichnet, schlichtweg eine Frechheit. Auch irgendwie albern, wenn jemand dessen gesamtes Jahresgehalt zumindest dem zweistelligen Millionenbereich sehr nahe kommen sollte, dieses Wort in den Mund nimmt. Mit einem Begriff wie Sozialneid impliziert man, dass die aktuellen Verhältnisse schon mehr oder weniger ganz in Ordnung sind. Man muss nicht selbst betroffen sein, man muss nicht einmal besonders sozial eingestellt sein, um darüber nur mit dem Kopf schütteln zu können. Logisches Denken und ein nüchternes Analysen und Vergleichen von Zahlen wäre hier bereits ausreichend.

Wie immer verteidigen wohlhabende und reiche Menschen den Status Quo. Ihnen geht´s ja auch gut, warum sollen sie eine Veränderung wollen? Wenn sie einfach ehrlich wären und sagten: „Wir interessieren uns nicht für Gerechtigkeit, Arbeitslose und Geringverdiener gehen uns am Arsch vorbei. Wir wollen unseren Reichtum maximieren, koste es was es wolle“, dann hätte ich sogar noch ein wenig mehr Respekt vor ihnen, weil es wenigstens ehrlich wäre. Natürlich passiert das aber nicht. Es wird sich immer wieder mit den gleichen Scheinargumenten heraus gewunden. Eine Reichensteuer brächte ja wegen des hohen Aufwandes gar nichts, heißt es. Die Lösung an dieser Stelle könnte sein, intelligente Maßnahmen zu finden, um diesen Aufwand nach Möglichkeit zu minimieren. Für Betroffene heißt die Lösung aber: „Bitte gar nicht erst einführen, weil wir schon genug zahlen und der Aufwand…“

Es ist ja schön, dass mittlerweile in Deutschland auch jenseits der Linkspartei ernsthaft darüber nachgedacht wird, wie man Staatseinnahmen steigern kann, anstatt immer nur bei denen zu sparen, die bisher schon nicht auf Rosen gebettet sind. Wenn man das aber wirklich angehen will, dann muss man Leute wie Kubicki und Stelter entlarven, ihnen Fakten um die Ohren hauen und mit den teils sehr krass unterschiedlichen Lebensumständen konfrontieren. Selbst wenn das bei diesen nichts bringt, kann man vielleicht andere Personen endlich wachrütteln.

Ich könnte noch viel zu diesem Thema und der gestrigen Sendung schreiben. Beispielsweise über die von Kubicki zur Schau getragene Arroganz eines Besserverdienenden, der letzten Endes höhnisch allen Menschen ins Gesicht lacht, die ihren Lebensunterhalt nur durch ein prekäres Arbeitsverhältnis bestreiten können, aber am Ende nur noch eine Sache: Wann wird in solchen Sendungen endlich einmal diskutiert, dass Unternehmen für die Schaffung von anständigen Jobs, von denen Menschen wirklich leben können, steuerlich belohnt werden, während Unternehmen, die ihre Gewinne durch Entlassungen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse steigern, steuerlich abgestraft werden müssten?  Da kommen wir sicher auch noch drauf, oder Herr Jauch?

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3 Kommentare
  1. Ich habe es mir gespart; wusste, dass ich mich ärgen würde. Jauch ist ein TV-Krebsschaden, in politischen Themen zweimal. Danke für den Bericht, so ähnlich hatte ich mir das vorgestellt.

    • Gern geschehen. Ich hoffe, ich mache nächsten Sonntag zu der Zeit auch etwas anderes, aber das Barca Spiel war ja um 21.45 Uhr praktisch entschieden…

      Schlimmer war ansonsten nur noch Jauchs „Interview“ damals mit Merkel. Bei „Wer wird Millionär?“ macht er wirklich einen recht guten Job. Als Moderator seiner eigenen Talkshow ist er allerdings nicht zu gebrauchen und dass er immer noch (auch) als Journalist bezeichnet wird, ist nur noch lächerlich.

  2. Nach der Installation von Günther Jauch bei der ARD, scheint die Sommerpause ein intellektueller Dauerzustand.

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