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Faulheit, Geiz und Ignoranz gegen die Moral

14. August 2012

Gestern Abend ließ ich mich kurz in eine Diskussion verwickeln. Manchmal sollte man es einfach vermeiden, wenn man von Beginn an merkt, dass es nichts bringt. Auslöser war der in der ARD ausgestrahlte NDR-Film „Der Preis der Blue-Jeans„. 

Eine Dame, die sich ökosozialer Kleidung verschrieben hat, äußerte auf Twitter: „Es machen sich nicht nur die, die Jeans produzieren lassen, schuldig. Auch die, die sie tragen. Sie kennen die Produktionsbedingungen„. Ich habe zugestimmt, woraufhin eine andere Frau meinte, dass die meisten Menschen, die eine Hose kaufen, gar nichts über die Textilindustrie wissen. Ich weiß auch nicht viel, aber jedem muss klar sein, dass eine Hose, die in Deutschland für 9,99 € verkauft wird, nicht unter anständigen Bedingungen produziert werden kann. Daraufhin bekam ich die Antwort, dass aber auch Jeans für über 100 Euro unter ähnlichen Bedingungen entstehen.

Was soll man darauf noch antworten? Natürlich ist das so, aber wenn man sich eine Jeans für über 100 Euro leisten kann, dann kann man sich vielleicht auch ein paar Minuten Zeit nehmen und im Internet schauen, wo man Hosen, die zu sozial und ökologisch fairen Bedingungen produziert worden sind, kaufen kann. Heutzutage gibt es schon einige solcher Alternativen. Ich will hier keine Werbung machen, aber die Internetsuchmaschine Ihres Vertrauens hilft bei diesem Thema gern. Es ist ein bisschen wie bei der Wiesenhof-Geschichte. Jeder muss selbst wissen, was er verantworten kann und womit er Probleme hat und womit nicht, aber jeder hat auch eine Wahl und gedankenlos bei kik für 9.99 € eine Hose oder bei H&M für 14.99 € eine Bluse/ein Hemd zu kaufen, ist wirklich keine gute.

Natürlich gibt es auch den Kostenfaktor, das weiß ich sehr gut. Im Fall akutem Geldmangels bleibt einem vielleicht manchmal einfach nichts anderes übrig, als auf Billigprodukte zurückzugreifen. Man kann sich aber auch genau überlegen, ob man jetzt wirklich das neue Kleidungsstück braucht und ob man nicht doch noch ein, zwei Monate warten kann, um dann etwas besseres kaufen zu können. Ich will auch nicht wissen, wie viel kaum getragene Kleidungsstücke in deutschen Schränken rumhängen und liegen. Mal eben so 3 T-Shirts für 10 Euro in den Einkaufswagen zu werfen, nur weil diese so billig sind und obwohl man sie eigentlich nicht wirklich braucht, ist definitiv nicht so clever, wie es einem in dem Moment vielleicht vorkommt. Wie immer man auch handelt, Dokumentationen wie diese sollte sich wenigstens jeder einmal ansehen, denke ich:

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From → Allgemein, Kultur, Politik

4 Kommentare
  1. Ich habe diesen Film schon vor einer Weile gesehen. Und ich war dort, wo „stone washed“ Jeans hergestellt wurden. Das vergisst man nicht mehr! In Deutschland glaubt die Meehrheit tatsächlich immer noch, dass da ein paar Jeans und Steine zusammen in die Waschmaschine geworfen werden. Die bittere Realität ist unvergleichlich brutaler.

    Ich habe schon eine ganze Reihe Menschen dazu gebracht, sich keine „kaputte“ Jeans mehr zu kaufen. Das Thema braucht mehr Verbreitung.

    • Das wusste ich bis zu diesem Film (auch) nicht. Ich finde traurig genug, dass europäische und amerikanische Unternehmen in Asien zu Hungerlöhnen produzieren lassen. Wenn dort auch noch die Natur geschädigt wird und die Gesundheit der Arbeiter, dann ist nicht mehr „nur“ unmoralisch, sondern einfach kriminell.

  2. ,,, „dann ist nicht mehr “nur” unmoralisch, sondern einfach kriminell“, aber vollkommen marktlogisch richtig.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Es klebt Blut an Ihren Händen | Ziegenhodensuppe           

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