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Herr Sommerferien

9. Juli 2012

Gestern habe ich mir mal eine Blog-Pause gegönnt, aber anstrengend war der Tag trotzdem. Angefangen bei ein bisschen zu wenig Schlaf, über eine Zugfahrt, bis zu einer Geburtstagsfeier.

Die Zugfahrt hätte ganz okay werden können, wenn der mir gegenüber sitzende Fahrgast nicht eingeschlafen wäre und so mit seinen Beinen den meinigen sehr nahe kam. Da ich auf eine Berührung keinen Wert legte, musste ich mich etwas schief hinsetzen. Einen praktischen, ausklappbaren Tisch gab es leider auch nicht und so konnte ich nicht einmal schreiben. Es war eben kein Schweizer Zug, sondern ein alter Interregio-Wagon. Freude brachte mir eine Mitfahrerin, die in Münster zustieg. Wild winkend und mit den verschiedensten albernen Gesten verabschiedete sie ihren vor dem Fenster stehenden Freund, dem das etwas peinlich war.

Ähnliches galt wohl auch für die beiden (abgesehen von mir) anderen Personen im Abteil. Sie schauten angestrengt zur Seite. Ich nicht. Ich grinste dämlich vor mich hin. Dieses Grinsen beinhaltete natürlich eine Botschaft. Wenn du dickes Vieh hier schon mit deinem riesigen Koffer einsteigen musst und deinen Freud wie eine 14-jährige (sie war bestimmt 10 Jahre älter) verabschiedest, dann lasse ich dich wenigstens wissen, wie bescheuert ich das finde. Das verstand sie natürlich nicht. Im Anschluss widmete ich mich dann schief sitzend einem Buch.

Dieses Buch, welches ich gerade lese, heißt „Chill mal, Frau Freitag“. Frau Freitag hat einen meistens sehr lesenswerten Blog und zwar diesen hier. Auf sie gekommen bin ich durch den Blog von Frl. Krise. Beide sind Lehrerinnen, die unterhaltsam über ihren Schulalltag schreiben und nicht nur mir damit oft Freude bereiten. Das dürfte daran liegen, dass sie stets sehr lustige Geschichten zu erzählen haben. Nicht selten ärgert man sich oder zumindest ich mich beim Lesen eines Beitrags darüber, nicht Lehrer geworden zu sein, ehe ich nach der Lektüre des nächsten darüber wieder heilfroh bin.

Andererseits hätte ich natürlich dann auch noch viel öfter authentische Geschichten zu erzählen und „müsste“ nicht so oft über Politik, Sport und Co. schreiben. Ich habe mir überlegt, wie mein Blog dann wohl hieße. Vielleicht „Herr Sommerferien“, weil ich mich auf diese wahrscheinlich am meisten freuen würde. Eventuell aber auch „Herr Forder“ oder „Herr Enhäuser“, weil ich spätestens am Freitagnachmittag den Stress der Woche erst einmal mit ordentlich viel Bier abschütteln würde. Möglicherweise käme über das ganze Wochenende auch ´ne Flasche Bourbon hinzu.

Ich glaube aber, ich wäre kein guter Lehrer. Leuten etwas beizubringen, ist zwar eine mehr als sinnvolle Sache, aber wenn die gar keinen Bock darauf haben? Wie sollte ich junge Menschen davon überzeugen, dass sie ihre Hausaufgaben zu machen haben? Hatte ich doch selbst nie Lust zu. Mit Schimpfwörtern habe ich auch kein Problem. Jemanden ermahnen, weil er „Arsch“, „Scheiße“ oder „Hurensohn“ sagt? Nein, da käme ich mir etwas verlogen vor. Wenn ich Sport schaue, fallen schlimmere Begriffe. Und dann die Noten geben? Könnte ich wirklich einen Schüler oder eine Schülerin durchfallen lassen, der/die unbedingt noch einen Punkt braucht, welcher aber eigentlich nicht verdient wäre? Eher nicht.

Auf der anderen Seite würde mir momentan ein Lehrergehalt sehr gut zu Gesicht stehen. Wenn ich dann wiederum daran denke, vor mehr als 20 jungen Menschen zu stehen, von denen einige eventuell sogar mit der deutschen Sprache schon große Probleme haben? Nee, lieber doch nicht. So schreiben sich die Beiträge hier leider nicht von selbst, aber ich kann mich immerhin ohne Gewissensbisse allen möglichen Themen widmen, ohne dass jemand meckert. Vielleicht habe ich schon morgen wieder einmal einen guten Film zu empfehlen oder werfe ein paar philosophisch-existentielle Fragen auf…

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From → Allgemein, Kultur

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