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Schon wieder Spanien

2. Juli 2012

Ja und das ist auch gut so, finde ich. Es war ein sehr ansehnliches Finale, am Ende gewann die beste Mannschaft des Turniers und in Deutschland kann man jetzt nicht erzählen, dass nur ein kleines bisschen zum Titel gefehlt hat.

Ich gratuliere Spanien und freue mich über das deutliche 4-0 im Finale gegen Italien. So muss heute jeder einsehen, dass die beste Mannschaft Europas den Titel berechtigterweise gewonnen hat und langweilig war das Endspiel nun auch gar nicht. Ein paar schöne Fotos gibt es hier. Richtig interessieren würde mich, was wohl all die Pseude-Experten heute sagen, die vor dem Finale plötzlich Italien zum leichten Favoriten erklärten und das waren eine Menge. Besonders in Deutschland, angefangen bei ZDF Kommentatoren-Nervensäge Béla Réthy.

Vor vier Wochen hätte man noch jeden ausgelacht, der in einem Duell gegen Italien nicht Spanien als Favorit betitelt hätte. Nach dem Halbfinale war das aber auf einmal kein Problem mehr. Natürlich hatte Italien gut gespielt und Spanien brauchte ein Elfmeterschießen gegen Portugal, um das Endspiel zu erreichen, aber so schnell ändern sich doch trotzdem nicht alle Vorzeichen. Man hatte wirklich den Eindruck, dass Pirlo, Montolivo und de Rossi über Nacht zu besseren Fußballern als Xavi, Xabi und Andrés Iniesta geworden wären. Absoluter Quatsch natürlich.

Sicherlich spielte aus Deutschland bei diesen merkwürdigen Einschätzungen auch die Hoffnung mit, man habe wenigstens gegen die beste Mannschaft verloren. Hat man nicht und das mag für einige schwer zu akzeptieren sein, aber eigentlich wusste man das schon zuvor. Wie gut Spanien ist, wenn etwas mehr Tempo ins Spiel kommt und der Gegner nicht nur ultra-defensiv agiert, hat man dann gestern gesehen. Italien gebührt insgesamt aber auch ein Kompliment. Ich kann mich an keine italienische Nationalmannschaft erinnern, die ich so wenig unsympathisch fand.

Die Zeiten scheinen vorbei, in denen die Italiener die schmierigsten Spieler, die größten Schauspieler hatten und trotz talentierter Akteure mit gnadenlosem Defensivfußball den neutralen Zuschauer zum Gähnen brachte. Trainer Cesare Prandelli verdient hier ein großes Lob. Eine über Jahrzehnte erfolgreiche Spielweise abzulegen und anachronistisch auf zwei Stürmer zu setzen, verlangt schon Mut. Ich hoffe, dass er in Italien viel mehr Komplimente für das gesamte Turnier bekommt, als er sich Kritik für das Endspiel anhören muss.

Und wie sieht´s mit Spaniens Zukunft aus, ist jetzt Schluss? Zweimal Europameister und einmal Weltmeister in vier Jahren, was zuvor noch keiner Nationen gelungen war, muss doch reichen. Ich glaube nicht. Sollte es kein Unglück geben und die Welt nicht untergehen, wird Spanien auch in zwei Jahren als Topfavorit zu WM fahren. Von den Leistungsträgern dürfte dann höchstens Xavi über sein Zenit hinaus sein, vielleicht noch Xabi Alonso. Dafür haben die zahlreichen Spieler, die jetzt 25 Jahre alt oder jünger sind, noch Verbesserungspotenzial.

Mit Alba, Busquets, Fabregas, Mata und Pedro sind das fünf ohnehin schon extrem gute.  Es kommen aber auch natürlich weitere beeindruckende, junge Talente nach. Ich denke da zum Beispiel an den erst 19-jährigen Iker Muniain aus Bilbao. Spanien wird wohl nicht die nächsten drei großen Turniere auch allesamt gewinnen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts noch mindestens ein Titel hinzukommt, ist alles andere als gering.

Zum Schluss muss ich noch einmal die insgesamt äußerst schlechte Berichterstattung von ARD und ZDF kritisieren. Oberflächliche Analysen, Kommentator-Plattitüden, falsch ausgesprochene Namen und unzählige weitere Fehler. Versuchte man lustig zu sein, ging das auch meistens in die Hose:

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From → Sport

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