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Der dreifache Mario

29. Juni 2012

Ich kann nicht anders, es tut mir leid. Ich habe durchaus ein ambivalentes Verhältnis zur Schadenfreude, aber heute kann ich mir ein fettes Grinsen nicht verkneifen.  Wenn ich an all die Party-Fans, Eventis, Pseudo-Fußball Interessierten und die schlechten Verlierer denke, so war das doch ein sehr gutes Fußball-Ergebnis gestern Abend. Zweimal Balotelli und auf der politischen Bühne legte der andere Mario, also Monti, anschließend gegen Angela Merkel noch einen drauf.

Wie sich unter die typisch anti-italienischen Stimmen gestern im Internet auch noch eine ordentlich Portion Rassismus bezüglich des schwarzen Stürmers Balotelli schob, war auch nicht weiter überraschend, was die Sache nicht minder traurig macht. Allenthalben wird heute beispielsweise auch berichtet, wie Tagesthemen Moderator Ingo Zamperoni vielfach angegangen wird, weil der in der Halbzeitpause etwas zu gut gelaunt war, hier unter anderem nachzulesen.

Sehr lustig ist auch heute ein Blick in die Boulevardzeitungen von gestern: Bildblog. Von Krawallen in mehreren deutschen Städten ist natürlich ebenfalls wieder einmal die Rede. Jaja, der neue, ach so unverkrampfte Patriotismus in Deutschland. Plötzlich verliert das DFB Team und von diesem ist vielerorts nicht mehr allzu viel zu sehen. Ein halbwegs anständiger Sieger zu sein, ist am Ende doch auch einfacher als ein guter Verlierer.

Schwierig ist natürlich für viele Fußball-Laien diese Niederlage hinzunehmen, wurde doch seit Wochen in diesem Land propagiert, dass man die geilste Mannschaft habe und man am Ende auch endlich die Spanier schlagen würde. Gegen die dann nicht einmal spielen zu dürfen, das muss schon hart sein. Sätze wie „Die Italiener waren schon bei der Nationalhymne leidenschaftlicher“ (Axel Kruse) helfen bei der Analyse übrigens nicht gerade weiter.

Außerdem ein absoluter Witz nun den Kopf des Bundestrainers zu fordern. Er lag gestern bezüglich mindestens zwei Personalien/taktischen Maßnahmen daneben, aber das passiert jedem Trainer ab und zu. England beispielsweise kann von einem Trainer wie Löw nur träumen. Vielleicht sollte man erst einmal begreifen, was für ein enormer Qualitätsunterschied zwischen Gegnern wie Griechenland und Italien liegt. Guter Offensiv-Fußball gegen die einen, ist nicht viel wert, wenn man anschließend gegen die anderen verliert.

Man kann von Boulevardmedien nichts anderes erwarten, aber dieses grenzenlose Abfeiern bei Siegen, gefolgt vom blinden Draufhauen bei Niederlagen, finde ich so furchtbar armselig. Ob es eigentlich in Holland heute wohl Schadenfreude gibt? Sicher, aber am Ende denkt man sich dort trotzdem immer noch: Alles Käse.

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From → Politik, Sport

7 Kommentare
  1. Ich kann mich den Text nur nachdrücklich anschliessen. Wenn man seit mehr als anderthalb Jahrzehnten keinen Titel mehr gewonnen hat, ist die überzogene Abfeierei einfach nicht gerechtfertigt.

    SEHR gegen den Strich ist mir die Reaktion aufdie sehr sympathische TV-Absage von Ingo Zamperoni gegangen. Ich habe nur deswegen nicht darüber geschrieben, weil es ein böser antideutscherText geworden wäre.

    Wer nicht in der Lage ist, gerade solche Sachen schmunzelnd-relaxed zu nehmen, kann sich die Party-Stimmung ganz grundsätzlich getrost sparen.

    Danke für diesen Text, der ist richtig gut und trifft die Sache zu 100 Prozent.

    • Danke, freut mich. Sehr gut am Sieg Italiens war außerdem noch, dass so die politischen Geschehnisse des Freitagabends nicht noch mehr unter den Tisch gefallen sind. Wünsche heute Abend viel Spaß beim Finale!

  2. Muchas gracias, ich bezweifle den „Spass“, weil ich mit Tiki-Takanaccio nichts anfangen kann, aber wir werden es so oder so in Würde hinter uns bringen.

  3. Eins der ganz wenigen ansehnlichen Spiele bei dieser EM, sí.

  4. Danke für den Hinweis auf Deinen Text ! Er bestätigt mich in meiner Wahrnehmung des latent offenen Rassismus, der sich bei Fussballspielen immer wieder zeigt. Ja, es ist schade, dass WIR raus sind, stimmt, und es stimmt auch, dass ein halbwegs anständiger Verlierer zu sein, mehr Größe einfordert als ein strahlender Sieger.

    • Sorry, dass der Kommentar so spät freigegeben wurde. Er war leider im Spam Ordner gelandet.

      Ansonsten ist dieser Rassismus leider immer wieder festzustellen. Die meisten Balotelli Fotomontagen sehe ich aber beispielsweise als harmlose Gags an.

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