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Kings gekrönt – Der Stanley Cup geht nach Kalifornien

12. Juni 2012

Die Los Angeles Kings sind endlich am Ziel. In der vergangenen Nacht haben sie zum ersten Mal in ihrer 45-jährigen Geschichte den Stanley Cup erringen können und die NHL hat 2012 einen absolut würdigen Champion. Wie Vancouver, St. Louis und Phoenix zuvor, hatten auch die New Jersey Devils am Ende gegen Los Angeles keine Chance. Im sechsten Spiel der Finalserie siegte der neue Titelträger vor eigenem Publikum souverän mit 6-1. Eine fünfminütige Strafe gegen Steve Bernier, der LA Verteidiger Rob Scuderi von hinten in die Bande checkte, nutzten die Kings vorbildhaft. Drei Tore von Dustin Brown, Jeff Carter und Trevor Lewis in dieser Überzahl entschieden die Partie schon fast. Noch einmal Carter und Lewis, sowie Verteidiger Matt Greene und Stürmer Adam Henrique für die Gäste, sorgten in den letzten 40 Minuten für den Endstand.

1993 war Los Angeles schon einmal auf sehr gutem Wege. Sieben Niederlagen mussten sie in den ersten drei Runden hinnehmen (in diesem Jahr nur 2!), ehe sie angeführt von Superstar Wayne Gretzky, im Finale auf die Montreal Canadiens trafen. LA gewann Spiel 1 auswärts und lag in Partie 2 kurz vor Schluss 2-1 vorn, ehe die legendäre Strafzeit wegen des illegalen Schlägers von Marty McSorely gepfiffen wurde. Torhüter Patrick Roy ging vom Eis, Montreal traf in einer 6-4 Überzahl, es war das zweite Tor des Abends von Verteidiger Eric Desjardins. Das Spiel ging in die Verlängerung, Desjardins komplettierte dort seinen Hattrick und es stand  nach Spielen statt 2-0 für die Kings nur 1-1. Die nächsten beiden Begegnungen in Los Angeles holten sich die Canadiens ebenfalls in Verlängerung, ehe sie mit einem souveränen 4-1 im alten Forum ihren 24. Stanley Cup Sieg feierten.

Viele Fans der Kings werden sich in den letzten 19 Jahren oft gefragt haben, was wohl passiert wäre, wenn McSorely mit einem legalen Schläger gespielt hätte. Die quälenden Gedanken sind jetzt endlich vorbei. Im Gegensatz zum damaligen Team gibt es dieses Mal auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass mit Los Angeles die beste Mannschaft hochverdient gewonnen hat. Von Beginn der Playoffs an spielten die Kings hervorragendes Eishockey. Hart, schnell, diszipliniert und gut organisiert. Sieht man vom lange mäßigen Powerplay ab, was ihnen aber nicht schadete, ein Team ohne Schwachstellen. Im Tor ein fantastischer Jonathan Quick, der mit der Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet wurde, in der Abwehr der grandiose Drew Doughty, im Sturm der großartige Center Anže Kopitar und sein kongenialer Außenstürmer Dustin Brown (beide gemeinsam sind mit je 8 Toren und 12 Assists in 20 Spielen die Topscorer der Playoffs), das waren die großen Stützen dieses Teams, welches aber vor allem als Einheit brillierte.

Im Jahr 1995 sah ich mein erstes Stanley Cup Finale live im TV. In dieser Zeit habe ich keine bessere Eishockeymannschaft als diese Kings bewundern dürfen. Auch junge Spieler, die man vor kurzer Zeit noch nicht wirklich auf der Rechnung hatte, halfen bei diesem Erfolg ordentlich mit. Der 22-jährige russische Verteidiger Slava Voynov, der über 19 Minuten im Schnitt auf diesem Niveau so spielte, als würde er seit einem Jahrzehnt nichts anderes machen oder der gleichaltrige Kanadier Dwight King, der überraschenderweise fünf Tore beisteuerte, wären hier zu nennen. In der ersten Runde ließen die Kings gleich richtig aufhorchen, indem sie in fünf Spielen die Vancouver Canucks, das punktbeste Team der regulären Saison, ausschalteten. Anschließend ging es gegen St. Louis sogar noch schneller. In nur vier Partien war die Serie vorbei. Bemerkenswert auch, dass LA in den ersten beiden Begegnungen auswärts 8-3 Tore gegen das heimstärkste Team der regulären Saison erzielte. Nur ein Spiel mehr Hoffnung hatten danach wiederum die Phoenix Coyotes, die sich im Western Conference Finale den Kings geschlagen geben mussten.

Im Stanley Cup Finale verloren die Kings dann erstmals zwei Spiele, aber nach einer 3-0 Führung nach Begegnungen, war das am Ende zu verschmerzen. Nach nur 20 Spielen mit einer Bilanz von 16-4 Siegen den Titel zu gewinnen, ist schon etwas besonderes, aber eine Statistik ist noch beeindruckender: In jeder Runde führte Los Angeles nach drei Partien mit 3-0. Seit 1993 gewann nebenbei kein Team aus dem Mutterland des Eishockeys mehr den Stanley Cup und so wird man heute in Kanada wieder diskutieren, wann es wohl endlich wieder so weit ist. Das weiß niemand, aber da jeder Akteur des siegreichen Teams die weit über 100 Jahre alte Trophäe für einen Tag in Besitz nehmen darf, wird sie kanadischen Boden in den kommenden Wochen nicht selten zu sehen bekommen. Die Kings setzten in den Playoffs insgesamt 22 Akteure ein, 13 davon aus Kanada, wie auch Ersatztorhüter Bernier, der aber nicht zum Einsatz kam. Unter den anderen neun Spieler finden sich übrigens sechs US-Amerikaner, zwei Russen und der Slowene Kopitar.

Passend zum Thema:

–  Der König von Slowenien

–  Jonathan, Drew, Anže und der Rest

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From → Sport

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