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Tipps am Dienstag

22. Mai 2012

Wenn ich eine Talkshow meide, ist es eigentlich „hart aber fair“, was mir gestern leider nicht gelang. Hoch interessant aber war zu erfahren, wie grenzenlos furchtbar Bengalos in Fußballstadien sind. Natürlich können die in einem vollbesetzten Fanblock sehr gefährlich sein und haben deshalb dort eigentlich nichts zu suchen, aber wenn man Johannes B. Kerner so zuhörte, konnte man glauben, der Gebrauch von Bengalos würde potenziell das Ende der Welt bedeuten. Gegen Atomkraft würde er wohl nicht demonstrieren, aber Bengalos in Fußballstadien bedrohen den Fortbestand der Menschheit wahrscheinlich mehr. Dirk Bierholz, der im Gegensatz zu anderen Diskussionsteilnehmern wesentlich weniger hysterische Leiter des Düsseldorfer Fanprojekts, tat mir in dieser Sendung wirklich leid.

Kerner krönte dennoch nur die insgesamt nervigen, sowie uninteressanten Gäste und dann kam natürlich noch der arrogante, überforderte und unsympathische Plasberg dazu. Wenn man über ein Thema spricht, sollte man dieses auch klar benennen. Gestern wurde alles in einen Topf geworfen. Wer einen Bengalo abbrennt, ist noch lange nicht gewalttätig. Wer auf einen Platz stürmt, ist noch lange nicht gleich eine Gefahr für den Fußball. Warum aber differenzieren, wenn man so schön dramatisieren kann und es die Möglichkeit gibt, im Bild-Zeitung Stil Alarm zu schlagen? Mein Tipp: „Hart aber fair“ einfach meiden. Werde ich jetzt auch wieder machen. Übrigens geht es heute bei Maischberger um ein ähnliches Thema und wenn ich die Gästeliste sehe, befürchte ich eine ähnlich schlechte Sendung.

Nur gut, dass ZAPP morgen ab 23.20 Uhr wieder interessante Themen bietet. Im ersten angekündigten Beitrag geht es allerdings leider um Thilo Sarrazin. „Das Universum braucht den Sarrazin nicht“ wäre mir spontan als Titel eingefallen, aber bei ZAPP heißt es „Fragwürdige Bühne – Medien inszenieren Sarrazin: Kritik und Empörung – große Aufregung in den Medien um das neue Buch eines Provokateurs. Genau das aber befördert Auflage, Klicks und Quote. Eine Doppelmoral“. Problematisch an dieser Sache ist, dass ZAPP durch diesen Beitrag die Aufmerksamkeit, die Sazzarin bekommt, weiter steigert. Leider tue ich das in diesem Absatz ebenfalls. Das ist sehr oft das gleiche Problem. Kritisiere ich einen Person/ein Ergebnis… oder verschweige ich dieses Thema, um diesem nicht noch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen? Immer wieder eine schwierige Angelegenheit. Zur Übersicht der Sendung geht es hier.

Der zweite positive Tipp gilt einem Blog und zwar dem „Salon Skurril“ von Marina Weisband, der seit etwa einem halben Jahr bei der FAZ erscheint. Eine Zeitung, die ich dringend meide, wenn es um Politik geht, die aber ansonsten manchmal schon zu gebrauchen ist. Hier der Link zu „Salon Skurril“. Besonders interessant war für mich der Artikel „Eine Stadt kämpft um ihr Herz“ aus der letzten Woche, in dem es um Kiew geht. Die ukrainische Hauptstadt wird momentan oft in den Nachrichten erwähnt, aber wann und wo erfährt man schon wirklich etwas Substanzielles? Also mehr, als das organisiertes EM Camping am Ufer der Dnjepr über 60 Euro pro Person und Nacht kostet? Leider selten, aber in diesem Artikel eben schon.

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2 Kommentare
  1. Auch dazu hatte ich längst die perfekte Lösung vorgeschlagen, warum hört niemand auf mich?

    Vor jedem Stadion wird ein schalldichter und rechtsfreier Raum erstellt, der etwa 300 Menschen fasst. Jeweils vor und nach dem Spiel wird er für 30 Minuten geöffnet. In diesem Raum dürfen Fans aller Couleur zu diesen festgelegten Zeiten Bengalos abbrennen, sich gegenseitig damit bewerfen usw.

    Die Stadien selbst bleiben damit frei von hirnrissigen Fans und Fall gelöst.

    • Finde ich okay, aber die Akzeptanz bei Ultras und Co. dürfte eher gering sein. Auf mich hört übrigens auch nie jemand. Sonst würde Papiss Demba Cissé beispielsweise seit Januar in Liverpool spielen und Medienwissenschaft als Fach würde Religion aus den Schulen verdrängen und und und.

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