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Geld zerstört die Welt – lang lebe der König!

20. Mai 2012

Der ausgelutschte Spruch „Geld regiert die Welt“ ist jedem bekannt. Ich bin damit aufgewachsen, natürlich lange ohne intensiv und kritisch die Bedeutung zu reflektieren. Vielleicht dachte ich mir mit 10 Jahren: „Okay, dann musst du halt auch an Geld kommen, um etwas mitregieren zu können“. Ich weiß es nicht mehr und eine Rolle spielt es auch nicht wirklich. Etwas anderes aber schon. Als ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren begann, in der Tat kritisch zu denken, dauerte es nicht lange, bis ich zu einer anderen Schlussfolgerung kam.

Ich mag es einerseits nicht, wenn man anderen Menschen vorschreibt, wie sie zu denken, handeln und zu leben haben. Auf der anderen Seite versuche ich schon, Personen in Gesprächen oder auch hier von meiner Meinung zu überzeugen. Wenn jemand durch mich einen Regisseur oder Schriftsteller kennenlernt, der ihm anschließend mit seiner Kunst Spaß bereitet, dann freut mich das. Wesentlich wichtiger ist mir aber, wenn auch in kleinem Rahmen, dafür zu sorgen, dass unsere heutige Gesellschaft und unsere Lebensweise hinterfragt werden.

Ich erwarte nicht, dass jeder zweite Leser gleich ein überzeugter Antikapitalist wird wie ich, aber kritische Gedankengänge anzuregen, ist schon ein kleiner Erfolg und ein erster wichtiger Schritt. Meine persönlichen Schlussfolgerungen waren übrigens diese: Es kann nicht das Ziel meines Lebens sein, Geld und Besitztümern hinterherzuhetzen. Es ist außerdem immer viel, viel wichtiger, was man macht, als wie viel man dafür bekommt. Große Erfolge hat mir das bisher nicht eingebracht, aber immerhin prostituiere ich mich nicht für irgendwelche scheiß Unternehmen, die für Ausbeutung und Umweltzerstörung stehen und bei denen das Kapital über dem Menschen steht.

Viele Leute werden das vielleicht gar nicht nachvollziehen können, aber mir ist wirklich völlig egal, ob ich in einer kleinen Wohnung lebe oder in einem großen Haus. Ein Auto und ähnlichen Luxus brauche ich absolut nicht. Letzten Endes braucht das niemand. Ich kann nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die trotzdem nach diesen Dingen streben, aber wenn sie ihren Aufwand dem Ertrag gegenüberstellen, werden die meisten am Ende enttäuscht sein. Vielleicht sollte ich hier einmal eine Umfrage machen.

Die Umfrageoption will ich jetzt nicht bemühen, deshalb mache ich es einfach mal im Text. Sie sind/Ihr seid ledig und ohne Kinder, zur Auswahl stehen zwei Jobs. Einer, von dessen Sinn man 100%ig überzeugt ist und der einen erfüllen würde. Für 25 Wochenstunden bekäme man am Ende des Monats 1500 Euro netto. Vom anderen ist man nicht wirklich (ganz) überzeugt, man müsste 45 Stunden die Woche arbeiten, bekäme am Ende des Monats aber 5000 Euro netto. Na, welcher darf es sein? Ich würde keine Sekunde überlegen. Wer sich für Antwort 2 entschieden hat, wird mich wahrscheinlich nie verstehen und braucht eigentlich auch nicht weiterzulesen.

„Geld verdirbt den Charakter“ ist übrigens eine Weisheit, mit der ich etwas anfangen kann. Sie trifft natürlich nicht auf jeden wohlhabenden Menschen zu. Auf viele eben aber schon und sehr traurig ist es, dass wir global grenzenlosen Privatbesitz zulassen. Menschen, die Multimillionäre oder gar Milliardäre sind, nehmen nicht nur anderen, auf welche Weise auch immer, die Lebensgrundlage weg oder beschneiden diese zumindest deutlich, sie verarschen manchmal auch Hunderttausende, ohne sich der Bedeutung ihres Handelns vollends bewusst zu sein.

(Viel, viel mehr davon würde ich mir wünschen)

Mittwoch habe ich wieder einmal gesehen, was Geld anrichten kann und es hat mich dieses Mal direkt getroffen. „Manager Kenny Dalglish sacked“ las ich und war geschockt. Es gab einige Tage lang schon immer wieder unangenehme Gerüchte und ich hatte kein gutes Gefühl, aber das traf mich mit voller Wucht. Kenny Dalglish zu entlassen, war nicht nur fachlich dumm, sondern auch eine respekt- und würdelose Aktion gegenüber der größten lebenden Legende Liverpool FCs. Wenn man amerikanische Geschäftsleute als Besitzer hat, muss man zwar mit schlimmen Aktionen rechnen, aber damit? An dieser Stelle zeigt sich wieder einmal, was für eine schlechte Entwicklung der Fußball in den letzten 10, 15 Jahren genommen hat.

Was kommt als nächstes? Vielleicht wird das Anfield Stadium abgerissen und man zieht in die McDonald´s Arena um? Ein seelenloses Stadion mit 60.000 Sitzen, jeder davon ausgestattet mit einer Steckdose, so dass Handys und Laptops zu jederzeit aufgeladen werden können? Die Ecken werden präsentiert von Heineken und alle fünf Minuten schreitet jemand die Stufen auf und ab, um Popcorn, Eis und ähnlichen Müll zu verkaufen. Wenn es in fünf oder zehn Jahren so weit ist, sollte das niemanden mehr wundern. Dann wäre endgültig der letzte Rest von dem zerstört, was Liverpool einmal ausgemacht hat und über Vereine wie Chelsea stellt. Viel davon ist seit Mittwoch eh nicht mehr übrig.

Als ich Donnerstag aufgewacht bin, war ich traurig. Als ich Freitag aufgewacht bin, war ich traurig, als ich gestern aufgewacht bin, war ich traurig. Als ich heute aufgewacht bin, war ich ebenfalls traurig und falls ich morgen aufwache, werde ich es immer noch sein. Mein Liverpool FC ist nicht mehr der gleiche Club, der er letzte Woche war. Durch eine dumme und falsche Maßnahme ist deutlich mehr kaputt gegangen, als viele Menschen jemals nachvollziehen können. Aber selbst manche „Fans“ haben den neuen Geist schon verinnerlicht und diskutierten Minuten nach Bekanntgabe der Entlassung von King Kenny über dessen potenziellen Nachfolger. Das hat mich fassungslos gemacht. Natürlich weiß man, dass leider auch  keine geringe Anzahl von Liverpool Fans absolute idiotisch ist. Das lässt sich bei Clubs dieser Größe auch gar nicht vermeiden, ist aber trotzdem traurig. Am meisten macht mich wahnsinnig, wie schnell manche vor dem Kapital kuschen.

Wenn ich Dinge lese wie „Fußball ist halt Geschäft. Natürlich wollen die Besitzer ihre eigenen Vorstellungen umsetzen“ oder „Der Boss hat halt das Sagen“ könnte ich kotzen. Mit diesem fatalistischen Scheiß kann ich gar nichts anfangen und ich zweifle daran, dass sich diese Leute überhaupt den richtigen Club ausgesucht haben. Der gute Billy Shankly würde solche Aussagen wahrscheinlich genau so verachten, wie ich es tue. Diese Leute sollten lieber Manchester City oder Chelsea unterstützen und könnten sich dann darauf einen wichsen, wenn irgendein scheiß Spieler für sie ein Tor schießt, der drei Jahre (oder im Fall von Chelsea sieben oder acht) zuvor von der Existenz des Clubs noch nicht einmal wusste.

Der einzige Trost an dieser ganzen Sache ist, dass die Mehrheit der wirklichen Liverpool Fans dann doch immer noch sehr ähnlich denkt wie ich. Ich will keinen guten/schlechten oder richtiger/unrichtiger Fan – Aufsatz schreiben, aber wer nicht begreift, was Mittwoch zerstört wurde, der tut mir wirklich sehr leid. Die anderen Leute freuen sich wahrscheinlich auch noch auf die neue Spielzeit. Letztes Wochenende dachte ich mir, dass die neue Saison gerne schon in den nächsten Tagen beginnen könne. Jetzt interessiert mich der Start kein bisschen mehr und wäre er morgen, würde ich das Liverpool Spiel definitiv sausen lassen. Wie es in drei Monaten vielleicht aussieht? Ich weiß es nicht.

Wie Shankly wohl über all diese Sachen denken würde, habe ich mich oft gefragt in den letzten Tagen. Ich mag diesen Spruch eigentlich nicht sonderlich, aber er würde sich mit Sicherheit ohne Unterlass im Grabe umdrehen. Dass er als überzeugter Sozialist es war, der den Grundstein dafür gelegt hat, dass in diesem Jahrtausend schon zweimal widerwärtige amerikanische Kapitalisten Liverpool FC kauften, ist eine fiese Ironie der Geschichte. Ohne Shankly, der den Club von 1959-1974 führte, hätte Liverpool von Mitte der 70er bis Mitte/Ende der 80er Jahre wohl kaum die beste Vereinsmannschaft der Welt gehabt.

Kenny Dalglish selbst sagt derweil, dass wir den Verein weiter unterstützen sollen und auch seinen Nachfolger, aber ich hatte nichts anderes erwartet. So ist halt Kenny. Nicht einmal ein schlechtes Wort bezüglich der Besitzer hat er über seine Lippen gebracht. Diese Disziplin hätte ich niemals gehabt. Ich bin mir aber auch sicher, dass er insgeheim ganz anders über diese Angelegenheit denkt. Er hat einfach immer noch nur das Beste für den Verein im Sinn und er möchte nicht, dass sich die Anhängerschaft spaltet. Marina Dalglish, die Ehefrau des Königs, twitterte dieses am Donnerstag, was man auch nicht weiter kommentieren muss: „Out with friends and family! Feels like a wake but the corpse keeps chipping in!!!“

Es gibt Gerüchte, dass Dalglish Abfindungspakete angeboten wurden, die ihn zu einer einvernehmlichen Trennung bewegen sollten. Er lehnte ab und es gibt ein anderes Gerücht, welches besagt, dass er eine mögliche Abfindung lieber in die Mannschaft investiert sehen wolle. Wie berechnend die beschissenen Besitzer agiert haben, zeigt sich übrigens auch an der Tatsache, dass der Rauswurf von Dalglish kurz nach Veröffentlichung des englischen Kaders für die Fußball-Europameisterschaft bekanntgegeben wurde. Die Tage vergehen, doch meine Wut nimmt nicht wirklich ab, wenn ich über all das nachdenke. Wie nicht selten im Leben, ist die eigene Macht- und Hilflosigkeit in dieser Situation nur schwer zu ertragen.

Fast schon wieder lachen muss ich dann, wenn ich lese, mit welchen potenziellen Nachfolgern gesprochen wird/gesprochen werden soll.  Gut, André Villas-Boas galt vor einem Jahr als „heißester“ junger Trainer Europas und ist zwölf Monate später nicht gleich eine Lachnummer, aber er scheiterte bei Chelsea grandios. Wenn ich Namen wie Martin Jol, Roberto Martinez oder Martin O´Neill lese, kann ich nur schweigend vor mich hinstarren und vielleicht noch lethargisch den Kopf schütteln. Worte finde ich keine. Selbst wenn man Guardiola oder Jürgen Klopp als Nachfolger hätte gewinnen können, wäre die Entlassung Dalglishs immer noch ein Skandal gewesen. Nüchtern und völlig emotionslos betrachtet, hätte ich dann in einer ruhigen Sekunde vielleicht noch ein kleines Fünkchen Verständnis aufbringen können, aber von der Klasse dieser beiden ist der durchschnittliche aktuelle Kandidat soweit entfernt wie ich davon, im ManU Trikot CDU zu wählen.

Jeder andere ernstzunehmende Mann hätte nach der abgelaufenen Saison mindestens eine komplette weitere Saison Zeit verdient, um die Position in der Liga deutlich zu verbessern, Dalglish erst recht. Jeder, der ein wenig von Fußball versteht, der weiß, dass es eine Zeit dauern kann, eine Mannschaft aufzubauen. Jürgen Klopp hat in seiner ersten Saison in Dortmund sogar die Europa League verpasst und in der zweiten reichte es auch noch nicht für eine Champions League Platzierung. Der große Durchbruch des BVB unter ihm kam erst in seiner dritten (kompletten) Spielzeit bei den Schwarz-Gelben. Dalglish dagegen führte Liverpool immerhin schon auf Anhieb ins FA Cup Finale und holte den Carling Cup. Die ersten beiden Finalteilnahmen des Clubs seit 2007, der erste Titel seit 2006. Manchester City hat übrigens fast eine Milliarde Euro investiert, bis am letzten Wochenende der erste große Triumph heraus sprang…

Zeit und Geduld hätte man gebraucht und mindestens zwei offensive Verstärkungen. In den letzten zwei, drei Monaten hat man gesehen, dass Andy Carroll einmal ein sehr wertvoller Spieler werden kann. Auch der andere teure Neuzugang des letzten Jahres, Jordan Henderson, hat ohne Zweifel Talent. Sollte er irgendwann einmal mit Selbstvertrauen auflaufen und sich auf einer Position etablieren, kann auch aus ihm ein wichtiger Bestandteil einer guten Mannschaft werden. Man darf ebenfalls nicht vergessen, dass Steven Gerrard in der letzten Saison lange fehlte und in seinen Einsätzen selten an vergangene Glanztage anknüpfen konnte. Mit Lucas Leiva, der sich in den letzten Jahren von einem Mitläufer zu einem Leistungsträger weiterentwickelte, fehlte ein Schlüsselspieler seit Ende November komplett und Jay Spearing konnte ihn nur selten annähernd gleichwertig ersetzen.

Dazu kamen 2011/12 unglaublich viele Spiele, die trotz teilweise großer Dominanz nicht gewonnen werden konnten. Über 30 Mal trafen Liverpool Spieler Pfosten und Latte, mehrere Elfmeter wurden verballert und so weiter. Das sind alles Dinge, die in dieser Konzentration wohl nicht so schnell noch einmal eine bessere Ligaplatzierung verhindern werden. Der neue Trainer kann sich freuen. Bekommt er die beiden nötigen Offensivspieler, wird es in der Liga nur bergauf gehen können. Offensichtlich scheinen die Besitzer ja auch Cupwettbewerbe außer der Champions League nicht zu schätzen, so dass man sich dann vielleicht in der Europa League gegen Altético Madrid für das Auswärtsspiel bei West Ham schonen kann. Eventuell wird der neue Chef aber auch versuchen, einen komplett anderen Fußball spielen zu lassen, die Mannschaft verunsichern und am Ende die Champions League Plätze klar verfehlen. Dieses Risiko hätte man mit Kenny Dalglish in der nächsten Saison nicht gehabt.

Sollte es richtig gut laufen, bleibt die Entscheidung trotzdem falsch. Erfolg verdient auch im Sport nur wirklich diesen Namen, wenn er auf einem integeren, würdigen Wege zustande kommt. Jeder schöne Pass, jeder gute Spielzug, jedes Tor, jeder Punkt, jeder Sieg und jeder Erfolg Liverpools, welcher Art auch immer dieser sein mag, hat von nun an eine geringere Bedeutung für mich als je zuvor. Solange diese amerikanischen Besitzer am Ruder sind, wird sich das für viele langjährige Fans nicht ändern. Ich weiß nicht, wie lange es dauert und wie viele Anhänger es nicht mehr erleben werden, aber irgendwann wird Liverpool FC wahrscheinlich wieder in anständiger Hand sein. Ich denke da an ein Gemeinschaftsprojekt von Ex-Spielern, klein- und mittelständischer, lokaler Wirtschaft und den Fans, am besten mit Kenneth Mathieson Dalglish als Präsident.

Momentan scheint das unrealistisch, aber wer hätte es vor 20 Jahren als relistisch empfunden, dass im Jahr 2012 Milliardäre sich Fußballvereine als Spielzeuge leisten? Wenn man weiß, dass ein Roman Abramovich statt Chelsea zuerst eigentlich Arsenal kaufen wollte, dem ist spätestens dann klar, wie pervers und lächerlich die heutige Fußballwelt ist. Über Gehälter und abenteuerliche Ablösesummen schreibe ich lieber gar nichts. Diese Entwicklung kann nicht ewig so weitergehen, auch wenn das Ende noch nicht in Sicht ist. Zurzeit habe ich übrigens dermaßen die Schnauze voll von allem, dass ich Lust hätte, meine wenigen Sachen von Wert zu verkaufen, mir etwas Geld bei Freunden und Bekannten zu leihen und nach Sibirien auszuwandern, um dort in einer Hütte mit ein paar Tieren und selbst angebautem Gemüse weit abseits all dieses Wahnsinns in Ruhe zu leben.

Wer mir aber sogar eine halbe Milliarde Euro spenden möchte, damit ich Liverpool FC kaufen und aus den Händen charakterloser Geldgeilheit befreien kann, soll sich bitte per E-Mail melden. Ob ich auch Geld aus Drogenhandel, Prostitution oder Auftragsmord nehmen würde, wäre nach genauer Ansicht der Faktenlage zu entscheiden. Ich schließe mit einem „Lang lebe der König!“. All das Geld, all die Macht dieser Welt ist nichts gegen die Loyalität und die Klasse von King Kenny.

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From → Allgemein, Politik, Sport

12 Kommentare
  1. Das ist ein schwieriger Kommentar diesmal. 😉

    Zuerst: Ich verstehe die Sachlage und die emotionale Befindlichkeit des Autors ganz genau. Dazu gibt es aus zwei Gründen gar nichts zu sagen. 1. Ich verstehe es perfekt, wenn der Autor komplett angefressen ist und 2. die Begründung dafür (Dalglish).

    Der Rest des Kommentars hat damit also nicht ursächlich zu tun und ist ganz generell und unabhängig davon:
    Ich kann es nicht mehr hören! Das Thema ·“Traditionsverein gegen Neureiche“ hängt mir schon so lange zum Hals heraus und ist derartig albern, dass ich mich damit nur noch zu beschäftigen in der Lage bin, wenn es – samt dem Wetter – gar kein anderes Thema mehr gibt.

    Man muss nur das lächerliche Manutd.-Forum lesen, in dem die stolzen Fans des Traditionsvereins hämisch über die Neureichen Stadtnachbarn lästern … und gleichzeitig täglich kotzen, dass die Glazers (Besitzer von Manutd.) nicht genügend Millionen für Einkäufe zur Verfügung stellen.

    Ich kann (und will!) es nicht mehr hören, wenn man mir zum hundersten Mal zu erklären versucht, dass Millionen von , Gazprom, Telekom oder Evonik moralischer sind als die von Señor Hopp oder Towaritsch Abramovich. Die kleinen Krokodilstränchen kommen immer nur von denen, denen die Millionen fehlen – und unmoralisch sind immer nur die Millionen der anderen, die eigenen nie.

    Meine Empfehlung an alle Fussballfans: Hört dringend auf, einen milionenschweren Wirtschaftsverein (ganz egal, welche Farben er hat) als eure Familie anzusehen! Versucht erst gar nicht, mir erklären zu wollen, dass es moralische und unmoralische Millionen gibt, das ist schlicht lächerlich: Über „Traditionsverein“ gegen „Neureiche“ kann ich nur so herzhaft wie abfällig lachen. So lange der ganze Kapitalistenzirkus nicht abgeschafft wird, ist Fussball nur ein Teil davon – und es gibt verdammt nochmal wichtigere.

    Nehmt Fussball als Spektakel, freut euch über gewonnene Spiele, ärgert euch über Niederlagen, aber lasst es nicht soooo nah an euch ran. D

    • Danke für den recht langen Kommentar. Leichter gesagt als getan, was den letzten Satz angeht. Ansonsten ist da Wahres dran. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob man eklige Millionen von Gazprom und Co. annimmt, was eigentlich schon schlimm genug ist, oder ob ein gelangweilter Milliardär einen ganzen Verein als Spielzeug benutzt bzw seinen Dorfclub in die Bundesliga kauft, finde ich.

      Ist mir allerdings alles im Moment auch egal. Ich will nur meinen Club zurück und wenn der dann die nächsten fünf Jahre nur im Mittelfeld rumdümpeln würde, wäre es mir auch egal.

      Achso, in dieses komische Forum gucke ich natürlich nicht. Ich würde mir lieber ne heiße, rostige Nadel durch die Eier rammen 😉

      • Die heisse rostige Nadel verursacht auch weniger Schmerz – bis auf den Abend nach dem letzten Liga-Spieltag, da war es sehr erfrischend, den Bummel konnte ich mir nicht versagen.

        Und nein: Es ist kein Unterschied.

  2. Sven permalink

    Ist dem Autor eigentlich klar, dass der hier so verklärte Kenny Dalglish eben mit dem Geld der verschmähten amerikanischen Besitzer (100 Millionen alleine an Transferausgaben) sportlich nichts erreicht hat, ja sogar die sportliche Lage beim FC Liverpool noch verschärft hat?

    Ist dem Autor bewußt, dass es der „King“ war, der dem eigenen Nachwuchs teure Neuzugänge vorsetzte und an diesen trotz erbärmlicher Leistungen festhielt?

    Ich würde dem Gedanken des Textes im Zusammenhang mit der Kündigung von Kenny Dalglish gerne Recht geben, aber dafür hätte der hier so hochgelobte King eben statt des „kapitalistischen“ Geldes aus den USA dem eigenen Nachwuchs eine reale Chance geben müssen.

    Das junge Spieler Zeit brauchen, um sich zu entwicklen und dass man dann auch Durststrecken überstehen muss, wäre jedem klar gewesen, siehe Dortmund und Klopp.
    Dann wäre ein Kenny Dalglish als Trainer auch glaubhaft geblieben.

    Aber wer stattdessen lieber die „bösen“ Millionen nimmt und dann „Kapitalismus“ pur spielt und Spieler auf dem Markt einkauft, der darf danach auch nicht rumjammern, wenn die selbe Hand , aus der er gefressen hat ihn dann auch wieder verstößt.

    • Eigentlich hatte ich nach „der hier so verklärte Kenny Dalglish“ schon keine Lust mehr, aber nun gut…

      Er hat also nichts erreicht? Aha, da scheint jemand zu der Fraktion „alles außer Champions League zählt gar nichts“ zu gehören. Kenny Dalglish hat nach der Horrorzeit unter Hodgson wieder anständigen Fußball spielen lassen und die Mannschaft noch auf einen respektablen sechsten Platz geführt.

      In seiner einzigen kompletten Saison schnitt er anschließend in zwei von drei Wettbewerben sehr gut ab. Ein Titel und eine Finalteilnahme ist nichts? Ist dem Kommentierenden eigentlich wirklich bewusst, um welchen Verein es hier geht bzw für welche Werte und Vorstellungen dieser einmal stand?

      “Liverpool Football club exists not to make money, it exists to win trophies and be a source of pride for its supporters. It serves no other purpose.” (Bill Shankly)

      Genau dafür hat Dalglish in einem ersten Schritt gesorgt. Die Möglichkeit auf den zweiten hat man ihm genommen.

      Die Platzierung in der Liga war sicher leider enttäuschend, aber dafür gab es zahlreiche Gründe. Ich wiederhole mich: Etwas Geduld, zwei anständige offensive Neuzugänge und nächste Saison wäre ein Riesensprung möglich gewesen.

      Mal so nebenbei: Der Carling Cup war ein Titel mehr als Ferguson und Wenger in dieser Saison gemeinsam holten und zwei Finals mehr als deren Teams gemeinsam spielten. Übrigens hat Arsenal schon seit 2005 nichts mehr gewonnen und hält am Trainer fest. Achja, sie sind ja immer in der tollen Champions League, die sie am Ende aber sowieso nie gewinnen…

      Wo ist denn der Nachwuchs, der hätte spielen sollen? Nathan Eccleston wird wahrscheinlich nie gut genug für Liverpool sein. Die beiden größten Talente sind Fernandez Suso und Raheem Sterling. Über Suso sagt eigentlich jeder, der ihn öfter hat spielen sehen, dass er noch nicht konstant genug ist. Raheem Sterling hätte ich zum Ende der Saison gerne öfter und länger gesehen, aber der Junge wurde Mitte der Spielzeit gerade erst 17 Jahre alt…

      Zu den Millionen: Ich bin so etwas von den englischen Boulevard Medien gewohnt, aber für einen Fan ist es schon armselig, die Geschichte von den 100 Millionen einfach nachzuplappern. Spricht man von Transfers, muss man schon eine klare Agenda haben, wenn man die Einnahmen mit keinem Wort erwähnt. Fast 70 Millionen Pfund brachten allein die Verkäufe von Torres, Babel und Meireles. In der Saison 10/11 erwirtschaftete man insgesamt ein Transferplus von über 5 Millionen Pfund. In den beiden Spielzeiten zuvor gab man gemeinsam auch etwas weniger aus als man einnahm.

      Die etwa 35 Millionen Pfund, die man dann in der abgelaufenen Saison investiert hat, waren bitter nötig. Bedenkt man dann noch die eingesparten Gehälter (Stichwort Cole und Aquilani) sehen die Zahlen schon ganz, ganz anders aus, als es der oberflächliche Kram von den 100 Millionen fälschlicherweise suggeriert. Nimmt man übrigens mal die Gesamtzahlen der letzten vier Jahre, dann hat man weniger ausgegeben als beispielsweise Stoke City. Bei Transferausgaben von weniger als 40 Millionen Pfund über drei Transferperioden kann absolut keine Rede davon sein, dass man über die neuen Besitzer besonders viel in neue Spieler investiert hat. Ist ja auch nicht so, dass man aus Ticketverkäufen, Merchandising, Fernsehen und Sponsoren sonst keine Einnahmen hat. Nebenbei brachten auch die Erfolge in den lokalen Pokalwettbewerben noch einige Millionen und selbst in der Europa League kann man nächstes Jahr ein paar Euro verdienen…

      Der letzte Absatz in obigem Kommentar ist einfach nur absurd.

  3. Sven permalink

    „Ist dem Autor eigentlich klar, dass der hier so verklärte Kenny Dalglish eben mit dem Geld der verschmähten amerikanischen Besitzer (100 Millionen alleine an Transferausgaben) sportlich nichts erreicht hat, ja sogar die sportliche Lage beim FC Liverpool noch verschärft hat?“

    Zusatz noch dazu:

    Auch der Sieg im League-Cup war kein wirklicher Imagegewinn für die Reds, da er gegen eine Zweitliga-Elf nur sehr sehr sehr glücklich zustande kam und als Ausgleich für die viel bejammerten Holztreffer gelten kann.

    • Imagegewinn, Imagegewinn? Was ist das denn jetzt schon wieder für ein Unsinn? Ich verweise nochmal auf das Shankly Zitat. Darüber hinaus macht sich hier jemand die Welt, wie sie ihm gefällt. Der Sieg im Carling Cup Finale war vielleicht etwas glücklich, keineswegs aber unverdient.

      Darüber hinaus wird natürlich völlig unterschlagen, wen man auf den Weg ins Finale schlug. War ja nach zwei unterklassigen Teams auch nur das heimstarke Stoke City, der Champions League Sieger Chelsea (in deren Stadion…) und über zwei Begegnungen der englische Meister Manchester City. Alles nicht der Rede wert…

      Hätte man das FA Cup Finale auch noch gewonnen, hätte ich hier wahrscheinlich lesen müssen: „Ja, aber nur weil Chelsea mit den Gedanken schon beim Champions League Endspiel war…“

    • „Auch der Sieg im League-Cup war kein wirklicher Imagegewinn für die Reds, da er gegen eine Zweitliga-Elf nur sehr sehr sehr glücklich zustande kam und als Ausgleich für die viel bejammerten Holztreffer gelten kann.“

      Der Autor merke sich dringend einen Satz, der seinen Kommentar in Rauch auflöst, ganz egal wie skurril er ihn begründen will (und mit „skurril“ war ich jetzt überaus freundlich!): „Ein Titel ist ein Titel ist ein Titel.“ Satzende.

      • Das wollte ich sogar tatsächlich erst schreiben. Nächstes Mal werde ich es tun…

  4. @uhupardo: Für mich bleibt es ein Unterschied, auch wenn ich beides wirklich sehr unsympathisch finde. Der Kommentar war übrigens schon wieder im Spam gelandet, der von Sven leider nicht 😉

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