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Ein bisschen Hass muss sein

27. April 2012

Genügend Gründe für ein wenig Hass gab es diese Woche ohne Zweifel. Über Fußball habe ich genug geschrieben, aber wie wäre es mit der endlosen Diskussion ums Betreuungsgeld oder dem abgelehnten Antrag der Linkspartei zur Abschaffung von Hartz-IV-Sanktionen oder den unwürdigen Diskussionen um Julija Tymoschenko und deren Gesundheit oder das Umfrageergebnis, laut dessen die FDP sich in NRW schon wieder der 5% Marke annähert.

Die Diskussionen darüber, ob man das Betreuungsgeld nun gut, schlecht oder komplett schwachsinnig finden soll, ist eine Sache. Die Vermutung, dass es irgendwann eingeführt wird, diejenigen Menschen, die es am meisten gebrauchen könnten, aber nicht davon profitieren würden, eine ganz andere. Die Anwaltsgattin bekäme demnach die 100-150 Euro, der daheim kinderbetreuende Ehemann einer Ärztin ebenfalls, aber eine arbeitslose Frau effektiv (ja,ja, es wird verrechnet) nicht. Schwarz-gelbe Politik von Feinsten…

Auch erbärmlich mit welcher Geschlossenheit der Bundestag gestern gegen den Antrag der Linkspartei zur Abschaffung von Hartz-IV-Sanktionen stimmte. Außer allen anwesenden Abgeordneten der Linkspartei schloss sich nur ein weiterer Politiker dieser Forderung, für die es sehr gute Argumente gibt, an und zwar Hans-Christian Ströbele. Der anwesende Rest der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen enthielt sich, was wieder einmal deutlich macht, wo diese Partei im Jahr 2012 steht. Die meisten anderen stimmten dagegen. Weiteres zu diesem Thema kann man z.B. hier nachlesen.

Bedenkt man dann noch, dass die FDP nun plötzlich doch gute Chancen hat, bei der Landtagswahl in NRW am übernächsten Sonntag die 5% Hürde zu meistern, kann in mir schon ein bisschen Hass aufsteigen. Nebenbei finde ich es sowieso albern, dass man das Gefühl der Liebe glorifiziert und den Hass dagegen oftmals naserümpfend verteufelt und komplett ablehnt. Gehört nicht einfach beides zum Leben von Menschen dazu? Bei den immensen Dummheiten und Ungerechtigkeiten auf unserem Planeten, ist für Hass bei mir auf jeden Fall viel Platz.

Meinen größten Hass außerhalb des politischen Bereichs hege ich übrigens in Bezug auf einen Eishockey Club und da sind wir bei der Fortsetzung meines gestrigen Beitrags und dem „Warum die vorletzte Nacht mich doch sehr für die Champions League Halbfinals entschädigte“. Jener Club oder dieses Franchise, stammt aus der größten Stadt des US-Bundesstaates Massachusetts. Hobby-Geographen und andere pfiffige Leser wissen, dass es sich nur um Boston handeln kann und sie liegen nicht falsch.

Zunächst einmal sind die Boston Bruins, oder auch die verwichsten Drecksbären, wie ich sie mitunter nenne, ein insgesamt nicht besonders erfolgreiches NHL Team. Sie gehören zwar seit Beginn (1927) der Liga an, haben dafür aber gerade wenig beeindruckende 5 Stanley Cup Siege errungen. Zu Anfang gab es übrigens nur sechs Teams, sollte man noch anmerken. Seit 1972 konnten sie die Meisterschaft nicht mehr erringen, ehe sie ihnen auf traurige und lächerliche Weise im letzten Jahr von der Liga geschenkt wurde.

Das wäre schon Grund genug sie zu hassen, aber das ist nur der Anfang. Wo soll ich weitermachen? Vielleicht beim ehemaligen Trainer der Bruins Don Cherry, der Samstag für Samstag im kanadischen Fernsehen mit xenophobem Unfug und anderen teils völlig absurden Aussagen von sich Reden macht? Oder wie wäre es mit Ex-Spieler Mike Milbury, der nicht nur als schlechtester General Manager in der Geschichte der Liga (allerdings bei den NY Islanders) auf sich aufmerksam machte, sondern auch im TV noch immer großen Unfug verbreiten kann? Im vergangenen Jahr wurde ihm vorgeworfen, im Rahmen eines „Pee-Wee“ Spiels einen 12-jährigen Jungen angegriffen zu haben.

Hmm, oder wie wäre es mit der aktuellen Mannschaft? Eine Ansammlung von Arschlöchern, Schauspielern und Wichsern, wie sie der Eishockeysport in dieser Konzentration wohl noch nicht gesehen hat. Ich will auf diese Karikaturen von richtigen Menschen gar nicht einzeln eingehen, aber wenn jemand die schlimmste Hälfte entsorgen würde, hätte ich nichts dagegen. Dreckige Fouls, absichtlich Verletzungen bei Gegenspieler provozieren, gegnerische Fans beleidigen, gleichzeitig mit Schwalben die Schiedsrichter beeinflussen, das alles gehört zum Repertoire dieses Sauhaufens, manches davon sieht man in jedem Spiel.

Im Tor steht übrigens mit Tim Thomas ein aktiver Unterstützer der Tea-Party Bewegung, fällt mir gerade ein. Wenn das alles und die Feindschaft zu meinen Canadiens noch nicht Grund genug ist, die Bruins zu hassen, wie wäre es hiermit? Der schwarze Spieler Joel Ward von den Washington Capitals beendete ihre Saison vorletzte Nacht, das waren einige Reaktionen auf Twitter. Ein paar Dutzend Idioten gibt es überall? Es passt perfekt zu dem Bild, was ich von Club und Fans habe. Wenn die allerdümmsten und die größten Rassisten schon so etwas twittern, dann möchte ich nicht wissen, ob nicht gar Tausende in diesem Moment gleiches gesagt oder zumindest gedacht haben. Da ist diese leicht beschränkte Dame noch ganz harmlos gegen.

Joel Ward nahm es übrigens laut eines gestrigen Interviews sehr gelassen. Er verurteilte diese Idioten natürlich klar und man merkte, wie unangenehm ihm die ganze Sache war, aber ich hätte an seiner Stelle ein paar klarere Worte Richtung dieses Abschaums gefunden. Trotzdem Respekt für seine Coolness! Joel Ward gilt aber natürlich auch mein ganz großer Dank dafür, dass er mit seinem Tor in der Verlängerung von Spiel 7 die Saison Bostons beendet hat. Da ging sehr früh morgens ein kurzer aber lauter Schrei der Freude durch mein Haus. Großen Dank ebenfalls an den erst 22-jährigen Torhüter Braden Holtby, der relativ konstant sehr stark hielt.

Danke Washington Capitals, danke! Ach, wenn ich schon dabei bin, dann auch noch ein Dank an den Rest. An Mathieu Perreault, Jay Beagle, Jeff Schultz, Keith Aucoin, Karl Alzner, Matt Hendricks, John Erskine, John Carlson, Troy Brouwer, Mike Green, Jason Chimera, Mike Knuble, Marcus Johansson, Alexander Semin, Roman Hamrlik, Nicklas Bäckström, Brooks Laich und selbstverständlich auch Alex Ovechkin, der trotz überraschend wenig Einsatzzeit punktbester Spieler seines Teams war. Schon aufgrund des größeren Unterhaltungswertes hoffe ich darauf, dass er in der nächsten Runde öfter auf dem Eis steht.

Wie sehr ich die Boston Bruins hasse, ist abschließend schwierig zu beschreiben. Naja, vielleicht auch nicht. Ich kann es ja mal versuchen: Wenn sie die einzige weltweite Organisation wären, die Fleisch verkaufte, würde ich Vegetarier werden (Einige Leser wissen, wie sehr ich z.B. ein gutes Steak liebe). Würde meine Mutter Boston die Daumen drücken, hätte ich längst mein letztes Wort mit ihr gewechselt. Sollte mein bester Freund in einem Bruins Trikot unverschuldet bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen, würde ich nicht zu seiner Beerdigung gehen. Spielten die Bruins gegen Al Qaida, ich würde im Al Qaida Fanblock stehen. Sollte mir eine schlechte Fee versprechen, 120 Jahre alt werden zu können, wenn ich einmal für Boston jubelte: Ich würde lieber heute sterben.

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2 Kommentare
  1. keineairbagsfürdiecsu permalink

    Diese Kommentare sind ja wirklich widerlich. So offen, dämlich und rassistisch im Jahr 2012. Wäre schön, wenn das für einige Konsequenzen hätte.

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