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Plastik und andere schmutzige Geschäfte

17. April 2012

Plastik ist überall. Plastiktüten, Plastikfolie, Plastikflaschen, Plastikmüllbeutel und nicht zuletzt auch Plastik in den Zähnen, an den Fingernägeln und in Brüsten. Der Film „Plastic Planet“, morgen um 20.15 Uhr auf 3sat, widmet sich den Problematiken, die der exzessive Gebrauch von Plastik heutzutage hervorruft. Jeder weiß, dass es nicht besonders gut ist, immer im Supermarkt seine Einkäufe in zwei, drei neue Plastiktüten zu verstauen, aber wer macht sich darüber hinaus schon Gedanken über die Allgegenwärtigkeit von Plastik in unserem Leben und die daraus resultierenden Folgen für Gesundheit und Umwelt?

Der Wiener Regisseur Werner Boote hat das getan und ist um die Welt gereist, mit dem Ziel, an verschiedenen Orten die Konsequenzen des Plastikkonsums zu dokumentieren. Entstanden ist dabei ein interessanter, unterhaltsamer Film, der aufklärt, aber durchaus auch Angst macht. Das natürlich wieder einmal auch an Stellen, an denen die Industrie Risiken und Folgen verharmlost. 2010 wurde „Plastic Planet“ mit einer Romy (österreichischer Fernsehpreis) als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Ich kann sehr empfehlen, morgen einzuschalten. Besonders allen, die sich nicht für das Champions League Spiel Barcelonas interessieren. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dieses Werk komplett in akzeptabler Qualität auf Youtube zu schauen (siehe Clip am Ende). Mehr zum Film auf der Homepage von 3sat.

Hochinteressant war am späten gestrigen Abend ebenfalls der 45-minütige Film
Markt oder Moral – Deutsche Unternehmen auf dem Prüfstand„, den die ARD ausstrahlte. Die Sendezeit von 23.30 Uhr war leider wieder einmal typisch. Um 20.15 Uhr kam „Erlebnis Erde – Serengeti (1)“, auch über eine Dauer von 45 Minuten. Wie schön wäre es gewesen, wenn die ARD den Mut hätte, solche Sendetermine zu tauschen. Ich habe schon viele Dokumentationen und Berichte dieser Art gelesen und gesehen, aber dieser Film hat mich wieder einmal richtig wütend gemacht. Wie ThyssenKrupp CSA mit einem Stahlwerk in Brasilien offensichtlich Menschen und Umwelt gefährdet, ist ein Skandal, von dem ich bis gestern nichts wusste. Das heißt natürlich gleichzeitig nicht, dass er mich verwundert.

Außerdem ging es wieder einmal um die Textilindustrie, die auf der Jagd nach immer billigeren Stückkosten teilweise kaum Skrupel kennt. Es gibt mir dann aber auch immer wieder ein kleines bisschen Mut, dass man von Menschen wie Johanna Kusch von Germanwatch erfährt, die für ein Gesetz zur Unternehmensverantwortung kämpft. Dieses soll dafür sorgen, dass beispielsweise die Menschen in Brasilien, die unter dem Stahlwerk leiden, in Deutschland Schadenersatzansprüche einklagen können. Natürlich ist aber der Widerstand aus der Wirtschaft dagegen teilweise mehr als spürbar. Hier setzte mein spezieller „Freund“ Hans-Olaf Henkel ein negatives Highlight des Films.

„Diese Forderungen, dass man jetzt, sagen wir mal in Indien bei Siemens oder Daimler deutsche Standards einklagen kann, die halte ich für verantwortungsloses Gutmenschentum. Denn wenn wir das gehabt hätten, hätte es all diese Investitionen von ausländischen Firmen in Indien, die heute dazu führen, dass Indien dabei ist, den Anschluss zu schaffen, gar nicht bekommen. (Anmerkung von mir: Anstatt „bekommen“, dürfte „gegeben“ gemeint gewesen sein). Das ist absurd, denn dann brauchen wir ja nicht in die Länder zu gehen.“ (Hans-Olaf Henkel)

Erfreulich ehrlich, wie ich finde. Letzten Endes beginnt sich Henkel schon mit dem Wort „Gutmenschentum“ zu entlarven. Ein bei Konservativen und Rechten immer beliebterer Begriff, um sozial und verantwortliche Menschen zu diskreditieren. Anschließend sagt er im Prinzip nichts anders als: Ja, wenn man Kohle verdienen und einem Land bessere wirtschaftliche Zahlen bescheren kann, sind Umweltzerstörung und moderne Sklaverei in Ordnung. An Arroganz, Ignoranz, Zynismus und Menschenverachtung kaum noch zu überbieten, wie ich finde.

Den Film kann man sich hier über die ARD Mediathek anschauen.

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2 Kommentare
  1. Vielen Dank für den interessanten Bericht und die Filmtipps.Da bin ich mal gespannt.

    • Wer sich für solche Themen interessiert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht enttäuscht, denke ich.

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