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Die Rückfahrt

10. April 2012

Dumme oder unerfahrene Menschen ohne Reservierung steigen immer in der Mitte von Zügen ein. Jeder mit ein wenig Bahnerfahrung dagegen weiß, dass vorne und hinten die Chancen auf einen freien Platz ungleich größer sind. Heute war es egal. Nirgends ist ein vernünftiger Sitzplatz zu finden. Als der IC kurz vor Münster aus unbekannten Gründen ca. 10 Minuten hielt, hatte ich schon wieder einmal keinen Bock mehr auf die Deutsche Bahn.

Natürlich kann man auch reservieren, aber für 4 Euro pro Strecke? Nein, niemals und dann am besten noch einen 2,80 Euro Kaffee trinken, richtig? Hmm, eventuell sogar ins Bistro, um irgendeinen Alfons Schuhbeck-Müll zu essen? Aufgewärmte Plastikbeutel mit irgendwelchem Industriehühnchen für 9,80 Euro wahrscheinlich oder ein Scheidenpilzragout für ein Euro mehr? Kommt alles nicht in Frage.

Wie oft erlebt man freitags, sonntags oder an Feiertagen, dass die Züge völlig überfüllt sind? Schätzungsweise bei jeder zweiten Fahrt, zu der man nicht nach 20 Uhr antritt. Wäre eigentlich schön, wenn Bahnchef Grube, der übrigens sogar einen richtigen Vornamen hat, dieses Problem mal in Angriff nähme. Stattdessen würde ihm auf Nachfrage höchstens eine eloquente Ausrede einfallen. Pech gehabt, bitte reservieren Sie nächstes Mal, hohe Auslastung, blablabla.

Mittlerweile ruht mein Arsch auf einem dieser Klappsitze mitten im Gang eines ehemaligen Interregio-Abteils. Mein Rücken schmerzt und ich bekomme Hunger und das kurz vor Verrecklinghausen, einer Stadt, mit der kein Mensch etwas anzufangen weiß. Wahrscheinlich gilt das auch für die Eingeborenen. Hätte ich doch bloß vor der Abfahrt noch eine Banane gegessen. Meiner Schätzung nach verzögert der Genuss einer durchschnittlichen Banane meinen Hunger um 30-60 Minuten. Das hätte mir doch wahrscheinlich locker bis Essen weitergeholfen. Die letzten beiden Sätze können Sie ruhig noch einmal in Ruhe lesen.

Natürlich steigt keiner aus, um mir einen besseren Platz zu überlassen. Warum auch? Entweder wohnt man in Verrecklinghausen und ist um diese Zeit zuhause und schaut fern oder man will in eine richtige Stadt. Nein klar, Recklinghausen (keine Namensbeleidigung mehr) hat bestimmt viel zu bieten. Zum Beispiel im Bereich Kultur oder natürlich Gastronomie. Irgendwie muss ich an eine vollgeschmierte Graffitiwand denken und an Currywurst mit Pommes. Sicher gibt’s dort eine Uni, nee ´ne FH aber doch bestimmt oder zumindest eine Hauptschule, vor der man nicht gleich erschossen wird.

Nächster Halt Gelsenkirchen Hauptbahnhof. Vom Regen in die Traufe, Pest und Cholera, Sie wissen schon… Selbstverständlich steigt auch hier niemand aus! Wenn Sie wollen, dann können Sie den letzten Absatz noch einmal lesen. Statt „(Ver)recklinghausen“ setzten Sie einfach „Gelsenkirchen“ ein. Das erspart mir viel Arbeit. Danke. Pause.

Essen. Mein Magen bleibt weiterhin leer, aber von hier sind es nur noch in etwa 30 Minuten bis Düsseldorf. Das war es auch schon, was mir an positiven Fakten zur Stadt Essen einfällt. Gut, Hansjörg Felmy hat hier als Tatort Kommissar Heinz Haferkamp in den 70er Jahren einen tollen Job gemacht. Viele der teilweise 40 Jahre alten Folgen sind deutlich besser als die meisten heutigen.

Etwa 15 Minuten später: Duisburg, das ist schon viel besser. Schimanski, wenn wir schon beim Tatort sind. Der MSV ist mir wesentlich sympathischer als RWE, Markus Krebs finde ich deutlich lustiger als Atze Schröder und vor allem sind es von hier nur noch etwa 15 Minuten bis Düsseldorf. Trotz des zwischenzeitlichen Aufenthalts irgendwo vor Münster endet dort schließlich meine Fahrt und das sogar pünktlich. Immerhin etwas.

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