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Tatort und der Film des Montags

2. April 2012

Pech gehabt, der lief schon, also der Film des Montags. Die ersten zwanzig Minuten kamen sogar noch am Sonntag. Mit „Fish Tank“ zeigte die ARD gestern wieder einmal einen mehr als sehenswerten Film zu einer für viele Menschen unakzeptablen Zeit. Um 23.40 Uhr begann dieser und gegen 1.35 Uhr endete er. Auch wenn ich der Meinung bin, dass es wirklich kein Problem ist, ab und zu einmal nach vier oder fünf Stunden Schlaf aufzustehen, anstatt nach sechs bis acht und so einen Film eben noch anzuschauen, machen das viele Menschen einfach nicht.

Das ZDF und die ARD bringen diese Personen immer wieder um gute Filme und das völlig unnötig. Um 20.15 Uhr lief im ersten deutschen Fernsehen, wie an den meisten Sonntagen, ein Tatort. Dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts zu sagen. Ich schätze einige extrem gute Tatort Folgen wirklich sehr, nur soll der gestrige wieder einmal recht schwach gewesen sein. Ich habe ihn mir wegen der vorweg nicht berauschenden Kritiken gar nicht angeschaut, sondern vertraue einfach den Tatort Fans. Nebenbei bin ich auch kein großer Fan des Berliner Teams. Nun, bei Tatort Fundus rangiert die gestrige Folge bei insgesamt 846 Tatorten auf Platz 665. Den ein oder anderen in dieser Region habe ich gesehen, was ziemliche Zeitverschwendung war.

Oftmals sind die Tatort-Drehbücher relativ langweilig und schlichtweg schwach geschrieben. Vielleicht jeder fünfte ist wirklich sehenswert, gefühlte zwei bis fünf pro Jahr sind hervorragend. Bei ungefähr 35 Folgen keine überragende Zahl. In diesem Jahr stach für mich bisher die Hamburger Folge heraus, eine aus Wien war auch nicht übel. Gut finde ich auch das neue Frankfurter Team, aber wenn man sich an die meisten Folgen schon Wochen später nicht einmal mehr wirklich erinnern kann, dann ist das leider kein Qualitätsmerkmal. Auch frage ich mich, ob man wirklich 17 verschiedene Ermittlerteams braucht? Der WDR bekommt nach Köln und Münster demnächst sogar sein drittes.

Ja, der WDR ist die größte Sendeanstalt innhalb der ARD und Nordrhein-Westfalen das mit Abstand größte Bundesland Deutschland, aber drei verschiedene Tatort-Teams sind trotzdem etwas übertrieben. Ich habe auch nichts gegen etwas neues und da beim Team Dortmund die entzückende Aylin Tezel mit von der Partie ist, finde ich das grundsätzlich erst einmal gut, aber hätte man dann nicht endlich dafür das ausgelutschte Kölner Team in Rente schicken können?

Braucht man wirklich Teams in Hamburg und Bremen, im Saarland, und zwei in Hessen? Wäre es nicht eine gute Idee, die Gesamtzahl der jährlichen Folgen vielleicht um zehn zu reduzieren, so die Qualität zu erhöhen und an den freigewordenen Sendeplätzen herausragende Kinofilme zu zeigen? Es müssen ja keine teuren Produktionen sein, die erst ein, zwei Jahre alt sind. Einfach nur qualitativ gute Filme, egal ob 5, 15, 25 oder 65 Jahre alt. Tatsächlich zeigen ARD und ZDF zurzeit am besten Sendeplatz um 20.15 Uhr so gut wie nie Kinofilme, schon gar keine ausländischen.

Wenn irgendwann gegen 22 Uhr wenigstens regelmäßig welche kämen, dann würde ich mich nicht beschweren, aber das ist auch nicht der Fall. Einzig im ZDF kommt montags gegen 22.15 Uhr ein solcher Film. Dort mangelt es dann aber leider häufig an Qualität wie heute bei „Das Mercury Puzzle“ mit Bruce Willis. Ansonsten? Nur Shows, Krimis, TV Filme und schlechte deutsche Serien. Ab und an noch eine Doku und etwas Sport, aber das war´s. Wer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen internationalen Filmhit sehen will, muss warten, bis viele andere im Bett liegen.

Wieso ist das so und was steckt dahinter? Ich verstehe es nicht und ich verlange ja nicht, dass die beiden Sender ihr komplettes Programm auf den Kopf stellen. Sollen die alten Leute ihre Show mit Carmen Nebel bekommen und die etwas weniger alten ihren langweiligen TV Film mit Elmar Wepper. Jeweils ein wöchentlicher Termin um 20.15 Uhr und einer gegen 22 Uhr (vielleicht eine Talkshow pro Sender dafür abschaffen) sollte aber schon drin sein. Ihrem Bildungsauftrag würden dieser Sender so auch ein wenig besser nachkommen.

Übrigens ist der Film ein Bereich, in dem viele Menschen in diesem Land furchtbar ahnungslos sind. Hier wäre es auch endlich mal Zeit, dass das Thema Film im Kunstunterricht unserer Schulen einen festen Platz bekommt. Ich habe nichts gegen Malerei, schaue mir bestimmte Bilder gerne an, mag einen Edward Hopper oder auch einen Künstler wie Joseph Beuys, aber wie verdammt überstrapaziert wurden diese Dinge in meiner Schulzeit? Filme dagegen spielen in meinem Leben eine viel größere Rolle. Den meisten Menschen dürfte es ähnlich gehen. Trotzdem wurde zu meiner Schulzeit im Kunstunterricht nie über Filme gesprochen. Ich befürchte, hier hat sich traurigerweise nichts geändert.

Wie wäre es denn zum Beispiel mit dem Programmplatz Freitag, 21.45 Uhr, ARD? Dort laufen immer die Wiederholungen der Sonntagskrimis (den Polizeiruf 110 gibt es ja manchmal auch noch), die wenige Jahre zuvor ausgestrahlt wurden. Eine schön billige Lösung, aber für den Zuschauer ziemlich nutzlos, weil Tatorte in den dritten Programmen sowieso laufend wiederholt werden. Wenn wenigstens die „richtigen Klassiker“ am Freitag in der ARD liefen, wenn man nacheinander alle von Finke, Haferkamp oder Schimanski wiederholen würde: Das traut man sich dann aber auch leider nicht.

Zurück zum Film des Sonntags, der vorwiegend heute kam. „Fish Tank“, der einige Preise gewann, ist ein Drama, welches in der englischen Unterschicht spielt. Der Film besticht durch eine hervorragende Hauptdarstellerin namens Katie Jarvis und dem gewohnt überzeugenden Michael Fassbender, der nebenbei heute seinen 35. Geburtstag feiert. Wer mehr über „Fish Tank“ von Andrea Arnold wissen will, kann sich beispielsweise hier informieren. Der nächste nennenswerte Film, den die ARD ausstrahlt, ist übrigens eine nette, französische Komödie mit dem Titel „Ein Mann sieht rosa“ (Le placard) mit Daniel Auteuil, Gérard Depardieu und Thierry Lhermitte. Wann die zu sehen ist? Na heute Nacht, gegen 1.20 Uhr…

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From → Film + TV, Kultur, Medien

4 Kommentare
  1. Pierrot permalink

    Super Film! Habe ich zufällig gesehen. Hätten Sie vielleicht früher drauf aufmerksam machen sollen. Guter Text ansonsten. Kunst in der Schule war katastrophal.

    • Leider habe ich das zu spät gesehen und ich kannte den Film zuvor auch nicht. Sonst hätte ich das gemacht. Ansonsten danke.

  2. Horst Meier permalink

    Als Berliner hätte ich gerne ein neues Tatort-Team. Boris Aljinovic geht noch, aber Dominick Raacke kann ich kaum ertragen. Die Drehbücher sind zumeist auch wirklich schwach. Außerdem wäre mir eine richtig gute Episide pro Jahr aus Berlin viel lieber als zwei oder drei durchschnittliche oder schwache. Es wäre auch angebracht, die Stadt ein bisschen anders zu präsentieren, aber ich will nicht langweilen.

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  1. Schauen Sie lieber weg! « Ziegenhodensuppe           

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