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Die Wagenknechtschen TV Tage

17. März 2012

Sahra Wagenknecht ist recht häufig im deutschen TV zu sehen. Ich finde das grundsätzlich sehr gut. Ich sehe sie gerne, ich höre ihr mit Freude zu und stimme meistens mit ihr überein. Sie wiederholt sich zwar nicht selten, aber das tun Politiker, die wesentlich weniger intelligente Dinge zu sagen haben, leider ebenfalls. Von daher kann und will ich sie hierfür auch nicht wirklich kritisieren. Gute Punkte und Argumente muss man einfach auch immer wieder auf den Tisch bringen, wenn viele Menschen sie ignorieren.

Zunächst war Sahra Wagenknecht in dieser Woche am Montag im SWR zu bewundern und zwar bei einer Sendung mit dem Titel „2+Leif“. Vom Moderator Thomas Leif hatte ich zuvor noch nie gehört und das Wissen um die Existenz dieses Mannes und seiner Polit-Show hat mein Leben im Anschluss nicht nachhaltig bereichert. Immerhin hat er aber nicht nur Weichspüler-Fragen gestellt. Ich sehe dabei auch mal darüber hinweg, dass er das Wort „Occupy“ nicht richtig aussprechen konnte.

Das Thema der Sendung war übrigens Joachim Gauck, der bekanntlich morgen völlig überraschend mit großer Mehrheit zum neuen deutschen Bundespräsidenten gewählt wird. Kontrahent von Wagenknecht in dieser Sendung? Patrick Döring, die neue FDP Nervensäge, die dieses tolle Foto bei sich auf der Hompage hat. Da kann einem schon der Appetit vergehen. Interessant in dieser Sendung war die Zwischenstimme eines wirklichen DDR-Bürgerrechtlers, der sich von Gauck als Bundespräsident sehr wenig begeistert zeigte.

Bei Beckmann ging es am späten Donnerstagabend, oh Wunder, um das gleiche Thema. Hier waren neben Sahra Wagenknecht die blinde ehemalige Biathletin Verena Bentele zu Gast, die als Wahlfrau der SPD morgen für Gauck stimmen wird, so wie Jakob Augstein. Achja, die neben Beckmann nervigen Nikolaus Blome und Marianne Birthler hätte ich jetzt beinahe vergessen. Insgesamt eine Sendung ohne Höhepunkte, die man sich wirklich hätte schenken können, wie ich es bei Beckmann sonst berechtigterweise fast immer mache.

Sehr gut hatte mir am selben Abend aber zuvor die Sendung „3satbuchzeit“ mit Gert Scobel und Sahra Wagenknecht gefallen, welche man sich hier anschauen kann. Wagenknecht und Scobel stellten interessante Bücher vor und sprachen natürlich auch über das letzte der in Jena gebürtigen Linken, „Freiheit statt Kapitalismus“, welches in der Tat sehr lesenswert ist. Selbstverständlich kam Wagenknecht auch in dieser Sendung immer wieder auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zu sprechen. Ich bewundere, wie hartnäckig und leidenschaftlich sie ihre Meinung in den verschiedensten Situationen vertritt.

Bei manchen Politikern frage ich mich häufig, was sie überhaupt bewogen hat, sich politisch zu engagieren. Warum tritt man zum Beispiel der CDU bei? Vielleicht weil man mehr oder weniger alles toll findet, wie es ist und nicht wirklich möchte, dass sich Dinge verändern? Sahra Wagenknecht möchte etwas verändern. Wäre das nicht der Fall, könnte sie beispielsweise auch als hauptberufliche Autorin ein wesentlich stressfreieres Leben führen.

Als sie 2009 für das Direktmandat im Wahlkreis Düsseldorf-Süd kandidierte, konnte ich es zunächst kaum glauben. Sie war damals schon die interessanteste Politikerin dieses Landes für mich und kam ausgerechnet hier hin. Hier? Genau, seit vielen Jahren wohne ich in Düsseldorf-Unterbilk, einem Stadtteil, der zu ihrem Wahlkreis gehört. Ja genau, der Wahlkreis ist ein wenig größer als Herr Beckmann wohl vermutet hat, als er in seiner Sendung leicht abwertend etwas sagte wie „das ist doch Wersten, Benrath und so?“ In Düsseldorf-Süd leben über eine Viertelmillion Menschen, lieber Reinhold.

Wagenknecht bekam 2009 übrigens knapp 10 Prozent aller Stimmen, was für Düsseldorf schon sehr ordentlich ist. Ich hoffe, sie bleibt hier und kann dieses Ergebnis noch mindestens einmal verbessern. Ein Punkt, der mir an ihrer Politik übrigens immer wieder sehr gefällt, ist ihre Einstellung zum Thema staatlicher „Ausgaben vs. Einnahmen„. Wenn ich höre und sehe, wie immer wieder vom Sparen gesprochen wird und man die Schuldenprobleme praktisch aller Staaten (die nicht Steuerparadise, Fürstentümer und Co. sind) deren Ausgabenseite anlastet, wird mir schlecht. Sicherlich ist Verschwendung schlecht und unnötig, selbstverständlich muss man umstrittene Ausgaben genau unter die Lupe nehmen, aber der Schlüssel zur Schuldeneindämmung (an das Wort Abbau traue ich mich gar nicht heran) muss eine Steigerung der Einnahmen sein.

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One Comment
  1. Mal kein Verriss der Señora Wagenknecht? Eine erfrischende Abwechslung.

    Ich muss ihre hölzerne Art nicht mögen, muss nicht in allen Punkten mit ihr übereinstimmen – aber sie argumentiert überzeugt und überzeugend, deckt die Schwachstellen der Gesellschaft meist mühelos auf. Beinahe eine Frechheit, sie neben diesen Patrick Döring Muppet zu setzen, der physisch so ein Schwergewicht ist wie intellektuell ein Federgewicht. Gut, dass ich es nicht gesehen habe.

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