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Der Super-Gauck

20. Februar 2012

Ich hätte es wirklich nicht erwartet. Noch Freitag schrieb ich in einem Kommentar im empfehlenswerten Blog von Jacob Jung, dass Joachim Gauck meiner Meinung nach nicht neuer Bundespräsident werden würde. Diese Schmach würde Merkel nicht akzeptieren und deshalb einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern, meinte ich. Außerdem war da noch das Gespräch von Gauck mit Zeit-Herausgeber Josef Joffe und Redakteur Jochen Bittner im vergangenen Jahr, welches zumindest vielen in der SPD und bei den Grünen nicht gefallen haben dürfte.

In diesem Gespräch sagte Gauck unter anderem, dass die Antikapitalismus-Debatte albern sei und er kritisierte die Occupy-Bewegung, sowie die Art und Weise des Atomausstiegs und auch die Protestkultur im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich mir von einem Bundespräsidenten wünschen würde. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass auch er bisher zu den „Ausgrenzern“ der Linkspartei (und damit irgendwie auch von Millionen Wählern) gehört(e). Jene Partei übrigens, die bei der Auswahl dieses sogenannten Konsenskandidaten natürlich übergangen wurde.

Nun gut, wirklich falsch lag ich mit meiner freitäglichen Vermutung übrigens auch nicht. Merkel wollte Gauck zunächst nicht, aber auf Töpfer konnte man sich nicht einigen, Norbert Lammert hatte keine Lust und Andreas Voßkuhle sagte ebenfalls ab. Im vorletzten Jahr wäre Gauck sicher eine bessere Wahl als Wulff gewesen, jetzt ist der gebürtige Rostocker nach diesen Aussagen für mich genau so ein Flop wie es der Niedersachse damals war. Wählen werden ihn natürlich fast alle, die nicht der Linkspartei zugehörig sind. SPD und Grüne feiern ihren späten Triumph mit Genugtuung und freuen sich über die Probleme der schwarz-gelben Koalition, die ihrerseits jetzt auf Drängen der FDP ebenfalls auf Gauck setzt und dieses Thema wahrscheinlich schnellstmöglich abhaken möchte.

Ob es wirklich wichtig ist, wer Bundespräsident wird, kann man sich durchaus fragen. Mir persönlich wäre aber zweifellos jemand viel lieber gewesen, der keine Menschen ausgrenzt. Jemand mit positiven Utopien, zu denen zwingend ein gerechteres Land und bestenfalls auch ein Überkommen des Kapitalismus gehört. Wäre diese Person dann noch eine Frau, würde ich mich begeistert zeigen. Ich wüsste gerade keine perfekte Kandidatin, aber jemand schlug im Forum bei SPON Marina Weisband vor, was ich eine tolle Idee fand. Eine in Kiew geborene junge, attraktive Jüdin, die von der Politik noch nicht versaut ist. Völlig unrealistisch, aber das hätte doch wirklich etwas.

Mit Margot Käßmann hätte ich mich auch noch anfreunden können. Ich bin zwar grundsätzlich kein Freund von Kirchenmenschen, aber Käßmann zeigt zumindest immer ein ausgeprägtes soziales Gewissen und verkörpert nicht die blinde Wirtschaftsgläubigkeit Gaucks. Der hat allerdings in der Bevölkerung einen großen Rückhalt, sodass von dieser Perspektive gesehen seine Wahl nicht zur Farce wird, wie die seines Vorgängers. Die Wahl von Gauck wird sicherlich auch im Anschluss nicht zum Super-Gau wie die von Wulff, doch der Super-Gauck, zu dem der Mann im Jahr 2010 gemacht wurde, ist er absolut nicht, ob gewaschen oder ungewaschen.

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From → Politik

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