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Neue Tweets – Teil 26

Bevor es diese Woche mal wieder etwas Neues zu lesen gibt, nach langer Zeit erst einmal ein Blick Richtung Twitter. Es folgen meine bescheuertsten und besten Tweets der letzten Monate. Viel Spaß!

–  Ich gehe weiterhin davon aus, dass City Meister wird. Wenn nicht, dann habe ich irgendwie das Gefühl, es wird nichttwitter-logo Chelsea sein… [Anmerkung: Am 22.3. getwittert. Manchmal ist es richtig scheiße, wenn man so 100%ig Recht hat.]

- Hübsche Kassierin eben bei Rewe. Sie: “Payback Karte?” Ich: “Nein.” Sie: “Interesse?” Ich: “Ja, aber nicht an einer Payback Karte.”

- Wenn ich manche Bus- und Straßenbahnfahrer so sehe, frage ich mich, warum es nicht “öffentlicher Narrverkehr” heißt.

- Früher habe ich mich immer gefragt, warum von diesem Kalle andauernd alle nach Dover fahren.

- “ORRR, DIESER KRACH!” “DU SPIELST SCHACH?” “NEIN, KRACH! IST ZU LAUT HIER. TOO MUCH NOISE!” “WAS IST IN NEUSS?” “NEE, GIBT NIX NEUES!”

- “Ich gehe jetzt zum Türken und hole mir einen…” “…runter?” Warum Gespräche mit mir nicht immer einfach sind.

- Früher dachte ich, Antifa würde bedeuten, dass man gegen Deo ist.

- Es nervt schon, wenn überall in Worten “ver” durch “fair” ersetzt wird. Also “Fairhandeln” und so… Wie wäre es mit ?

- P.K. Subban on Gm 7: “I can’t wait for the crowd, the noise, the energy in the building. I can’t wait to take that all away from them.”

- Da stellt mein Chef mich doch tatsächlich als freundlich und kompetent vor. Schon hat der neue Kollege ein völlig falsches Bild von mir.

- “Mario Basler hat Geschichte geschrieben” “Ach, wie schön. Der geht nochmal zur Schule?”

- Bin eben aus der Pizzeria geflogen. Nur, weil ich eine Pizza Winter für 2 Euro wollte. Macht doch Sinn, wenn die 4 Jahreszeiten 8 € kostet!

- Wo liegt eigentlich dieses Vernunft, wo andauernd Leute irgendjemanden hinbringen wollen?

- Dieser Gedanke, dass Menschen, die viel verdienen, irgendwie auch immer mehr leisten, ist nicht totzukriegen.

- Ein kleiner Vogel sitzt auf meinem Nachtisch. Es gibt Donauwellensittich.

- Ein Freund von mir hat eine komische Stelle gefunden. Den Apfel hat er dann gleich weggeworfen.

- Großes Rüsseltier mit Vorliebe für Softdrinks? Elefanta

- Wäre schon cooler, würden Spaziergänger ihre Hunde anstarren und die Smartphones an einer Leine hinter sich herziehen statt umgekehrt.

- Erst dachte ich, es ginge um einen Türken, der daneben lag. Jetzt verstehe ich. Alliierte also und nicht Ali irrte.

- Habe bei mir einen Kindergarten eröffnet. Musste die Kleinen aber leider auf dem Rasen anketten, weil sie mir sonst die Blumen zertreten.

- Kommt ein Mann fluchend in eine Pommesbude. “Tourette?” “Nein, Pommes Mayo bitte.”

- Der Montag rückt mit großen Schritten näher. Viele von uns müssen dann wieder arbeiten, Joachim Gauck wird wohl in den Krieg ziehen.

- Möchte T-Shirts mit “Lasst die verfickte zweite Kasse doch einfach offen, Ihr Pisser!” drucken lassen. Wer hat Interesse?

- “Mögen Sie harte Arbeit?” “Nö.” “Kundenkontakt?” “Muss nicht sein.” “Aufstiegschancen?” “Mir egal.” “Willkommen bei OBI.”

- Chef: “Ist die Frau Kaufmann schon da?” Ich: “Die MILF?” Chef: “Die was?” Ich: “Sitzt in ihrem Büro, ich habe Feierabend. Bis morgen dann.”

- Putziger Wettstreit im Supermarkt: “Ja, ist nicht einfach, bin schon 77.” “Pah, ich bin 82.” “Mein Mann ist 84.” “Nein.” “Doch.” “Orrr.”

- Ich mache demnächst eine Bar auf. Dort gibt´s sehr viel Obst und nur schwangere Kellnerinnen. Ich nenne den Laden “Fruchtbar.”

- Wer meint, Geld stinkt nicht, hat noch nie mit schwitzenden Händen einen Haufen Münzen gezählt.

- Midnight in Pjöngjang

- Harold und Mord

- My Blackberry Nights

- Wie ein einziger Sarg

- Magnolien aus Stuhl

- “Wo bist Du denn?” “Libanon.” “Bist Du noch bei Trost?” “Nein, Beirut.” “Bei welcher Ruth?”

- Manche Models haben heute sicher wieder weniger gegessen als mir eben aus dem Döner fiel.

- Diese Mother E-Sharif muss die heißeste Milf überhaupt sein. So viele Leute sind bei der schon gelandet.

- “Ich nerve?” “Ja und meine Hemmschwelle sinkt.” “Welches Lied singt sie denn?” “So, Abendessen ist gestrichen!” “Cool, in welcher Farbe?”

- Warum muss die langsamste Kassiererin aller Zeiten (ich nenne sie Fräulein Stornoschlüssel) ausgerechnet im Supermarkt nebenan arbeiten?

- Reservoir Hot Dogs

- Bei Anruf Mortadella

Vielleicht auch von Interesse:

- Neue Tweets – Teil 25

22.000 Kilometer in 22 Tagen

Der Tag ist endlich gekommen, an dem mein Buch erhältlich ist. Die erste Lieferung von “22.000 Kilometer in 22 Tagen” erreichte Düsseldorf am heutigen Mittag. Ab sofort ist mein Reisetagebuch für 8,90 Euro (9,95 Euro per Büchersendung) hier zu bestellen. 

Bjoerns_Buch

Worum geht es? Im letzten Sommer machte ich mit einer sehr guten Freundin eine interessante, intensive Reise, die uns von Düsseldorf über Moskau, Sibirien (Irkutsk, Listwjanka, Wladiwostok) und Peking in die Mongolei führte. Highlights waren die 9288 legendären Kilometer mit der Transsibirischen Eisenbahn und unsere beeindruckenden Tage in der mongolischen Steppe. Von der ein oder anderen hässlichen Stadt, Schlafmangel, skurrilen Begebenheiten und ein paar Missgeschicken wird aber auch berichtet. Zwei Auszüge aus dem Buch kann man sich hier durchlesen:

In der Transsibirischen Eisenbahn

Der zweite Auszug aus meinem Buch

“22.000 Kilometer in 22 Tagen” ist momentan nur bei mir direkt und in gedruckter Form erhältlich. Ob es ein E-Book geben wird, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich aber eher nicht, denn dies ist einer der ganz wenigen Bereiche, in dem ich altmodisch bin. Wer das Buch haben möchte, schreibt einfach eine E-Mail an: Bjoern2711@gmx.de mit dem Wort “Buch” in der Betreffzeile. Eine persönliche Übergabe in Düsseldorf ist möglich oder aber eine Bestellung. Dann wird selbstverständlich in der E-Mail noch die Adresse benötigt.

Jede Leserin und jede Leser, die/der am Ende etwas angetan ist, darf das Buch sehr gerne weiterempfehlen. Ob persönlich, in sozialen Netzwerken oder sonstwie. Warum nicht einfach jemanden eines zum Geburtstag schenken? Der Gewinn soll in das Reisen fließen. Meine nächste ist fest geplant, die übernächste bereits in meinem Kopf. Die Ziele könnten unterschiedlicher nicht sein und die ersten beiden Kapitel eines weiteren Reisebuchs sind auch schon fertig. Vor allem das Kapitel über Budapest würde ich am liebsten schon jetzt veröffentlichen…

Zum Schluss noch das Video zu “22.000 Kilometer in 22 Tagen”:

Es geht los

In wenigen Stunden mache ich mich auf den Weg zum Flughafen. Eine Woche in Budapest, am Balaton und Slowenien steht auf dem Programm. Endlich wird auch dann mein Buch gedruckt, über das ich hier in den letzten neun Monaten immer mal wieder geschrieben habe.

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Budapest

Wer darüber (nochmal) etwas lesen möchte, schaut am besten “hier” rein. Von unterwegs werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bloggen, aber im Anschluss sollte es einiges zu berichten geben. Über die Reise, das Buch und vielleicht habe ich noch den ein oder anderen WM-Gedanken, den ich teilen möchte, auch wenn ich bis zum Spiel Frankreich-Deutschland (sofern es dazu kommt) keine Partie unbedingt sehen will.

WM: Die Berichterstattung in den deutschen Medien

Seit gut zwei Wochen läuft die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Für mich Zeit, einen kritischen Blick auf die Berichterstattung der deutschen Medien zu werfen, wobei ich mich aus Zeitgründen fast ausschließlich mit der ARD und dem ZDF beschäftige. 

Simon

Steffen Simon, Leiter der ARD-Sportschau und nerviger Fußballkommentator.

Sind Sie auch so begeistert von dieser tollen WM? Grandiose Spiele auf technisch und taktisch höchstem Niveau, souveräne Schiedsrichter und eine erstklassige Berichterstattung im deutschen Fernsehen. Sie stimmen zu? Dann sollten Sie schnell Ihr Fernsehgerät einschalten. Vielleicht verpassen Sie sonst eventuell, wie Katrin Müller-Hohenstein vor laufenden Kameras die Stollen von Bastian Schweinsteigers Fußballschuhen sauber lutschen darf. Ansonsten lesen Sie ruhig weiter, denn ich sehe ein ganz anderes Turnier.

Ich gebe zu, dass der Job des Fußballkommentators kein einfacher ist. Live kann man eben kein unüberlegtes Wort zurücknehmen, jeder Versprecher bleibt hängen. Ob es einem nicht doch in letzter Sekunde auffallen sollte, dass ein Satz wie “”die sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert” (Steffen Simon über die Iraner), mehr als ein kleiner Fauxpas ist, darf jeder gerne für sich selbst entscheiden. Gerade bei Simon nerven mich andere Dinge viel mehr. Vor allem seine ständige Tendenz, harmlose Strafraumszenen spannender zu quatschen als sie sind.

Hatte Simon Raheem Sterling schon einmal spielen sehen?

Was Taktik und Spielanalyse angeht, hat Simon so gut wie nie etwas zu bieten, was einem “Bei-der-EM-und-WM-schaue-ich-dann-aber-schon-mal-zu” – Gucker nicht auch auffällt. Wenn man bedenkt, welchen Hype eine Fußball-WM in Deutschland auslöst, ist es auch bemerkenswert, dass offenbar eine intensive Vorbereitung bei vielen Kommentatoren keine Rolle spielt. Natürlich lesen sie sich Informationen an, aber wie ist es möglich, dass ein Steffen Simon offenbar keine Ahnung hat, was für eine starke Rückrunde ein Raheem Sterling in Liverpool spielte und so weder dessen Einsatz noch Sterlings gute Leistung beim Spiel England gegen Italien wirklich überraschend waren? Ich vermute, Simon selbst hatte Sterling zuvor noch nie spielen sehen.

Eng_Sterling

Dieser Sterling kann tatsächlich Fußball spielen

Wenn jemand ein WM-Spiel zwischen Italien und England kommentiert, darf man schon erwarten, dass die Person in der abgelaufenen Saison zumindest ein paar Spitzenspiele der Serie A und der Premier League gesehen hat. Es ist ja auch nicht so, als müsse man dafür im Jahr 2014 nach Rom, Turin, London oder Liverpool fliegen. Simon würden Reisen dahin allerdings sicher nicht schaden. Vielleicht wäre ein Sabbatjahr gut, einfach mal viele Spiele schauen und die Klappe halten. Fairerweise muss ich anmerken, dass das ZDF mit Béla Réthy an der Spitze auch nicht mit einem Großen seiner Zunft besticht. Auf der anderen Seite hat die ARD durchaus einige fähigere Mitarbeiter, welche jedoch zumeist jene Spiele kommentieren, die nicht im Hauptinteresse des breiten Publikums stehen.

Die fragwürdige Arbeit der meisten Kommentatoren von ARD und ZDF wird aber noch bei weitem durch die oft unterirdischen Vorstellungen der Reporter und Experten in Brasilien überboten. Ich habe kein Problem damit, dass sich Giovane Élber mit der deutschen Sprache noch immer häufig schwer tut. In der Analyse nach den Spielen hat Élber allerdings so gut wie gar nichts anzubieten. Peinlicher ist aber selbstverständlich noch der ARD-Einsatz seiner Landsfrau Fernanda Brandao, deren Aufgabe natürlich eine andere ist. Aber welche eigentlich? Sie ist gebürtige Brasilianerin, sehr attraktiv und? Und nichts. Das muss reichen. So erzählt Brandao freudestrahlend davon, dass sie so gerne einmal im holländischen Bus mitfahren würde, weil da immer so gute Stimmung herrsche. A. Ha.

Katrin Müller-Hohenstein toppt alles

Im Gegensatz zur ARD präsentiert uns das ZDF eine wahre MILF (MIst Labernde Frau), die sich leider auch noch direkt mit dem weltweit beliebtesten Mannschaftssport beschäftigt. Nein, das macht sie nicht wirklich. Sie füllt lediglich die Rolle eines Fans aus, dem es gelungen ist, aus dem deutschen Lager berichten zu dürfen. Eine kritische Distanz zur deutschen Mannschaft ist selbst beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen allgemein non-existent, Müller-Hohenstein unternimmt allerdings nicht einmal die geringste Anstrengung, eine solche vorzutäuschen. Da wird neckisch am Pool geplauscht, auf die Minute genau vorgetragen, wann der deutsche Mannschaftsbus wo angekommen ist und wer vielleicht ein unbedeutendes Wehwehchen mit sich rumschleppt.

Wie sie sichtlich mitleidend über die Verletzung von Mats Hummels erzählt und ansonsten freudestrahlend vorwiegend über Nebensächlichkeiten schwafelt, sagt vieles über ihre Berufsauffassung aus. Ach, Sie interessiert es, dass mannschaftsübergreifend Schafkopfrunden stattfinden und die Tatsache, dass sich der DFB Bus einmal durch die Wassermassen kämpfen musste? Das konnte ich nicht wissen. Im Jahr 2014 gibt es in Deutschland längst genug Frauen, die über Fußball einiges zu sagen hätten, doch das scheint offensichtlich nicht gefragt zu sein. Sehr, sehr schade. Ich persönlich könnte mir theoretisch die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus anstelle von Urs Meier als Bereicherung vorstellen.

Urs Meier bleibt ohne Klopp blass

Bei der Europameisterschaft 2008 bildete Urs Meier im ZDF mit Jürgen Klopp noch ein sehr starkes Duo. Ohne Klopp, der den Zuschauern immer wieder fachlich interessante und gute Analysen präsentierte, enttäuscht Meier. Gestern lobte der ehemalige Schiedsrichter aus der Schweiz gar kritiklos das lächerlich harte FIFA-Urteil im Fall Luis Suárez. Jeder soll für sich selbst entscheiden, welche Bestrafung in einem solchen Fall angemessen ist. Den Arbeitgeber von Suárez gleich mit zu bestrafen, ist ein Unding.  Man hätte dem Stürmerstar aus Uruguay beispielsweise eine Geldstrafe aufbrummen können, die er wirklich spürt. 100.000 Schweizer Franken sind für ihn weniger als ein wöchentliches Gehalt. Auch hätte man ihm eine 13-monatige Länderspielsperre geben können, sodass er die Copa América 2015 verpassen würde. Das wäre zwar auch unangemessen gewesen, aber seinen Verein für dieses Vergehen leiden zu lassen, ist indiskutabel. All das wurde nicht diskutiert.

Abgesehen vom ein oder anderen Geistesblitz Mehmet Scholls bleiben die Analysen enttäuschend. Fast kontinuierlich kratzt man an der Oberfläche. Man lechzt nach Sensationen, wohl wissend, dass diese bei einer solchen WM früher oder später von alleine kommen. Oliver Kahn schwafelt gerne über “wichtichche Dinge”, mentale Belastungen und Automatismen und wiederholt sich auf penetrante Art und Weise, während sein Zusammenspiel mit Oliver Welke, der bei der Heute Show wesentlich besser aufgehoben ist, erkenntnisarm und zumeist auch äußerst unlustig bleibt. Kahn gehört zu den clevereren Ex-Spielern ohne eine intellektuelle Vorzeigegestalt Deutschlands werden zu können. Dennoch kann und muss man mehr von ihm erwarten, als die ein oder andere zutreffende kritische Beurteilung eines Torhüters vorzubringen.

Kritik scheint ungewollt

Ehrliche, offene und schonungslose Kritik scheint schlichtweg ungewollt zu sein. Man möchte von der WM profitieren. Man will den Zuschauern offensichtlich verbissen verkaufen, dass sie etwas Großem beiwohnen. Ehrlichkeit könnte natürlich auch die Einschaltquoten gefährden… Es wird da kritisiert, wo es unumgänglich ist. Bei unerklärlichen Fehlentscheidungen nicht weniger Schiedsrichter, bei glasklaren Fouls, bei einer peinlichen Schwalbe wie der des Brasilianers Fred im Eröffnungsspiel gegen Kroatien oder eben im Fall von Luis Suárez. Man gefällt sich lieber darin, Nebensächlichkeiten breitzutreten. Man diskutiert die Torkamera, macht alberne Witze über das Freistoßspray (Sprühsahne, Rasierschaum, hahaha) und thematisiert unaufhörlich das Wetter.

Über die Spanier schüttete man lieber kübelweise Häme aus und erzählte Lapidares über eine zu satte und zu alte (insgesamt völliger Quatsch) Mannschaft, anstatt den Trainer Vicente del Bosque ernsthaft zu hinterfragen. Nach der ersten Partie der Spanier gegen Holland betitelte man das letztendlich womöglich spielentscheidende und eindeutig irreguläre 1-3 als Randnotiz. Auch der auf diesem Niveau völlig überforderte und ungeeignete englische Trainer Roy Hodgson, welcher nicht wie sein italienischer Kollege Cesare Prandelli den Anstand besitzt, zurückzutreten, kam gut davon. Man erwartete von England ja eh nichts. Hätte die Mannschaft besser organisiert mit drei zentralen Mittelfeldspielern agiert, wären die Erfolgschancen allerdings deutlich größer gewesen. Gary Lineker hat es erkannt, auch wenn ich seine Kommentare über Wayne Rooney und Steven Gerrard nicht nachvollziehen kann:

Bitte nicht zu viele Demos

Ein ganz besonderes Schmankerl, welches ich beinahe vergessen hätte, bot den ZDF Zuschauern nach wenigen WM-Tagen übrigens noch Béla Réthy. Ihm gelang es tatsächlich, die zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zum Turnier von 2010 deutlich höhere Anzahl von Toren mit den unterschiedlichen Systemen zu erklären, die bis dahin in Brasilien aufeinandertrafen. Leider fehlt mir die Zeit, diese unsinnige Aussage auseinanderzupflücken.  Eine große Unsitte ist und bleibt es im Sportjournalismus und nicht nur dort, komplette Nationen zu vereinnahmen. “Ganz Brasilien hofft auf den zweiten Sieg”, obwohl Dutzende Millionen Menschen dort wahrlich andere Probleme haben und nein, auch ganz Deutschland fiebert nicht mit Jogi, Schweini und Poldi. Vielen ist die Fußball-WM einfach völlig egal. Es soll sogar auch Menschen hierzulande geben, die sich gar einen anderen Sieger wünschen.

Sehr übel aufgestoßen sind mir die Relativierungen der Demonstrationen in Brasilien. Ja, vor der WM haben noch deutlich mehr protestiert, aber nun nicht mehr so viele, wurde uns in der ersten WM-Woche zigmal erzählt. Hmm, vielleicht stimmt das faktisch sogar, aber woran könnte das liegen? Eventuell auch daran, dass Menschen keine Lust auf Gummigeschosse im Bauch und Schlagstöcke im Gesicht haben? Nein, man will lieber Samba, Sonne und Strafraumszenen. Dankbar bin ich für die wenigen guten, kritischen Artikel, die ich über die WM bisher zu lesen bekam. Einen der besten lieferte “Zeit Online”, aber leider muss ich aus bekannten Gründen auf einen Link verzichten. Der große Rest der deutschen Presse (Ein Artikel bei Spiegel Online trug gestern tatsächlich den Titel “WM-Vorrunden-Bilanz: Heiß, heiß, Baby!) passt sich ARD und ZDF leider zu sehr an.

Von Tittenpaul, fiesem Krach und dem Hackbraten aus der Hölle – Teil 2

- Fortsetzung von vorgestern -

Als ich gerade mal wieder für ein paar Minuten Schlaf gefunden hatte, ging auch prompt die Tür auf und eine Krankenschwester stand vor mir.

Sie: “Hatten Sie heute schon Verdauung?”

Ich: “Nein.”

Sie: “Und was machen die Winde?”

Ich: “Winde?”

Sie: “Ja, die Winde?”

Ich: “Ich weiß nicht. Machen wir denn morgen einen Segelausflug?”

Blähungen als Winde zu bezeichnen, das war mir auch schon lange nicht mehr untergekommen. Ich berichtete also kurz von Windstärke 8-10, ehe ich wieder eindösen durfte.

Ich dachte später über meine Zivildienstzeit nach. Ob die Leute sich damals auf den Stationen des Krankenhauses auch so deplatziert und verloren vorgekommen sind? Die Zeit war jedenfalls interessant gewesen, wenn auch mitunter sehr nervig. Die insgesamt vier Zivis in meinem Bereich arbeiteten mehr als die Schwestern, die gerne mal stundenlange Besprechungen in einem eigentlich unzulässigen Raucherraum machten. Spaß hatten wir aber auch ohne Ende. Immer, wenn es darum ging, irgendetwas in die Augenarzt Praxis zu bringen oder von dort abzuholen, kloppten wir uns beinahe um den Job. Die Arzthelferinnen da waren einfach allesamt außergewöhnlich attraktiv. Wenn irgendwo nach Aussehen eingestellt wurde, dann dort.

Um einen Kollegen machte ich mir nach einiger Zeit große Gedanken. Er verbrauchte täglich so viel Sterillium, dass ich befürchtete, größere Hautfetzen würde sich nach einem halben Jahr langsam von seinen Fingerknochen lösen. Ein großer Spaß war auch immer wieder ein Abstecher in den Aufwachraum. Die Schwestern und Pfleger verbrachten augenscheinlich 90% ihrer Zeit dort mit dem Lesen von Zeitschriften und riefen von der Narkose noch benebelten Patienten selten mehr als “HINLEGEN, LEGEN SIE SICH BITTE WIEDER HIN” zu. Ein aufregender Job.

Der Zivi der Intensivstation hieß mit Nachnamen tatsächlich “Bettenpaul”. Als ich diesen Namen zum ersten Mal auf einem Formular sah, entzifferte ich ihn als “Tittenpaul”. Der Rest ist natürlich logisch. Bis zum Ende seines Zivildienstes wurde der junge Mann nur noch Tittenpaul genannt. Ich hoffe, er ist mittlerweile darüber weg. Wenn nicht, dann möchte ich mich an dieser Stelle in aller Form entschuldigen. Nee, doch nicht. Für mich war der interessanteste Tag des Zivildienstes übrigens jener, als ich bei einer Beinamputation dabei sein durfte. Gut, dass der Patient nicht mitbekommen konnte, wie sein Bein mit einem gekonnten Wurf aus der Halbdistanz im blauen Sack landete. Ja, das ist wirklich passiert.

Langweilig, aber viel, viel besser als bei meinem Aufenthalt im Düsseldorfer Krankenhaus, war damals übrigens das Essen. Ich war im Speiseraum übrigens schnell recht beliebt, weil ich nach wenigen Tagen stets meine eigene Pfeffermühle dabei hatte. Dennoch würde ich dem Essen dort auf einer Skala von 1-10 immerhin eine 3-4 geben, während das in der letzten Woche höchstens eine 1 verdient. Am Dienstag hatte es dort übrigens ein Nudelgericht gegeben. Besser als der Spinat-Omelette-Püree Horror, aber immer noch extrem schlecht.

In der Nacht war ich tot und im Himmel, dachte ich für ein paar Sekunden. Plötzlich stand eine junge, extrem hübsche, blonde Dame vor mir, reichte mir die Hand und sagte: “Hallo, ich bin Ann-Sophie, die Nachtschwester. Ich werde diese Nacht noch viermal kommen.” Ich sagte freundlich “Hallo” und hoffte, viermal dabei zu sein. Leider vergebens. Anschließend schlief ich tatsächlich einige Stunden, wobei in dieser Nacht auch kein Unwetter in der Stadt wütete.

Vor der Visite gegen 7.15 Uhr begann wieder der Baustellenlärm mich zu quälen. Was war nur mit der guten alten Bauarbeitersitte geschehen, nach der man ab 12 Uhr nur noch rumsaß und sich volllaufen ließ? Nein, nichts da, von 7-17 Uhr wurde fast konstant Krach gemacht. Die Visite lief ab wie gewohnt. Kurzes Abtasten, einige Fragen, Blicke auf die Entzündungswerte meines Blutes und allgemeine Ratlosigkeit der medizinischen Fachkräfte. Um eines vorwegzunehmen: Was ich nun genau habe/hatte, weiß bis heute niemand. Fazit: Ich sollte doch noch lieber einen weiteren Tag bleiben.

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Später bat mich eine weitere Schwester, die ich bis dahin noch nicht kannte, um einen Gefallen. Ich solle doch bitte in das Zimmer nebenan umziehen. Mir schwante böses und es kam so, wie es kommen musste. Für die hoffentlich letzte Nacht im Spital der Verdammnis war ich nicht mehr allein auf dem Zimmer. Na super. Einige Zeit blieb mir aber zunächst noch, denn der eine potentielle Zimmernachbar war gerade frisch operiert und der andere würde wohl noch mindestens einen Tag auf der Intensivstation bleiben müssen.

Am Mittag wurde ganz groß aufgetischt. Es gab Hackbraten mit Röstkartoffeln und Leipziger Allerlei. Hier das Hackbraten-Rezept: Man besorge sich gemischtes Hack, am besten vom kranken Stubenküken und Nachbars Blindenhund. Man strecke dieses mit möglichst viel, viel Semmelbröseln. Wichtig ist hier, unbedingt die billigsten zu kaufen, die in Europa erhältlich sind. Anschließend entfernt man vorsorglich bitte unbedingt alle Gewürze sorgsam aus der Küche. Nun wird das Hack in eine Auflaufform geklatscht und bei 180 Grad gegart. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, dann bitte noch einmal den Braten mit Alufolie luftdicht abdecken und das Ganze abermals in den Ofen stellen. Bei 80 Grad sollte man das gewünschte Ergebnis nach ziemlich genau drei Tagen erhalten.

Am Nachmittag wurde mir dann mitgeteilt, dass ich für jeden Krankenhaustag 10 Euro zuzahlen müsse, Einweisungs- und Entlassungstag werden dabei natürlich komplett berechnet. Sehr fair, wenn man an das leckere Essen denkt und daran, über wie viel Kohle die Krankenkassen verfügen. Könnte man nach ein paar Jahrzehnten ohne Krankenhaustag nicht wenigstens eine Frei-Woche bekommen? Nö, natürlich nicht. Hätte man diese 10 Euro am Tag wenigstens in besseres Essen investiert, wäre das zu verkraften gewesen. So kam ich mir doch ziemlich verarscht vor.

Ich halte es auch für ein absolutes Unding, dass man nicht einmal ein Stück frisches Obst am Tag in diesem Krankenhaus bekommt. Stattdessen werden billige, viel zu zuckerhaltige Joghurts auf´s Tablett gestellt. Was soll das? Niemand erwartet in einem Krankenhaus einen kulinarischen Hochgenuss, aber gesünder und ein wenig schmackhaft ginge es ohne großen personellen und finanziellen Aufwand von heute auf morgen. Offenbar ist man aber einfach zu dumm oder zu faul dazu. Eine andere Erklärung habe ich einfach nicht.

Es ist aber beileibe nicht nur das Essen und die Baustelle. In diesem Krankenhaus stimmt so einiges nicht und da lasse ich die persönliche Kompetenz und das Engagement des Personals ganz außen vor. Auf der gesamten Station herrscht eine lieblose Atmosphäre, die eigentlich nur dazu einlädt, krank zu bleiben. Die traurige Aufenthaltsecke mit zwei Tischen, ein paar Stühlen und einem Mini-Fernseher an der Wand, karge, triste Zimmer usw. Es gibt dort nichts Positives, nichts, was einmal vom Thema Krankheit ablenken könnte. Ein wenig freundlichere Farbe an der Wand und ein paar selbst gemalte Bilder von der Kinderstation wären schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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“Die beste Krankheit taugt nichts”, sagte Herr Maier (ca. 70 Jahre alt), der nach überstandener Darm-OP bis zum nächsten Vormittag mein Leidenspartner auf dem Zimmer war, am Nachmittag. Ich konnte nicht widersprechen. Er war nett und erstaunlich lebhaft, so kurz nach dem schweren Eingriff. “Ach, in ein paar Wochen wird´s schon wieder gehen und dann holen wir den geplanten Türkei-Urlaub eben nach”, meinte er entschlossen. Nur über das Essen und die Baustelle nebenan verlor auch er kein gutes Wort.

Wie denn das Abendbrot geschmeckt habe, fragte er mich später. “Nicht schlecht”, sagte ich. “Wenn etwas nach nichts schmeckt, kann es wenigstens auch nicht schlecht schmecken.” Herr Maier lächelte und erzählte mir, dass er bei seiner Voruntersuchung schon für drei Tage in den gleichen Genuss gekommen war und mehrmals seine Frau losgeschickt hatte, ihm ein anständiges Brötchen zu besorgen. Nein, die Küche hätte auch in ihm keinen neuen Fan gefunden. Immerhin gewann er so bei mir an Sympathien.

Am Donnerstag hatte der Spuk dann endlich ein Ende für mich. Auf meine während der Visite geäußerten Bemerkung, dass sich mein gefühlter Zustand in den letzten 24 Stunden nicht verbessert habe, schlug einer der Ärzte vor, ich solle vielleicht doch noch einen Tag bleiben. Ich legte Veto ein, ehe die Chirurgin vorschlug, der Oberarzt solle die letzte Entscheidung treffen. Ich willigte ein, da ich am Ergebnis wenig Zweifel hatte. Gegen 10 Uhr durfte ich dann endlich gehen. Ich verabschiedete mich von den Schwestern, Pflegern und natürlich Herrn Maier, packte meine Sachen zusammen und verließ das Krankenhaus. Draußen atmete ich tief durch. Ich war um einige Erfahrungen und eine längere Geschichte reicher, hätte darauf aber gut verzichten können.

Teil 1: Von Tittenpaul, fiesem Krach und dem Hackbraten aus der Hölle

Von Tittenpaul, fiesem Krach und dem Hackbraten aus der Hölle

Wenn man über 30 Jahre lang keinen einzigen kompletten Tag als Patient in einem Krankenhaus verbracht hatte, darf man sich über 75 Stunden nicht beschweren. Im Gegenteil: Man sollte froh sein. Dennoch gibt es einige Dinge, die mir von Montag an für mehr als drei Tage in einem Düsseldorfer Krankenhaus sehr übel aufgestoßen sind.

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Romantischer Blick aus dem Fenster meines Krankenhauszimmers

Alles fing mit einem komischen Grummeln im Magen an. Es war so gegen 18 Uhr am Pfingstsonntag und ich freute mich auf zwei, drei gemütliche Tage mit wenig Arbeit, etwas Radfahren, Lesen, der neuen Game of Thrones-Folge usw. Daraus wurde leider nichts, denn das Grummeln verwandelte sich in einen Druckschmerz etwas oberhalb davon, wo die meisten Menschen ihren Blinddarm haben. Nach wenigen Stunden war mir klar, dass dieser Schmerz von alleine wohl nicht wieder verschwinden würde. Es tat im Ruhezustand zwar kaum weh, aber tiefes Einatmen und abrupte Bewegungen bereiteten mehr als kleines Unbehagen.

Um 6 Uhr morgens machte ich mich zu Fuß auf den Weg ins nur 5 Gehminuten entfernte Krankenhaus. 12 Stunden nach Beginn der Schmerzen erschien mir genau die richtige Zeit zu sein. Zu spät, um als panischer Spinner zu gelten, der ich auch sicher nicht war. Gleichzeitig aber rechtzeitig genug, um einen Blinddarmdurchbruch oder dergleichen noch problemlos verhindern zu können. Von der Uhrzeit versprach ich mir auch etwas.

Tatsächlich war ich so früh morgens einer von nur zwei Patienten in der Notambulanz. Das änderte nichts daran, dass ich über eine halbe Stunde auf die erste, oberflächliche Untersuchung warten musste. Mit einem sehr ausführlichen und fachlich fundierten „Das kann alles mögliche sein“ eines osteuropäischen Dr. van Nostrand wurde ich weitergeschickt. Anschließend fühlte ich mich schon besser aufgehoben. Ich wurde in Ruhe von einem Pfleger, einer Krankenschwester und einem Assistenzarzt befragt, abgetastet und zuletzt nahm man mir Blut ab. Die Krankenschwester meinte irgendwann zu den anderen beiden: „Ich bin ja keine Expertin, aber ich denke, wir sollten schon die Chirurgin hinzuholen.“ Darauf ich: Das habe ich jetzt überhört.“

Zwei Stunden vergingen, ohne dass man mir irgendeine Beachtung schenkte. Natürlich braucht das Labor seine Zeit, aber man hätte ja schon mal kurz reinschauen können. Immerhin tröpfelte mir eine Infusionslösung, an einer nicht portablen Apparatur befestigt, in die Vene und so konnte ich schlecht zur Toilette. Außerdem hatte ich Durst, sehr großen Durst. Irgendwann nahm ich den Infusionsbeutel von der Vorrichtung und verließ den Raum. Recht schnell fand ich den Pfleger, der es für ein gutes Zeichen hielt, dass ich auf die Toilette musste.

Eine Urinprobe, eine Blutauswertung und eine Ultraschalluntersuchung ohne Ergebnis später, befand ich mich im Untersuchungsraum der blonden Chirurgin, die ich im Nachhinein schon ein bisschen geil fand. Wie sie gelangweilt in der Gegend rumstarrte und dann dieses Piercing. Wahrscheinlich war sie auch noch ein wenig jünger als ich. Die Dame hatte sich entschieden, mich erstmal eine Nacht da zu behalten. Vermutlich habe ich eine leichte Blinddarmentzündung, sagte sie. Ich könne mich aber natürlich auch gegen ihren Rat selbst entlassen.

Darauf verzichtete ich, zumal eine Nacht ja nun nicht wirklich schlimm klang. Anschließend musste ich die wohl üblichen Fragen beantworten. Also die nach Hausarzt, möglichen anderen Erkrankungen, Größe, Gewicht, Beruf usw. Irgendwann kam die Ärztin zum lustigsten Punkt. Sie: “Drogen?” Ich: “Grundsätzlich nein, aber wenn sie etwas interessantes anzubieten haben.” Sie lächelte etwas mitleidig.

Bei meinem ersten Essen am Mittag war ich es, der mitleidig lächelte. Das können die nicht ernst meinen. Das können die nicht ernst meinen. Das können die nicht ernst meinen. Ich weiß nicht, wie oft mir dieser Satz durch den Kopf stieß. Es gab kalten Instant-Kartoffelbrei, kalten Rahmspinat und ein Omelett, wie es in dieser Form nur eine Fabrik hinbekommen kann. Wie die dort den Ei-Geschmack herausbekommen, ist mir aber immer noch ein Rätsel. Gordon Ramsay hätte alles in die Mülltonne gespuckt, aber ohne Publikum macht das wenig Sinn. Zuletzt hatte ich so übel im August 2013 gegessen und zwar am Busbahnhof des sibirischen Irkutsk und ich bin relativ sicher, dass ich dort eine der schlechtesten Mahlzeiten ganz Russlands hatte. Immerhin wurde mir dieses Mal nicht schwindelig.

Wenigstens hatte ich ein Dreibettzimmer für mich alleine. Das war der einzige Lichtblick und die Tatsache, dass ich endlich dazu kam, “Extremely Loud & Incredibly Close” von Jonathan Safran Foer mal in Ruhe zu lesen. In böser Vorahnung hatte ich das Buch zusammen mit ein paar sauberen Klamotten zuhause in meinen Rucksack gestopft und mitgenommen. Ich vertrieb mir die Zeit abwechselnd mit schlafen und lesen, bis das Abendessen kam. Das überwältigte mich. Ob ich Tee oder Kaffee dazu wollte? Tee, antworte ich, gerne grünen. Den gab es natürlich nicht, dafür neben schwarzen noch drei, vier Sorten, die kein Mensch braucht. Um ziemlich genau 17.30 Uhr gab es zwei Scheiben Graubrot, geschmacksneutrale Wurst und Käse, der mich traurig machte. So etwas herzustellen, Käse zu nennen und Menschen zum essen zu geben, ist ein dreifaches Verbrechen. Am Mensch, am Tier und an richtigem Käse.

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Alle Patienten taten mir sehr leid, die keine Chance hatten, das Krankenhaus zu verlassen. Ich hätte mir nur 100 Meter weiter zur Not eine Pizza holen oder zum Koreaner gehen können. Ich passte mich aber an, fraß den Müll und hungerte die nächsten 14 Stunden. Das ist auch etwas, was ich höchst absurd finde. Man bekommt zwischen 7.30 und 17.30 Uhr drei Mahlzeiten und dann 14 Stunden gar nichts. Wie soll man so nicht spätestens um 23.30 Uhr wieder Hunger haben? Ach, ist egal, weil man dann ja schlafen soll. Ist ja auch kein Problem, wenn man permanent Geräusche vom Flur hört und auch nachts immer mal wieder jemand die Zimmertür öffnet.

Wie geruhsam der Pfingstmontag aber war, erfuhr ich nachdem die zu kurze Nacht zuende war. Pünktlich zur Visite wurde auf der Großbaustelle nebenan wieder die Arbeit aufgenommen. In den folgenden zehn Stunden gab es damit keine Chance, anständig zur Ruhe zu kommen und mal mehr als zehn oder fünfzehn Minuten zu schlafen. Die Visite selbst ergab auch nichts richtig Gutes. Meine Entzündungswerte im Blut waren erhöht, aber eine OP nicht nötig. Na immerhin. Ich solle auf jeden Fall erst einmal auf´s Frühstück verzichten und noch einmal zur Ultraschalluntersuchung. Am Mittwoch könne ich dann sehr wahrscheinlich nach Hause.

Na toll, noch ein Tag und eine Nacht im Krankenhaus. Ich befolgte alle Anweisungen brav, ehe ich mich nachmittags mal eine Stunde nach Hause verzog, um ein wenig im Internet zu surfen und ein bisschen kaltes Wasser zu trinken. Das gab es auf meiner Station nämlich nur zimmerwarm, für mich ein weiteres Rätsel. Anschließend lag ich wieder rum, las, schlief ein paar Minuten, sofern es der Lärm zuließ und bekam am frühen Abend einen spontanen, netten, kurzen Besuch. Einen eher skurrilen bereitete mir etwas später eine Stationsschwester. Dazu und zur Überschrift aber (über)morgen mehr.

- Fortsetzung folgt -

Arbeitszeitverkürzung jetzt!

Ursprünglich veröffentlicht auf altonabloggt:

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„Gute Arbeit für alle”. „30 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich in der Woche sind genug.“ Wie sieht es derzeit aus? Derzeit arbeiten wir rund 40 Stunden, sofern wir das Glück haben überhaupt einer bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen zu dürfen. Reproduktive Arbeit gehört dabei ebenso berücksichtigt. Dazu zählt die Pflege von Angehörigen oder Freunden, Erziehungsarbeit, bürgerschaftliche Arbeit und das Ehrenamt. Weiterhin die Beschäftigung mit der Erwerbslosigkeit, dem Ausfüllen von Anträgen, Wahrnehmung von Terminen im Jobcenter oder in der Arbeitsagentur. Die ungerechte Verteilung von Erwerbsarbeit unterscheidet sich noch heute im Lohnunterschied[1] zwischen Mann und Frau sowie dem ungleichen Einkommen zwischen Festangestellten, Zeitarbeitsbeschäftigten, Werkverträgen oder unentgeltlichen Praktika.

Das statistische Bundesamt[2] als auch die Medien sprechen von rund 42 Millionen Erwerbstätigen. Das Gesamt-Arbeitsvolumen liegt im Schnitt bei rund 57 Milliarden Stunden[3][4]. So ist zwar die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb der letzten 20 Jahre um knapp 10 % gesunken, jedoch die…

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