Glas voll, Kopf leer – der politische Aschermittwoch
Der Horst sagt, Ede sei ein ganz Großer. Ein ganz großer was? Vollpfosten, Stotterer oder gar Clown? Nein, einfach ein ganz Großer, war wohl gemeint. Der Ede lächelt und freut sich. Menschen schwenken große weiß-blaue Fahnen, andere halten komische Schilder in die Höhe. “Stoiber Superstar” oder “Seehofer Wunderbar” steht auf diesen, in weißen Lettern auf blauem Untergrund. Ich habe eine Gänsehaut.
Den politischen Aschermittwoch begehen mittlerweile alle in Deutschland relevanten Parteien und die FDP. Doch sollte man sich nichts vormachen, das Original ist die CSU (geschichtlich faktisch eigentlich eher die Bayernpartei, aber ich weiß eh nicht, wo hier der Unterschied ist), alles andere sind nur billige Nachmacher. Und ja, ich tue es jedes Jahr: Ich schaue mir wenigstens einige Minuten des Spektakels aus Passau an, manchmal gucke ich deutlich länger.
In der Geisterbahn ist man auf alles gefasst
Der Hauptgrund ist natürlich der Spaß, den das Verfolgen dieses Ereignisses mir bereitet. Es machen sich bei mir aber in kürzester Zeit die unterschiedlichsten Gefühle breit. Es ist ein wenig wie früher in der Geisterbahn. Man ist auf alles gefasst und erschreckt sich einfach nicht mehr. Meiner Belustigung folgt dennoch oft schnell die Ungläubigkeit. Wenn der Horst “Bayern soll Bayern bleiben” brüllt und die Masse daraufhin tobt, ist so ein Punkt erreicht. Verwunderung, Mitleid und Verzweiflung sind auch nicht selten oder Ekel, Verachtung und Hass.
Was mich immer wieder überrascht, sind die jungen Menschen, die daran teilnehmen. Es gibt dieses bekannte Zitat, welches ich gar nicht mag. Es lautet: Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand. Ein Satz, mit dem gerne das Streben nach Geld und Besitz gerechtfertigt wird. Was aber muss einem widerfahren sein, dass man bereits mit 20 Jahren in der CSU sein Dasein fristet?
Am Ende verpasst man trotzdem immer noch viel, wenn man nicht den ganzen Tag Phoenix schaut. Schon um 10.07 Uhr meldete der Ticker von Spiegel Online “CSUler tanzen bereits auf den Tischen”. Super, gibt´s das schon auf Youtube? Ich kann nichts finden. Gerade bin ich den Ticker noch einmal durchgegangen. Um 11.01 Uhr heißt es, Seehofer sagte: “Wir sind das Original, und alle anderen sind Plagiate”. Hilfe, das sind ja fast meine Worte, ich habe Angst. Nun gut, Horst hat es wirklich ganz ernst gemeint.
Dick ist lustig, schlank langweilt
Bei der SPD war Sigmar Gabriel natürlich wieder einmal gut drauf und an einigen Stellen sogar ein bisschen witzig. Er erzählt viele schöne Dinge über Märkte und Steuerflüchtige, über die Verursacher der Krise, die ja mitzahlen müssten usw. Warum nur die Politik seiner Partei das meiste, was er von sich gibt, nicht umsetzt und auch nicht umsetzen wird? Unterhaltungswert hat der Mann aber ohne Zweifel. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann dagegen lieferte eine gähnend langweilige Rede, wie erwartet also.
Wie üblich gut aufgelegt zeigte sich dagegen Gregor Gysi, aber hochinteressant war, wie Klaus Ernst von der Linkspartei erzählte, dass hinter vorgehaltener Hand viele, die vor zwei Jahren Gauck wollten, ihn jetzt eigentlich nicht mehr möchten. Also ist hier von Politikern der SPD und der Grünen die Rede, wenn ich ihn richtig verstanden habe. In der sehr angesehenen New York Times war übrigens vor einigen Tagen ein extrem oberflächlicher und unkritischer Artikel über Joachim Gauck zu lesen. In einem wieder einmal hervorragenden Artikel im Blog von Jacob Jung genau das Gegenteil.
Am Ende war dann noch Merkels Auftritt zu sehen. Sie schwafelte von der Wirtschaft, Arbeitsplätzen, wie toll Deutschland und die Erfolge der CDU wären und erwähnte mit keinem Wort den designierten Bundespräsidenten. Bemerkenswert aber folgendes: Nach jedem abgeschlossenen Gedankenstrang der Kanzlerin folgte von einer Kapelle neben ihr das “Tätää, tätää, tätää”, welches man von Karnevalsveranstaltungen im Anschluss an die meist unlustigen Gags kennt. Wenn sich die CDU jetzt schon selbst nicht mehr ernst nimmt und verarscht, was soll ich dann noch schreiben?
Eine Entschuldigung nach Basel
Von ganzem Herzen muss ich mich zum Schluss bei der tollen Mannschaft des FC Basel entschuldigen. Im eigenen Strafraum hatten sie zwar auch etwas Glück, aber trotz Abschlusspechs (Pfosten, Latte) ein 1-0 Sieg gegen den FC Bayern, das verdient Anerkennung! Ich denke immer noch, dass Bayern sich am Ende durchsetzen wird, aber Basel hat sich eine realistische Chance erarbeitet und ich drücke den Schweizern für das Rückspiel jedenfalls schon jetzt die Daumen.
Achtung, nichts für Kinder und Menschen mit schwachen Nerven:
Die Fußball Königsklasse der Langeweile
Es ist immer bitter, wenn die eigene Mannschaft nicht in der Champions League dabei ist, aber in diesem Jahr tut es richtig weh. Etwa die Hälfte der Teams im Achtelfinale kann man ohne Zweifel als schwächer betiteln als Liverpool, teilweise sind sie es deutlich (Nikosia, Basel und eigentlich auch Leverkusen) und abgesehen von Barcelona und Madrid hätte man auch gegen alle anderen eine gute Chance. Hoffentlich ist es im nächsten Jahr wieder so weit…
Bisher habe ich kein Spiel des Achtelfinales ganz gesehen. Das meiste noch von Leverkusen-Barcelona, aber auch das war nicht gerade besonders spannend, geschweige denn hochklassig. Die Katalanen hatten das Spiel kontinuierlich im Griff, siegten ohne Xavi und ohne ihren besten Fußball zu spielen, locker 3-1. Damit ist schon jetzt sicher, dass das Rückspiel komplett spannungslos vonstatten gehen wird.
Gestern ließ ich fast den ganzen Abend die Begegnung zwischen Neapel und Chelsea laufen, aber wirklich geschaut habe ich vielleicht 20 Minuten. Es ist schon schwierig, wenn man zwei Vereine sieht, die man nicht leiden kann, aber ein bisschen mehr hatte ich schon erwartet. Chelsea ist auf direktem Weg ins Mittelmaß, der wahrscheinlich nur mit riesigen Investitionen im Sommer verhindert werden kann und Neapel hat mich auch nicht umgehauen. Sicher sind Cavani, Hamsik und Lavezzi klasse, aber der Rest?
Auch hier sehe ich momentan nicht, wie das Rückspiel noch besonders spannend werden soll. Natürlich kann man daheim eine 3-1 Hinspiel-Niederlage wettmachen, aber Chelsea in der aktuellen Form gegen diesen konterstarken Gegner? Kann ich mir nicht vorstellen. Welche Begegnungen gab es bisher noch? Zenit St. Petersburg schlug Benfica Lissabon 3-2. Relativ unwahrscheinlich, dass die Portugiesen das zuhause nicht noch drehen, aber mal ehrlich? Kann sich jemand eine dieser beiden Mannschaften im Halbfinale vorstellen?
Der Sieger aus Lyon und Nikosia könnte schon im Viertelfinale für die Topfavoriten Kanonenfutter sein. Die Franzosen sind längst nicht mehr so gut wie vor einigen Jahren und eine Mannschaft aus Zypern unter den letzten 16? Ein toller Erfolg, aber wer kennt auch nur einen Spieler dieser Truppe? Madrid kassierte in Moskau gestern den späten Ausgleich, dürfte aber daheim gegen ZSKA kaum Schwierigkeiten haben. Der nächste potenzielle Langeweiler.
Auch schon praktisch entschieden ist der Vergleich zwischen Milan und Arsenal. 4-0 siegten die Italiener daheim. Sehr überraschend in der Höhe, aber wie Chelsea ist auch Arsenal klar auf dem Weg ins Mittelmaß. Die Defensive der Gunners war im Hinspiel ein Trümmerhaufen und wenn van Persie nicht trifft, geht man halt auch mal ohne ein erzieltes Tor vom Platz.
Heute erwartet uns noch Olympique Marseille gegen Inter Mailand und das BB Duell. Marseille gegen Mailand wird auch kaum großer Fußball, aber das Potenzial für Spannung ist wenigstens vorhanden. Basel-Bayern? Vielleicht werden die Schweizer ein akzeptables Resultat im Heimspiel erreichen, aber über zwei Partien können sie München eigentlich nicht bezwingen. Auf Sky kommentieren wird die heutige Begegnung bestimmt wieder Marcel Reif und er dürfte abermals penetrant seine Allwissenheit ins Mikrofon hauchen. Gut, dass es die Konferenz-Option gibt oder Wolff-Christoph Fuss bei Sat.1.
Spannender, actionreicher, unterhaltsamer und natürlich lustiger als vielleicht alle Achtelfinalspiele zusammen, ist die aktuelle Californication Folge, die ich mir am späten gestrigen Abend ansah. Was für ein Auftritt hatte Drea de Matteo da nur! Wow, sie scheint ihre ganze Sopranos-Gage für Fastfood und Milchshakes in Literbechern ausgegeben zu haben (ja schön, eine Schwangerschaft gab´s bei ihr auch irgendwann mal), aber sie spielte großartig. Kann ich wieder einmal nur jedem empfehlen.
Übrigens habe ich mich oft geärgert, wie miserabel die deutsche Synchronisation der Sopranos wer, fällt mir an dieser Stelle ein. Die Stimme von Tony kann man nicht einmal mehr als lächerlich bezeichnen, aber ob es Ungarisch auf wirklich besser ist? Die Stimme von Tony immerhin ohne Zweifel. Klingt irgendwie insgesamt auf jeden Fall lustig:
Die Nummer 50
Morgen wird dieses Blog 3 Monate alt und dies hier ist der 50. Beitrag. Zeit für ein kurzes Fazit, aber wirklich auch nur kurz. Die Besucherzahlen der letzen Woche waren etwa fünfmal so hoch wie die der ersten Woche. Ungefähr jeden zweiten Tag habe ich bisher hier etwas veröffentlicht. In diesem Monat war ich besonders fleißig. Dieses ist bereits der dreizehnte Beitrag im Februar, was einem Schnitt von knapp über 0.6 Veröffentlichungen per Tag entspricht.
Ich würde gerne jeden Tag etwas schreiben, aber das lässt sich aus verschiedenen Gründen einfach nicht machen. Vier Beiträge pro Woche sind aber in nächster Zeit durchaus realistisch, denke ich. Vielleicht steigen die Besucherzahlen dann weiter kontinuierlich und der ein oder andere Kommentar mehr kommt eventuell auch dazu. “Spezialisten” dafür zahlen, um hier mehr Traffic zu bekommen, werde ich aber sicher nicht.
Momentan genieße ich die Ruhe zuhause. Herrlich, nach Tagen des Chaos. Es ist eben nicht einfach, wenn man in Kabul wohnt oder halt im Rheinland zur Karnevalszeit. Am schlimmsten ist es, wenn man sich dem Trubel gezielt entzieht, aber trotzdem am Wochenende früh morgens von irgendeinem hirnlosen Müll (kann ich nicht Musik nennen), der von der Straße hinauf schallt, geweckt wird. Auch werde ich nie verstehen, wie man kostümsmäßig so unglaublich unkreativ sein kann.
Wenn man schon verkleidet feiert, dann doch bitte auch richtig und nicht einfach mit irgendeinem affigen Hut auf dem Kopf und ein paar Schmierereien auf der Wange. Klar, wenn man Opis alte SS Uniform aus dem Keller holt, gibt´s auch ein paar doofe Blicke, aber warum sich nicht mal als Dopplereffekt unter das Volk mischen? Auf Nachfragen und irritierte Blicke sollte man aber gefasst sein.
Ein potenziell sehr interessanter Bericht erwartet den geneigten Zuseher am morgigen Abend um 23.20 Uhr bei Zapp. Wie Groenewold die Medien umgarnte - David Groenewold, Filmfinanzier und Freund – nicht nur von Christian Wulff. Glaubte er, auch Journalisten mit kleinen Geschenken beeinflussen zu können? heißt es laut Homepage. Außerdem geht es um den Streit zwischen ARD+ZDF und den Verlegern auf der anderen Seite, sowie um die Hamburg Media School.
Der Super-Gauck
Ich hätte es wirklich nicht erwartet. Noch Freitag schrieb ich in einem Kommentar im empfehlenswerten Blog von Jacob Jung, dass Joachim Gauck meiner Meinung nach nicht neuer Bundespräsident werden würde. Diese Schmach würde Merkel nicht akzeptieren und deshalb einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern, meinte ich. Außerdem war da noch das Gespräch von Gauck mit Zeit-Herausgeber Josef Joffe und Redakteur Jochen Bittner im vergangenen Jahr, welches zumindest vielen in der SPD und bei den Grünen nicht gefallen haben dürfte.
In diesem Gespräch sagte Gauck unter anderem, dass die Antikapitalismus-Debatte albern sei und er kritisierte die Occupy-Bewegung, sowie die Art und Weise des Atomausstiegs und auch die Protestkultur im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich mir von einem Bundespräsidenten wünschen würde. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass auch er bisher zu den “Ausgrenzern” der Linkspartei (und damit irgendwie auch von Millionen Wählern) gehört(e). Jene Partei übrigens, die bei der Auswahl dieses sogenannten Konsenskandidaten natürlich übergangen wurde.
Nun gut, wirklich falsch lag ich mit meiner freitäglichen Vermutung übrigens auch nicht. Merkel wollte Gauck zunächst nicht, aber auf Töpfer konnte man sich nicht einigen, Norbert Lammert hatte keine Lust und Andreas Voßkuhle sagte ebenfalls ab. Im vorletzten Jahr wäre Gauck sicher eine bessere Wahl als Wulff gewesen, jetzt ist der gebürtige Rostocker nach diesen Aussagen für mich genau so ein Flop wie es der Niedersachse damals war. Wählen werden ihn natürlich fast alle, die nicht der Linkspartei zugehörig sind. SPD und Grüne feiern ihren späten Triumph mit Genugtuung und freuen sich über die Probleme der schwarz-gelben Koalition, die ihrerseits jetzt auf Drängen der FDP ebenfalls auf Gauck setzt und dieses Thema wahrscheinlich schnellstmöglich abhaken möchte.
Ob es wirklich wichtig ist, wer Bundespräsident wird, kann man sich durchaus fragen. Mir persönlich wäre aber zweifellos jemand viel lieber gewesen, der keine Menschen ausgrenzt. Jemand mit positiven Utopien, zu denen zwingend ein gerechteres Land und bestenfalls auch ein Überkommen des Kapitalismus gehört. Wäre diese Person dann noch eine Frau, würde ich mich begeistert zeigen. Ich wüsste gerade keine perfekte Kandidatin, aber jemand schlug im Forum bei SPON Marina Weisband vor, was ich eine tolle Idee fand. Eine in Kiew geborene junge, attraktive Jüdin, die von der Politik noch nicht versaut ist. Völlig unrealistisch, aber das hätte doch wirklich etwas.
Mit Margot Käßmann hätte ich mich auch noch anfreunden können. Ich bin zwar grundsätzlich kein Freund von Kirchenmenschen, aber Käßmann zeigt zumindest immer ein ausgeprägtes soziales Gewissen und verkörpert nicht die blinde Wirtschaftsgläubigkeit Gaucks. Der hat allerdings in der Bevölkerung einen großen Rückhalt, sodass von dieser Perspektive gesehen seine Wahl nicht zur Farce wird, wie die seines Vorgängers. Die Wahl von Gauck wird sicherlich auch im Anschluss nicht zum Super-Gau wie die von Wulff, doch der Super-Gauck, zu dem der Mann im Jahr 2010 gemacht wurde, ist er absolut nicht, ob gewaschen oder ungewaschen.
Äußerst mysteriös
Gestern wurde der alte Rekord für die meisten Aufrufe dieser Seite an einem Tag wegen des Wulff Beitrags locker gebrochen. Am Ende stand in der Statistik sogar mehr als eine Verdreifachung der alten Höchstzahl. Dennoch gab es nur einen mageren Kommentar. Äußerst mysteriös wie ich finde, aber das erspart mir wenigstens Arbeit. Auch nicht schlecht.
Am Abend las ich ein wenig und konnte mich anschließend für keinen Film so richtig entscheiden. Eigentlich habe ich noch genügend gute vorrätig, aber die interessantesten sind auf ungarisch, türkisch und russisch mit englischen Untertiteln, die man oftmals leider auch als nicht wirklich perfekt bezeichnen kann. Außerdem haben die Filme alle eine Länge von mindestens 140 Minuten.
Ich bin mir sicher, dass ich wenigstens zwei der Filme mögen würde, aber macht es Sinn einen Film zu schauen, wenn man eigentlich nicht in der Stimmung ist? Ich sinniere auch gerne mal über die mangelnde Filmbildung in diesem Land und den oft sehr niedrigen Anspruch, was cineastische Werke angeht, aber es gibt einfach auch viele Menschen, die mit Andrey Tarkovskiy oder Béla Tarr gar nichts anfangen könn(t)en.
Womit ich immer noch gar nichts anfangen kann, ist das unsägliche Sat.1 Programm am Freitagabend. Gestern gab ich mal der neuen Sketchshow mit der in “Switch” wunderbaren Martina Hill eine Chance. Tja, das kann vielleicht nur Sat.1, also Martina Hill in zumeist schlechten Sketchen verschwenden. Einfach eine Schande und die restlichen Shows sind dort wahrscheinlich noch deutlich mieser.
Am liebsten mag ich Martina Hill übrigens nicht als Heidi Klum, sondern in der Rolle der Börsentante der ARD, Anja Hohl, sorry Kohl. Irgendwie bringt mich dieses auf den Gedanken, dass ich so gerne mal Porada Ninfu, die Hauptstadt Lampukistans, besuchen würde.
Der arme Wulff und die bösen Medien – vorerst letzter Teil
Nu isse weg, die doofe Sau. Nein, gemeiner Beginn, ich versuche es noch einmal: Es zerreißt mir das Herz. Auch nicht gut, zu viel Häme. Diese ist im Fall Wulff zwar schon angebracht, aber andererseits kann man einfach erst einmal erleichtert sein, dass er nun endlich zurückgetreten ist. Viele Wochen zu spät, aber diesen Fehler wird er wohl erst in einiger Zeit einsehen. Er scheint auch heute noch nicht verstanden zu haben, dass er seinen Rücktritt selbst zu verantworten hat und nicht etwa die bösen Medien, wie immer wieder kolportiert wird.
Waren es all die kleinen und etwas größeren Merkwürdigkeiten, die Wulff das Amt gekostet haben oder war es sein Umgang mit diesen? War es der Fall Groenewold, welchen die Staatsanwaltschaft zum Anlass nimmt, gegen den CDU Politiker zu ermitteln? Oder war es vielleicht doch die Kanzlerin, die keinen Bock mehr hatte und gestern bei Wulff anrief? In etwa so vielleicht?
Wulff: Hallo, Bundespräsident Wulff.
Merkel: Hallo Chrissi.
Wulff: Ach, hallo Angie, alles in Ordnung?
Merkel: Alles in Ordnung? Schon mal Nachrichten geschaut heute?
Wulff: Ja, natürlich Angie. Echt ärgerlich, dass Gottschalk nicht doch weitermachen will. Ob dieser Markus Lanz wirklich “Wetten, dass…?” moderieren kann?
Merkel: Hä, was? Ach so, ja der Lanz. Den finde ich eigentlich ganz süß, aber apropos nicht weitermachen: Du bist raus.
Wulff: Och nö!
Merkel: Och jö. Morgen gibst du schön deinen Rücktritt bekannt. Ich hab´ endgültig die Schnauze voll und außerdem ist das ein guter Grund für mich, meine Italienreise abzusagen. Da habe ich ja gar keinen Bock drauf.
Wulff: Aber ich will doch nicht, Angie. Bitte gib´ mir doch noch ´ne Chance. Bettina hat doch gerade auch erst so schön die Gästezimmer eingerichtet.
Merkel: Meinetwegen kann sie demnächst eine Pommesbude einrichten. Ich kann euch beide nicht mehr sehen.
Wulff: Menno, ich mag´ aber wirklich nicht.
Merkel: Soll ich Dir den Dobrindt vorbeischicken? Der wird schon seit Tagen mit starken Medikamenten ruhig gestellt. Wenn wir die Tabletten absetzen, ist der nicht mehr zu kontrollieren.
Wulff: Oh je, nicht den Dobrindt. Vor kurzem mochte der mich noch, aber vor dem habe ich trotzdem richtig Angst. Ist okay, dann trete ich halt zurück.
Merkel (erleichtert): Na endlich. Ich muss jetzt den Hintze anrufen. Nicht, dass der sich jetzt noch etwas antut. Bis dann, Chrissi.
Wulff (schluchzend): Grüß schön. Tschüss Angie.
Wie dem auch sei, das Vertrauen von vielen Millionen Menschen in diesem Land hatte Wulff schon lange nicht mehr und damit auch nicht die Legitimität, moralisierende Reden vorzutragen, was offensichtlich seit langem zu den Kernaufgaben deutscher Bundespräsidenten gehört. Wer aber könnte das? Töpfer wird immer wieder genannt, Lammert, manchmal Schäuble, von der Leyen oder doch Joachim Gauck?
Nein, Gauck kann man schnell vergessen. Angela Merkel möchte nach eigener Aussage zwar einen Kandidaten, der parteiübergreifend Zustimmung erfährt, aber das kann Gauck nicht mehr sein, selbst wenn man die Linke ausnimmt. Zu radikal waren seine Aussagen zur Occupy-Bewegung und Kapitalismus-Kritik. Außerdem würde Merkel damit rückwirkend einräumen, dass sie 2010 mit ihrer CDU und der FDP gegen den mehrheitlichen Wunsch in der Bevölkerung den falschen Mann durchgeboxt hat.
Durchaus vorstellbar ist es natürlich auch, dass aus dem Nichts ein völlig neuer Name präsentiert wird. Leider fällt mir diesbezüglich allerdings gerade niemand ein. Einen ziemlich innovativen Vorschlag hat dagegen die Titanic.
Gestern wiederholte Martin Lindner bei Anne Will den Mythos vom deutschen Steuerzahler, der die griechischen Renten zahlt. Lustig und so passend zu meinem Artikel, den ich nur wenige Stunden zuvor geschrieben hatte. Ein Mann, der monatlich einen fünfstelligen Betrag auf sein Konto überwiesen bekommt, rechtfertigt dann auch noch Armutsrenten und -gehälter. Ja, klar ist schon hart für einige, aber was geht mich persönlich das an? FDP Denken halt.
Später kam von ihm noch ein Loblied auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die im europäischen Vergleich guten Arbeitslosenzahlen Deutschlands. Gut, Lohndumping und statistische Tricks tragen dazu maßgeblich bei, aber wer will schon so kleinlich sein? Ich, und Leute wie Lindner treiben mich zum Kotzen auf das Klo. Immerhin gibt es heute keine Maybrit Illner Sendung, über die ich mich aufregen muss.
Wie vermutet war der Zapp-Beitrag über ACTA gestern übrigens recht interessant:
Ein exzellenter Clip und zwei lesenswerte Artikel
Wie der Titel dieses Beitrags schon vermuten lässt, habe ich heute einen exzellenten Clip und zwei sehr lesenswerte Artikel anzubieten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann und irgendwie sogar muss. Im ersten Artikel geht es um Griechenland. Ja, ich weiß, viele können es einfach nicht mehr hören. Was mich aber immer wieder nervt, ist der Umgang mit dieser Thematik in Deutschland. Es wird fortlaufend suggeriert, dass die Griechen faul sind, dass wir den Griechen helfen, dass die Griechen dankbar sein sollten. Gerade das irreführende Wort “Hilfspaket” erweckt den Anschein, wir täten wirklich etwas für die Menschen dort.
Selbstverständlich tun wir das auch, aber nichts Gutes, zumindest was unsere Politiker angeht. Mit dem nächsten Sparpaket, welches wir dem Land aufbürden, werden dort wieder Menschen entlassen, der ohnehin schon niedrige Mindestlohn sinkt weiter und die Renten werden gekürzt. Die “einfachen” Arbeiter, Angestellten, Arbeitslosen und Rentner leiden massiv, während auf der anderen Seite Banken und Co. gerettet werden. Mehr zu diesem Thema hier.
Der zweite Artikel setzt sich mit unserem Geldsystem auseinander. Ich denke, die meisten Menschen begreifen dieses so gut wie gar nicht, ein weiterer großer Teil, zudem auch ich gehöre, verstehen es nur begrenzt und ganz wenige durchschauen es wirklich. In diesem Text werden viele mit Sicherheit zumindest ein klein wenig dazulernen können. Wer die Zeit hat, dem sei auch empfohlen, die Kommentare zu lesen. Hier geht´s weiter.
Ein anderes interessantes und wichtiges Thema ist das Abkommen “ACTA”, über welches unter anderem in Zapp um 23.20 Uhr im NDR berichtet wird. Zwei romantische Gedichte, die ich gestern zum Valentinstag gelesen haben, muss ich auch noch teilen:
Roses are gay,
Violets are queer.
Now make me a sandwich,
And fetch me a beer.
Roses are straight,
Violets are twisted,
Bend over love,
You´re about to be fisted.
Zum Schluss nun noch der angekündigte Clip. Am besten sollte man ihn zuhause in Ruhe schauen. Licht aus, bequem auf´s Sofa gesetzt und Clip an:
Wie mir O2 & Alice auf den Sack gehen
Wenn mir heute noch einer mit “Happy Valentine’s Day” kommt, werde ich sauer. Als ob es nicht schon gereicht hätte, dass mir O2 & Alice sowie der verdammte Tomas Kaberle an diesem Tag bereits gewaltig auf den Sack gegangen sind. Da führt Montreal 3-2 im letzten Drittel, hat ein Powerplay und damit die Chance zur Vorentscheidung, dem fünften Sieg in Folge und den Abstand auf den letzten Play-off Platz auf fünf Zähler zu verkürzen und was macht der dämliche 4.25 Millionen Dollar Mann? Er lässt sich außen überlaufen und den besten Stürmer des Gegners allein auf´s Tor zufahren. Der Trottel ist weicher als der Schädel von Lothar Matthäus.
Ganz prima auch die Leute von O2 & Alice. Man bedauert meine Kündigung, schrieben sie. Ich nicht. Mein Vertragsverhältnis endete am 9.2.2012. Heute, also am 14.2., bekomme ich einen Brief, in dem ich aufgefordert werde, die geliehenen technischen Geräte bis zum 16.2. zurückzuschicken, sofern ich das noch nicht getan habe. Hatte ich natürlich nicht, denn ich war mir nicht sicher, dass die ein veraltetes Kombi-Modem zurückhaben wollen. Selbst wenn, hätte ich dann wirklich selbst herausfinden sollen, an welche Adresse ich es schicken muss? Kann nicht deren Ernst sein…
Natürlich befand sich in dem Brief auch die fettgedruckte Drohung, dass mir der Warenwert in Rechnung gestellt werden würde, sollte es nicht bis zum 16.2. eintreffen. Irgendwie hoffe ich, dass es erst am 17.2. ankommt und die mir eine Rechnung schicken. Meinen Anruf dort würde der jeweilige Mitarbeiter so schnell nicht vergessen. Wäre ich derzeit nur für zwei Tage verreist, hätte ich selbstverständlich überhaupt keine Chance, diese lächerlich kurze Frist einzuhalten. Mit so einem Brief sorgt man vorzüglich dafür, einen verlorenen Kunden nie wieder zurückzubekommen. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Freunden der Weiten unseres Universums und der eigenen Unbedeutsamkeit empfehle ich diese nette Spielerei, die ich mir gleich zur Beruhigung auch noch einmal zu Gemüte führe: The Scale of the Universe 2
Brandenburg, Lars und viele gute Filme
Es gibt Samstage, die gut sind. Es gibt Samstage, die richtig gut sind und es gibt den 11.2.2012. Der war das Brandenburg unter den Samstagen. Ein richtig beschissenes Liverpool Spiel ohne anständiges Pressing und mit zwei saudummen Gegentoren. Anschließend ging die absurde Hetzjagd auf Luis Suárez weiter und ich hatte am Abend ziemlich unangenehme Kopfschmerzen.
Wenigstens begann der heutige Sonntag besser. Ein 5-0 meiner Canadiens in Toronto ist schon eine feine Sache. Max Pacioretty traf wieder, Eller ebenfalls, wobei er das mit einer Leichtigkeit machte, wie man sie selten sieht. Gut, es hilft selbstverständlich auch, wenn sich die gegnerische Verteidigung anstellt wie die einer kollektiv menstruierenden Damenmannschaft, aber der Mann kann schon etwas. Emelin hatte außerdem wieder einen Haufen “Hits” und beendete das Spiel mit +1.
Da Chelsea gestern verloren hatte und Liverpools Rückstand auf Platz 4 immer noch vier Punkte beträgt, war die scheiß Partie vom Samstagmittag fast schon wieder vergessen. Natürlich wirklich nur fast. Nach vier Siegen in Folge kann man in Montréal doch nochmal von den Play-offs träumen. In 26 Spielen sind sieben Punkte Rückstand durchaus aufholbar, aber so wirklich daran glauben kann ich nicht. Am Ende wird diese Siegesserie wahrscheinlich nur ein besseres Draft Pick kostete, aber wer weiß?
Genug zum Thema Sport, ach nee, eines noch: Glückwunsch an jeden Fußballtrainer, der in den nächsten Wochen ein Engagement bei Hertha BSC ablehnt. Was für ein lächerlicher Club! So, jetzt aber wirklich. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendwann so unglaublich viele interessante Filme gleichzeitig im Kino zu sehen waren. Trotzdem werden Hunderttausende in Schrott wie “RubbeldieKatz” oder “Zettl” laufen. Die beiden Filme muss ich nicht gesehen haben, um zu wissen, dass sie mir nicht gefallen würden.
Ich mag eigentlich Detlev Buck und Matthias Schweighöfer ebenfalls, von Alexandra Maria Lara und Karoline Herfurth ganz zu schweigen, aber “Tootsie” war schon nicht mein Lieblingsfilm und dann noch eine Satire von Helmut Dietl, an deren Drehbuch Benjamin von Stuckrad-Barre mitgewirkt hat? Nein danke, der eine ist ein schrecklich überbewerteter Regisseur, der andere überbewertet, in allem, was er macht. Die Tatsache, dass von Stuckrad-Barre auch noch hemmungslos für die Springer-Presse schreibt, passt ins Bild.
Man könnte meinen, dass ich beide in etwa so mag wie Pickel am Sack und damit liegt man nicht falsch. Da fällt mir noch eine traurige Sache ein. Helmut Dietl wurde ziemlich genau ein Jahr vor Rainer Werner Fassbinder geboren. Schnarchnase Dietl macht 2012 immer noch Filme, während in diesem Juni der 30-jährige Todestag von Genie Fassbinder ansteht. Traurig, sehr traurig. Wenigstens erfreut sich die zukünftige New Yorker Regielegende Darren Aronofsky meines Wissen guter Gesundheit. Er wird heute übrigens 43 Jahre alt.
Eine aktuelle Regielegende hat im letzten Jahr einen Film fertiggestellt, der seit Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen ist. Es handelt sich um Martin Scorsese und “Hugo Cabret“, der im Paris der 30er Jahre spielt und mehrheitlich sehr gute Kritiken bekommen hat. Dieses Werk steht ziemlich weit oben auf der Liste der Filme, die ich in den nächsten beiden Wochen sehen möchte. Gleiches gilt für den türkischen Film “Bir zamanlar Anadolu’da” (Once Upon a Time in Anatolia), den man aber offensichtlich leider in den Kinos vieler deutscher Städte verzweifelt sucht.
Wer den halben Film erzählt bekommen will, kann nach der Filmkritik der FAZ googlen. Verlinken werde ich diese aber nicht, da sie meiner Meinung nach viel zu viel vorwegnimmt. Weiter geht´s: In der letzten Woche sah ich die französische Tragikomödie “Intouchables“, der man den dämlichen deutschen Titel “Ziemlich beste Freunde” verpasst hat. Was nach Adam fucking Sandler klingt, beinhaltet aber tatsächlich Qualität. Lustig, traurig und nachdenklich ist eine Mischung, die selten so gut funktioniert. Auch dürfte man keine Probleme haben, diesen Film in einem nicht allzu weit entfernten Kino zu finden. Es sei denn, man wohnt in Brandenburg oder Thüringen und Co…
Sehr interessiert mich auch das Kinodebüt ”Kriegerin” eines gewissen David Wnendt. Kurz auf den Punkt gebracht erzählt der Film die Geschichte einer Nazi-Schlampe aus Ostdeutschland. Irgendwie leider auch ein aktuelles Thema. Mehr über “Kriegerin” gibt´s bei SPON zu lesen. Die Liste nimmt und nimmt kein Ende. Als nächster wäre da “The Artist“, vom litauischen Pariser Michel Hazanavicius. Film wie Regisseur sind für den Oscar nominiert. Bei der Auswahl für den Oscar des besten Films findet man übrigens auch “The Descendants“, “Hugo Cabret”, und den ebenfalls nicht uninteressanten “Moneyball“.
Ich hoffe, niemand kommt auf die Idee, dass ich der Oscar-Verleihung eine sehr große Bedeutung beimesse. Dort hat man schon unglaublich lächerliche Entscheidungen getroffen, aber ganz ahnungslos ist man dort nun auch wieder nicht und so freut mich, dass für den besten fremdsprachigen Film wieder einmal einer aus Québec zur Auswahl steht. Wahrscheinlich habe ich noch ein, zwei Filme vergessen, aber das muss jetzt reichen. Viel Spaß im Kino und wer doch lieber zuhause bleibt, aber gerne mal spät ins Bett geht, der sollte vielleicht um 0.35 Uhr das “nachtstudio” des ZDF schauen. Dort wird man über die Zukunft des deutschen Films diskutieren.